Waldbrände auf Madeira: «Es regnet Asche und es windet extrem»
Aktualisiert

Waldbrände auf Madeira«Es regnet Asche und es windet extrem»

Die Lage auf der portugiesischen Ferieninsel Madeira, wo mehrere Waldbrände wüten, hat sich zugespitzt. Vier Menschen sollen ums Leben gekommen sein. Leser-Reporter sind vor Ort.

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qll/sda
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Brände erreichten in der Nacht zum Mittwoch das Zentrum der Insel-Hauptstadt Funchal.

Brände erreichten in der Nacht zum Mittwoch das Zentrum der Insel-Hauptstadt Funchal.

epa/GregÓrio Cunha
Rund tausend Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden...

Rund tausend Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden...

AP/Helder Santos
...darunter auch Touristen.

...darunter auch Touristen.

epa/GregÓrio Cunha

Die Brände erreichten in der Nacht zum Mittwoch das Zentrum der Insel-Hauptstadt Funchal. Drei Menschen kamen auf der Insel in ihren brennenden Häusern ums Leben, ein weiterer auf dem Festland. Rund tausend Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden, darunter auch Touristen.

Leser-Reporterin Claudia K.* (28) aus Winterthur macht auf der portugiesischen Insel für zwei Wochen Ferien. «Das Feuer hat sich stark ausgebreitet», sagt sie. «Alles ist voller Rauch und Asche fliegt herum.» In ihrem Hotel Melià Madeira Mare in Funchal merke man zwar nichts. Doch: «Auf den Strassen sahen wir Leute, die sehr nervös wirkten und weinten.»

Waldbrand auf Madeira

Video: Storyful

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«Wir wurden vom Geruch des Rauches geweckt»

Ein anderer Leser-Reporter, der sich mit seiner Freundin in einem Hotel in Mealhada befindet, kriegte das Feuer auf dem Festland mit: «Wir wurden vom Geruch des Rauches geweckt.» Eines der nicht kontrollierbaren Feuer würde sich nur rund vier Kilometer von seinem Hotel entfernt befinden. Am Nachmittag habe er wissen wollen, wie die Lage ist und habe sich dem Feuer genährt: «Ich war schockiert», sagt er. «Ein Erlebnis wie in einem Film.»

Weiter sagt er: «Momentan windet es extrem, es regnet Asche und Hunde bellen.» Dutzende Feuerwehrautos, private LKWs und zwei Flugzeuge seien im Einsatz. «Ständig hört man Sirenen und man merkt wie die Leute um uns herum nervöser werden.»

Feuerwehrleute müssen mit Feuer kämpfen

Die Brände waren am Montagabend auf den Hügeln nahe Funchal ausgebrochen. Angefacht von starken Winden, breiteten sie sich am Dienstagabend plötzlich rasend schnell weiter aus. Obwohl die Regierung in Lissabon sowie die Behörden der Azoren Verstärkung schickten, bekamen die Feuerwehrleute die Brände nicht in den Griff.

Mindestens ein Hotel wurde von den Flammen erfasst, mehrere weitere Häuser brannten komplett nieder, sagte Bürgermeister Paulo Cafôfo der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa. Neben Häusern und Hotels wurden auch mehrere Spitäler und Altersheime evakuiert, die Betroffenen verbrachten die Nacht in Militäreinrichtungen oder im Fussballstadion.

Brände auch auf Festland

Auch auf dem Festland, wo seit Samstag immer neue Waldbrände ausbrechen, ist die Lage weiterhin nicht unter Kontrolle. Mehr als 3000 Feuerwehrleute kämpften am Mittwochmorgen gegen mehr als hundert Brände, wegen rund eines Dutzends Grossfeuern mussten mehrere Anrainer vorsichtshalber ihre Häuser verlassen.

Am Mittwoch galt für fast die gesamte Nordhälfte des Landes die höchste oder zweithöchste Warnstufe.

Waldbrand auf Madeira 2

Video: Storyful

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Flughafen liess Flüge umleiten

Zu schweren Waldbränden kam es auch in Südfrankreich. Auf dem Weg nach Marseille zerstörte der Brand nach Behördenangaben mindestens 2700 Hektar Land. Zwei Menschen wurden verletzt, einer davon schwer, wie die Feuerwehr mitteilte. Beim Kampf gegen einen weiteren Waldbrand in der nahe gelegenen Region Herault wurden zudem vier Feuerwehrleute verletzt, drei von ihnen schwer. Dieses Feuer konnte später jedoch unter Kontrolle gebracht werden.

Der Flughafen von Marseille liess ankommende Flüge umleiten, um Löschflugzeugen freie Bahn zu geben. Für Donnerstag kündigte der Airport mögliche Verzögerungen oder Ausfälle im Flugverkehr an.

«Eine Szene wie das Ende der Welt»

Am Mittwochnachmittag verdüsterte dicker, ockerfarbener Rauch den Himmel über Marseille, über den nahe gelegenen Orten Vitrolles und Pennes-Mirabeau stiegen schwarze Schwaden auf. «Es war wirklich eine Szene wie das Ende der Welt», sagte eine Anwohnerin, Caroline Vidal, dem TV-Sender iTele. Mit ihrer Grossmutter war sie aus ihrem Haus geflohen. Sie habe auch andere Anwohner dabei beobachtet, wie sie über die Autobahn die Flucht ergriffen hätten.

*Name der Redaktion bekannt

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