Alk-Party von Roadcross: «Es schreckt nicht ab, sie werden es wieder tun»
Aktualisiert

Alk-Party von Roadcross«Es schreckt nicht ab, sie werden es wieder tun»

An einer Party der Stiftung Roadcross sollen Neulenker erfahren, wie es sich anfühlt, betrunken Auto zu fahren. Die 20-Minuten-Leser stehen der Aktion kritisch gegenüber.

von
viw
Das Thema Alkohol am Steuer bewegt die 20-Minuten-Leser und löst aktuell wieder eine heftige Diskussion aus.

Das Thema Alkohol am Steuer bewegt die 20-Minuten-Leser und löst aktuell wieder eine heftige Diskussion aus.

Ab Januar 2014 gilt für Neulenker eine Alkohol-Obergrenze von 0,1 Promille. Um darauf aufmerksam zu machen und die Betroffenen für das Thema zu sensibilisieren, plant die Stiftung Roadcross Schweiz im November eine spezielle Party: Wer daran teilnimmt, darf nach dem Feiern alkoholisiert einen Parcours durchfahren – und somit am eigenen Leib erfahren, welche Folgen die verringerte Reaktionsfähigkeit mit sich bringt.

Die Aktion löst bei den 20-Minuten-Lesern eine heftige Diskussion aus. Viele Leser halten das Projekt von Roadcross für keine gute Idee. Silvio Foiera: «Zum einen eine gute Sache, da es den Teilnehmern die Folgen direkt und schadlos vor Augen führt. Zum anderen kann es natürlich auch jene, die gut durch den Parcours kommen, bestärken, doch mit ein paar Bierchen intus zu fahren. Frei nach dem Motto: Ich habe bei der Party ja bestanden.»

«Der Versuch ist nicht realitätsgetreu»

User Thomas sieht es ähnlich und befürchtet, dass die Teilnehmer daraus sogar einen Wettbewerb machen: «Die meisten Teilnehmer werden sich wohl nur vergleichen und sich daran messen, mit wie viel Alk sie noch einigermassen korrekt rumfahren können.» Leser Johannes spricht aus eigener Erfahrung – er ist der Meinung, dass ein solches Projekt keine abschreckende Wirkung hat: «Ich fahre auch immer betrunken, will es eigentlich nicht mehr machen, aber es geschieht dann doch immer wieder. Die Probanden werden es also auch wieder machen, das schreckt nicht ab.»

Leser Roger Peng hat mal an einem ähnlichen Projekt mitgearbeitet – zweifelt aber an der Wirksamkeit: «Der Versuch ist nicht wirklich auf die Strasse übertragbar. Es gab Leute, die stark alkoholisiert (über 1.5 Promille) den Parcours absolut fehlerfrei absolvierten und andere mit einem geringen Promillewert unter 0,5 hatten schon sehr Mühe. Ich finde den Versuch nicht gut, da nicht realitätsgetreu.»

«Senioren sind die grössere Gefahr»

Befürworter lassen sich innerhalb der Diskussion nur wenige finden. Leser Chrigu hat bei einem ähnlichen Test gute Erfahrungen gemacht: «Vor einigen Jahren hat mein damaliger Arbeitgeber an einem Jahresabschluss ein Fest gemacht. Vorher fuhren wir nüchtern auf einem Fahrsimulator einen Kurs, nach dem Essen (mit Alkohol) sollten wir diesen noch mal fahren (war nicht angekündigt). Das Ergebnis war eindrücklich – wir haben alle im Hotel übernachtet und fahren seither bewusster.»

Obwohl sich innerhalb der Kommentare nur wenige Befürworter zu Wort meldeten, spricht der Poll eine andere Sprache. Auf die Frage, ob die Leser die Aktion für eine gute Sache halten, antworteten immerhin 57 Prozent «Ja». Weitere fünf Prozent wählten die Antwort «Klar, ich bin Neulenker und melde mich sofort an.»

Innerhalb der Leserdiskussion wird nicht nur über die Aktion von Roadcross debattiert. Vielmehr wird die neue Promillegrenze an und für sich kritisiert. Leser Böller: «Habs langsam satt, dass man immer nur hinter den Junglenkern her ist, wo meiner Erfahrung nach die Senioren die grössere Gefahr sind. Sie trinken, sehen kaum was (weil sie ja die Brille eh nicht benutzen), reagieren langsam und schauen nicht auf Schilder, schliesslich kennen sie ja die Strasse etc.»

Änderung nach drei Jahren wird infrage gestellt

User Michael hält es für unsinnig, dass sich die Promillegrenze später ändert: «Dann lernen die Neulenker also – genau wie ich damals auch –, dass man vor dem Fahren nichts trinkt. Nach drei Jährchen ändert sich das plötzlich, dann darf man ein Bierchen nehmen, das liegt dann drin. Welchen pädagogischen Wert soll die Sache jetzt haben? Dass sich das mit dem Alkohol und fahren mit den Jahren ändert?»

Philipp Obermann zweifelt an der Wirksamkeit des Gesetzes: «Damit werden wieder einmal Leute wie ich bestraft. Wenn ich fahre, trinke ich am Abend genau ein Bier. Die, die besoffen fahren und Unfälle verursachen, werden wohl meist mehr als 0.5 Promille intus haben. Genau jene wird es wohl kaum interessieren, ob sie jetzt über 0.1 oder 0.5 Promille sind.»

Viele Likes für verantwortungsvollen Leser

Doch es gibt auch Befürworter der Gesetzesänderung: «Finde ich in Ordnung. Die Statistiken belegen schwarz auf weiss, dass wir am meisten Unfälle verursachen», schreibt Neulenkerin Jane Doe. Leser Höisu würde die Promillegrenze für alle Lenker heruntersetzen: «Wenn schon, dann konsequenterweise 0,1 oder 0,2 für alle. Dann hört auch das ‹Ach was, ein Bier geht schon noch› auf. Es gibt auch genug langjährige Lenker, die es mit dem Trinken und Fahren nicht so genau nehmen.»

Zahlreiche Leser verstehen nicht, warum überhaupt über eine Promillegrenze diskutiert werden muss. So schreibt Neulenkerin Mimy: «Ist mir egal. Entweder ich fahre oder ich trinke. Der Rest ist mir egal. Von mir aus soll das Gesetz kommen, für mich ändert sich nichts.» Leser Fahrer sieht das ganz ähnlich und kassiert für seinen Kommentar 280 Likes: «Geht ganz einfach: Einer fährt und trinkt nicht. Dafür zahlen ihm alle Mitfahrer die Getränke. Wir machen das bei uns im Freundeskreis so und es funktioniert. Natürlich wechseln wir uns ab, damit nicht immer der Gleiche dran glauben muss.»

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