Aktualisiert 08.12.2011 09:37

Wunder-Trainer Vogel

«Es kann kommen, wer will»

An der Pressekonferenz nach dem Triumph über ManU zeigte sich FCB-Trainer Heiko Vogel «unheimlich stolz» auf sein Team. So sehr, dass es der Deutsche im CL-Achtelfinale mit jedem Gegner aufnimmt.

von
Eva Tedesco

FCB-Trainer Heiko Vogel wird von seinen Emotionen übermannt. (Video: 20 Minuten Online)

Hunderte Fans feierten ihre Champions-League-Helden auf dem Barfüsserplatz. Und oben auf dem Casino-Balkon lachten, tanzten und sangen die Spieler mit. Man konnte kaum glauben, dass sie insgesamt 96 intensive, kräftezehrende Minuten in den Beinen hatten, so ausgelassen hüpften sie mit der Menge mit. Bei so viel Freude und Überschwang können und dürfen die Emotionen auch den hartgesottenen Trainer «definitiv» übermannen, wie Vogel so gerne sagt. Denn plötzlich zog sich der feiernde Vogel etwas von der Brüstung zurück: Der FCB-Trainer ad interim weinte. Unaufhaltsam liefen dem Pfälzer die Freudentränen über die Wangen.

Dabei hatte er nur kurz zuvor noch an der Medienkonferenz gesagt: «Ich kann noch gar nicht richtig fassen, was da passiert ist. Das braucht Zeit. Vielleicht kann ich es realisieren, wenn es über die Feiertage ruhiger wird.» Auf den «Ernstfall» vorbereiten konnte sich der Coach nicht. «Ich wusste nicht, wie ich reagieren würde, wenn der Fall eintrifft: Ob ich quer über den Platz laufen und jede Eckfahne einzeln küssen würde oder ob ich durchdrehe», so der FCB-Trainer. Beides traf nicht ein. «Aber, was nicht ist, kann ja noch werden», beendete Vogel den Satz lachend.

Ab sofort: Sir Alex

«Ich bin unheimlich stolz auf meine Mannschaft. Sie war mental, taktisch und physisch aussergewöhnlich. Die weiteren Superlative überlasse ich den Medien. Für mich ist der Sieg eine Sensation, weil es nicht alltäglich ist, Manchester zu schlagen. Die Art und Weise, wie die Mannschaft das getan hat, war überragend.» Wie die 36 000 Zuschauer musste auch der Trainer lange zittern, bis das Wunder Tatsache war. Vor allem, als Markus Steinhöfer die eigene Latte traf. «In guten Tagen macht er den», konnte Vogel nach dem Sieg gut lachen. An der Seitenlinie hatte er nach dem 2:0 durch Alex Frei (84.) nicht mehr am Sieg gezweifelt.

Für den Topskorer war das Siegtor gegen Manchester bereits der fünfte Treffer in der laufenden Kampagne und der achte Treffer (11 Spiele) insgesamt in der Königsklasse. Damit hat Alex Frei Stéphane Chapuisat (20 Spiele/7 Tore) überholt und ist der Schweizer Stürmer mit den meisten Champions-League-Toren.

Achtelfinal-Auslosung am 16. Dezember

Vogel weiss, was er an seinem Top-Torjäger hat. «Seine Quote stellt alles ausser Frage. Er ist ein Stürmer der Extraklasse.» Der FCB-Trainer schiebt auch ein Kompliment an seinen zweiten Angreifer nach, der das Traumduo komplettiert. An Marco Streller, seinen Captain und verlängerten Arm. «Pippi ist derzeit in der Form seines Lebens.» Das unterstrich der lange Baselbieter gestern mit dem Tor zur 1:0-Führung (9.) der Rotblauen, seinem zweiten Treffer in der Champions League.

Für die Torjäger und den FCB geht es im Frühjahr in den Achtelfinals weiter. Gegen welchen Gegner, erfahren die Champions-League-Fighter bei der Auslosung am 16. Dezember in Nyon. Und gegen wen soll es gehen, wenn sich der FCB-Coach einen Gegner wünschen könnte? Vogel: «Es kann kommen, wer will». Sprachs und stand auf – denn in der Kabine wartete ein Fläschchen Bier auf den Trainer. «Oder zwei, drei, vier», flüsterte er noch über die Schulter, ehe er in den Katakomben des Joggeli verschwand und rund eineinhalb Stunden später auf dem Casino-Balkon in der Stadt wieder auftauchte.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.