Ferien mit Kindern: «Es muss nicht immer Meer sein»
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Ferien mit Kindern«Es muss nicht immer Meer sein»

Möglichst viel mit den Kids zusammen – oder doch lieber Kinderprogramm mit Freiraum für die Eltern? Experte Christoph Zollinger erklärt, wie man mit Kindern stressfrei verreist.

von
Marlies Seifert

Herr Zollinger, was muss man bei der Wahl des Ferienorts beachten?

Christoph Zollinger: Grundsätzlich ist zu überlegen, welche Wünsche bestehen und welche die Eltern den Kindern erfüllen möchten. Möchte man möglichst viel gemeinsam erleben oder sollen die Kinder unter ihresgleichen sein, während die Eltern eigenen Interessen nachgehen? Auch geografische, klimatische, sprachliche, kulinarische und sicherheitsrelevante Überlegungen sind sinnvoll.

Welche Einrichtungen müssen vorhanden sein?

Das ist abhängig von den Bedürfnissen. Bei der Infrastruktur reicht die Bandbreite von Lagerfeuerromantik bis zu Pool-Animation und Wasserrutschen. Es können auch Wissensvermittlung oder Sportaktivitäten im Vordergrund stehen. Ferien können ein Testfeld sein, um die Interessen der Kinder auszuloten oder sie an bestimmte Inhalte und Erfahrungen heranzuführen.

Ab welchem Alter sind Kinder bereit für die ersten Ferien?

Strandferien sind auch für die Kleinsten problemlos. Für Naturabenteuer oder Tierbeobachtungen sollten die Kinder bereits im Kindergarten- beziehungsweise Schulalter sein. Auch Besichtigungen kultureller Art sollten altersgerecht sein.

Welche Destinationen empfehlen Sie?

Europa bietet enorm viele Möglichkeiten – und es muss nicht immer das Meer sein. Andere Gewässer laden zu Aktivitäten wie Kanu-Touren. Auch gibt es im Landesinneren oft mehr Authentizität als an den Küstenorten. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist in Portugal, Griechenland und der Türkei interessant.

Wie lange sollte man mit Kindern maximal fliegen?

Zwei bis höchstens vier Stunden. Im Alter von unter zwei Jahren haben die Kleinen keinen eigenen Sitz, was auf einem längeren Flug ganz schön anstrengend sein kann.

Und wenn es doch weiter weg geht?

Bei Langstreckenflügen empfehle ich die Airline nicht nur nach dem Preis, sondern auch nach den Flugzeiten zu wählen. Es ist zu bedenken, dass bei einem Flug nach Asien mit Abflug hier um die Mittagszeit die Ankunft in Asien zwar am anderen Morgen ist, durch die Zeitverschiebung ist die innere Uhr aber erst bei Mitternacht. So haben sie bei der Landung kaum geschlafen. Die Vermutung liegt dann nahe, dass die ersten Tage am Ferienziel nachhaltig anstrengend sein werden.

Was gehört unbedingt ins Gepäck?

Lebenswichtiges gehört in Handgepäck für den Fall von Gepäckverlust. Ansonsten möglichst viel ins normale Gepäck. Ebenfalls ins Handgepäck gehört Unterhaltung für die Kinder. Es empfiehlt sich auch, Wasser mitzunehmen, es vor dem Sicherheitscheck leer zu trinken und danach wieder zu füllen. Vor allem bei längeren Flügen ist ein Wasservorrat wichtig.

Auch lange Autofahrten können anstrengend sein...

Oft meinen die Eltern, es wäre am besten, wenn alles schlank durchgeht, aber die Kinder finden gerade die Abwechslung attraktiv. Fähren sind für Kids zum Beispiel ein Highlight.

Gibt es Trends im Bereich Familienferien?

Wir bieten viele naturnahe Ferienziele, Orte abseits der Massen. Die Nachfrage übersteigt das Angebot immer mehr. Auch sehr gefragt sind Zweizimmer-Unterkünfte. Zwar ist es kostengünstiger, wenn die Familie auf weniger Quadratmetern wohnt, aber der Komfort von zwei, je nach Familiengrösse drei Räumen ist vielen Familien den Mehrpreis wert. Die Bedürfnisse der Familien sind aber sehr unterschiedlich. Die einen wünschen «all inclusive» mit Animation und grosser Infrastruktur, andere ziehen Stille, Natur und Authentizität dem Komfort vor.

Christoph Zollinger ist Geschäftsführer des auf Familienferien spezialisierten Reisebüros Kidstravel.

www.kidstravel.ch

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