08.10.2018 03:46

Zürich

«Es nervt, wenn im ÖV alle die Eingänge verstopfen»

Obwohl es in den Gängen Platz hat, sind die Eingangsbereiche von Trams, Bussen und Zügen oft verstopft. Weil dies zu Verspätungen führt, gibt es Kampagnen.

von
som

Mit Videos macht die SBB Zugpassagiere darauf aufmerksam, dass sie aufschliessen sollen.

Vor Kurzem am Bahnhof Zürich-Oerlikon: Pendler versuchten sich in den Zug zu quetschen, einige blieben entrüstet auf dem Perron stehen. Zu voll war der Eingangsbereich des Zuges. «Dabei gab es weiter hinten in den Gängen noch genügend Platz. Sogar einige Sitzplätze waren frei», sagt 20-Minuten-Leserin T.M.*

Sie habe es gerade noch in den Zug geschafft, wie eine Sardine sei sie an der Türe geklebt. «Ich hätte den anderen gern zugerufen, dass sie doch bitte aufschliessen sollten.» Doch sei sie zu weit weg gewesen: «Viele reagieren sowieso nicht, da sie Kopfhörer aufhaben.»

Verspätungen, weil die Leute nicht aufschliessen

Sie erlebe im Zürcher ÖV immer wieder solche Situationen: «Besonders schlimm ist, wenn ich mit meinem Kind unterwegs bin.» Sie müsse oft auf den nächsten Bus oder das nächste Tram warten: «Und das nur, weil alle genau beim Bereich stehen, der für Kinderwagen oder Rollstühle vorgesehen ist.»

Bei der VBZ kennt man das Phänomen, wie Sprecher Oliver Obergfell sagt: «Es kann zu Verspätungen kommen, wenn sich die Passagiere in den Fahrzeugen ungünstig verteilen.» Er habe aber auch Verständnis dafür: «Gewisse Leute befürchten wohl, dass sie nicht rechtzeitig rauskommen, wenn sie im Gang stehen.» Bei zu vollgestopften Eingängen könnten VBZ-Fahrer die Passagiere mittels Lautsprecher-Durchsagen zum Aufschliessen animieren. «Zudem müssen neu zu beschaffende Fahrzeuge so konstruiert sein, dass rasche Fahrgastwechsel möglich sind.»

1 / 6
Pendler drängen sich Ende 2014 am Bahnhof Winterthur in einen Zug. Wegen einem Streckenunterbruch ist dieser gerammelt voll. Ob die Gänge ebenso verstopft sind, wie die Eingänge ist unklar.

Pendler drängen sich Ende 2014 am Bahnhof Winterthur in einen Zug. Wegen einem Streckenunterbruch ist dieser gerammelt voll. Ob die Gänge ebenso verstopft sind, wie die Eingänge ist unklar.

Keystone/Archiv
Fest steht aber: Die Eingangsbereichen in Zügen, Bussen oder Trams sind in Zürich oft verstopft.

Fest steht aber: Die Eingangsbereichen in Zügen, Bussen oder Trams sind in Zürich oft verstopft.

Keystone/Archiv
Obwohl es in den Gängen genügend Platz gibt und sogar Sitzplätze frei sind.

Obwohl es in den Gängen genügend Platz gibt und sogar Sitzplätze frei sind.

Keystone/Archiv

Plakatkampagne bei der SZU

Das Problem ist auch anderen Verkehrsbetrieben bekannt: Die SBB versucht die Pendler in den sozialen Medien mit Videos zu sensibilisieren und die Sihltal Zürich Uetliberg Bahn SZU hat im letzten Jahr eine Plakatkampagne lanciert. In den Zügen wird dort unter anderem auf das Aufschliessen in die Gänge aufmerksam gemacht. SZU-Sprecher Marco Graf: «Wir hatten viele Verspätungen, unter anderem weil das Aus- und Einsteigen wegen der Passagiere, die auf den Plattformen stehen bleiben, zu lange dauerte.»

Diese hätten mittlerweile etwas reduziert werden können: «Wir denken, dass die Leute durch die Kampagne sensibilisiert worden sind.» Er findet aber auch, dass sich die Passagiere selbst gegenseitig auf das Aufschliessen aufmerksam machen könnten: «Wer dies freundlich tut, wird kaum Ablehnung erfahren.»

*Name geändert

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.