Erdbebenserie im Wallis: «Es könnte zu schwerem Beben kommen»
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Erdbebenserie im Wallis«Es könnte zu schwerem Beben kommen»

Im Wallis bebt die Erde. Weshalb es dort zu Erdbeben kommt und welche möglichen Folgen dies haben kann, erläutert der ETH-Seismologe Philipp Kästli.

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Seit Dienstagnacht wird das Wallis von einer Erdbebenserie nördlich von Sion heimgesucht. Bislang ist es zu über 100 Beben gekommen, darunter auch solchen, die für die Bevölkerung spürbar waren.

Seit Dienstagnacht wird das Wallis von einer Erdbebenserie nördlich von Sion heimgesucht. Bislang ist es zu über 100 Beben gekommen, darunter auch solchen, die für die Bevölkerung spürbar waren.

Screenshot: Schweizerischer Erdbebendienst
Das Wallis ist eine Erdbebenregion. Gemäss Statistik kann es dort in den nächsten Jahren laut dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz wiederum zu einem starken Beben mit einer Magnitude von 6 oder mehr kommen.

Das Wallis ist eine Erdbebenregion. Gemäss Statistik kann es dort in den nächsten Jahren laut dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz wiederum zu einem starken Beben mit einer Magnitude von 6 oder mehr kommen.

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Philipp Kästli vom Schweizerischen Erdbebendienst sagt: «Erdbebenschwärme sind  im Wallis nicht unüblich, auch wenn es sich nun um einen aussergewöhnlich aktiven Erdbebenschwarm handelt und die stärksten Beben in spürbare Bereiche kamen.»

Philipp Kästli vom Schweizerischen Erdbebendienst sagt: «Erdbebenschwärme sind im Wallis nicht unüblich, auch wenn es sich nun um einen aussergewöhnlich aktiven Erdbebenschwarm handelt und die stärksten Beben in spürbare Bereiche kamen.»

tom Kawara

Seit Dienstagnacht wird das Wallis nördlich von Sion von einer Erdbebenserie heimgesucht. Bislang ist es zu knapp 100 Beben gekommen, darunter auch solchen, die für die Bevölkerung spürbar waren. Das letzte starke ereignete sich am Dienstagmorgen um 4.36 Uhr beim Sanetschpass mit einer Magnitude von 3,3 auf der Richterskala.

Das Wallis ist eine Erdbebenregion. Gemäss Statistik kann es dort in den nächsten Jahren laut dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz wiederum zu einem starken Beben mit einer Magnitude von 6 oder mehr kommen. 20 Minuten sprach mit Philipp Kästli, Seismologe des Schweizerischen Erdbebendienstes SED an der ETH Zürich, über die aktuelle Erdbebenserie.

Was zeichnet die aktuellen Erdbeben im Wallis aus?

«Die Beben ereigneten sich in einem Gebiet zwischen Sion und dem Wildhorn. Dort bebte es bereits in der Vergangenheit. Erdbebenschwärme sind dort wie auch andernorts im Wallis somit nicht unüblich, auch wenn es sich nun um einen aussergewöhnlich aktiven Erdbebenschwarm handelt und die stärksten Beben in spürbare Bereiche kamen.»

Wie ist das Gebiet seismografisch beschaffen?

«Vereinfacht gesagt kommen die Spannungen in der Erdkruste von Süden her, wenn die afrikanische Platte gegen die europäische Kontinentalplatte drückt. Durch diese tektonischen Plattenverschiebungen entstanden einst auch die Alpen. Die Verschiebung der beiden Platten führt zu Spannungen im Untergrund und damit auch zu Beben im ganzen Alpenbogen.»

Wieso bebt es zurzeit aber nur im Wallis?

«Grundsätzlich zeichnen wir in der ganzen Schweiz Erdbeben auf. Aktuell ist das Wallis erdbebenaktiver als beispielsweise Graubünden. Weshalb das so ist, lässt sich allerdings nicht einfach beschreiben. Bei den Plattenverschiebungen entstehen unterschiedliche Spannungsfelder, die sich nicht zeitgleich lösen müssen.»

Kann man davon ausgehen, dass es in den nächsten Tagen weiterbebt?

«Das typische Verhalten eines Erdbebenschwarms ist, dass er nach einer gewissen Zeit wieder abklingt. Wie lange das geht, ob Tage oder Wochen, ist unterschiedlich. Natürlich ist es auch möglich, dass es zu einem stärkeren Beben, auch einem mit Schadensfolgen, kommen kann. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist zurzeit aber nicht sehr gross, sie beträgt fünf bis zehn Prozent.»

Deuten die Beben nicht auf ein «Big-One»-Beben hin?

«Das kann man nicht voraussagen. Ein schweres Beben kann Vorbeben haben, muss es aber nicht. Statistisch gesehen beträgt im Wallis die Wahrscheinlichkeit, dass es innerhalb eines Jahres zu einem Erdbeben mit einer Magnitude von 6 oder mehr kommt etwa ein Prozent. Wann ein solches Beben tatsächlich eintritt, lässt sich nicht vorgängig bestimmen. Das Wallis ist sich einer solchen Gefahr aber bewusst: Die Einhaltung der schweizerischen Erdbebenbaunorm von 1989 ist dort obligatorisch. Somit sind alle neueren Gebäude auf ein starkes Beben ausgelegt. Bei älteren Gebäuden weiss man das nicht unbedingt.»

Was für Folgen sind von einem «Big One» zu erwarten?

«Ab einer Magnitude von 6 muss in grösseren Gebieten mit Gebäudeschäden gerechnet werden. Dass dabei auch Menschen sterben können, zeigt das Beispiel des Erdbebens im Jahr 2016 in Amatrice in Italien, das sein Epizentrum nahe an Siedlungsgebieten hatte und über 300 Todesopfer forderte. Als Folge von grossen Erdbeben ist zudem mit Erdrutschen, Steinschlägen oder Lawinen zu rechnen. Dass dabei allerdings Steinmassive in Mitleidenschaft gezogen werden, ist nicht wahrscheinlich. Ich gehe nicht davon aus, dass ein «Big One» das Matterhorn zusammenfallen lässt.»

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