Aktualisiert 28.11.2016 12:24

Studie

Es kommen die falschen Fachkräfte in die Schweiz

Die Studie der Zürcher Volkswirtschaftsdirektion ist brisant: Demzufolge sind 80 Prozent der ausländischen Zuzüger nicht benötigte Facharbeiter.

von
zum
Wer kommt in die Schweiz zum Arbeiten? Ungelernte Bauarbeiter aus dem Ausland anstatt hochqualifizierte Spezialisten, sagt eine neue Studie.

Wer kommt in die Schweiz zum Arbeiten? Ungelernte Bauarbeiter aus dem Ausland anstatt hochqualifizierte Spezialisten, sagt eine neue Studie.

Keystone/Salvatore di Nolfi

In der Wintersession, die am Montag startet, ist die Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative (MEI) eines der dringendsten Themen. Da könnte eine bisher unveröffentlichte Studie der Zürcher Volkswirtschaftsdirektion für hitzige Diskussionen sorgen.

Die Studie hat den Arbeitsmarkt von 15 sogenannten Mangelberufen in der ganzen Schweiz untersucht und zeigt auf, dass vier von fünf Zuzügern aus dem Ausland keine dringend benötigten Fachkräfte sind, berichtet die «NZZ am Sonntag».

Demzufolge kommen nicht nur Ärzte, IT-Spezialisten, Pflegepersonal oder Ingenieure, die besonders gesucht sind, in die Schweiz, sondern weniger qualifizierte Arbeiter für Detailhandel, Gastronomie und das Baugewerbe.

Korrektur durch Inländervorrang?

Gerade in diesen Branchen ist die Arbeitslosigkeit im Inland aber vergleichsweise hoch, es bräuchte keine ausländischen Einwanderer. Dies sollte sich bei einer Umsetzung der MEI mit dem Inländervorrang ändern: Dann müssten Arbeitgeber Bewerber aus dem Inland prüfen und deren Ablehnung begründen.

In der Baubranche werden beispielsweise nicht Poliere oder Produktionsleiter eingestellt, sondern vor allem ungelernte Bauarbeiter. Diese würden aber nicht wegen tieferen Löhnen geholt – in der Baubranche gilt ein Mindestlohn gemäss Gesamtarbeitsvertrag –, sondern weil sie schlicht leistungsfähiger seien, sagt Nico Lutz von der Gewerkschaft Unia. Dadurch kämen vor allem ältere Arbeitnehmer unter Druck.

Auch im Gastgewerbe scheint man nach wie vor auf Mitarbeiter aus dem Ausland zu setzen, trotz zahlreichen Stellensuchenden in der Schweiz. Diese Woche machte das Luxus-Resort auf dem Bürgenstock von sich reden, das angeblich 600 der 800 Angestellten im Ausland rekrutieren will – weil es in der Schweiz zu wenig qualifiziertes Personal gebe.

Grosse regionale Unterschiede

In der Studie wurden die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt seit 2007 untersucht. Dabei zeigten sich unter anderem starke regionale Unterschiede. So tragen in den Kantonen Zürich, Aargau und Basel die Zuzüger deutlich über 20 Prozent zur Deckung des Fachkräftemangels bei. In den Grenzkantonen Tessin und Genf ist der Anteil dagegen mit rund 15 Prozent am tiefsten.

Fehler gefunden?Jetzt melden.