Aktualisiert 13.10.2019 09:27

Leser in Japan«Es schüttet wie aus Kübeln»

Am Samstagabend soll Taifun Hagibis auf Land treffen. Weit über eine Million Menschen sollen ihre Häuser verlassen.

von
roy/reuters

Leser Daniel ist mitten im Taifun. (Video: Leser-Reporter)

Noch vor der Ankunft des schweren Taifuns Hagibis ist in Japan mindestens ein Mensch getötet worden. Durch die ersten Ausläufer seien in Chiba, östlich der Hauptstadt Tokio, zudem fünf weitere Menschen verletzt worden, teilte ein Feuerwehrsprecher am Samstag mit. Bei dem Toten handele es sich um einen 49-Jährigen, dessen Kleinlaster umgestürzt sei. Bis am Samstagabend kam zudem eine weitere Person ums Leben. Neun Menschen werden nach Angaben des staatlichen Rundfunksenders NHK vermisst.

«Der Starkregen hat vor drei Stunden eingesetzt», schildert Leser-Reporter Daniel am Samstagmorgen, der in Narita festsitzt. «Der Flughafen ist geschlossen, es fahren keine Züge.» Der Flug des 28-Jährigen nach Zürich wurde annulliert. Erst am Montag kann er via Neu-Delhi zurückfliegen. Es sei ein «Wechselbad der Gefühle». Angst habe er keine, jedoch nehme er die ganze Sache schon ernst.

Am Abend (Ortszeit) wurde der Sturm dann stärker. «Es schüttet wie aus Kübeln. Der Wind hat ebenfalls zugenommen, man hört Äste herunterfallen», sagt Daniel. Sein Hotel sei jedoch sicher. Auch gegen Erdbeben. Denn am Samstag erschütterte zudem ein Beben der Stärke 5,7 die Nachbarprovinz von Tokio.

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Aus der Luft wird deutlich, welchen Schaden Hagibis angerichtet hat: Blick auf Sukagawa, in der Präfektur Fukushima. (13. Oktober 2019)

Aus der Luft wird deutlich, welchen Schaden Hagibis angerichtet hat: Blick auf Sukagawa, in der Präfektur Fukushima. (13. Oktober 2019)

Takuya Inaba/Kyodo News via AP)
Aus der Luft wird deutlich, welchen Schaden Hagibis angerichtet hat: Blick auf Sukagawa, in der Präfektur Fukushima. (13. Oktober 2019)

Aus der Luft wird deutlich, welchen Schaden Hagibis angerichtet hat: Blick auf Sukagawa, in der Präfektur Fukushima. (13. Oktober 2019)

Takuya Inaba
Ein überschwemmtes Baseball-Stadion in Kawasaki, in der Nähe von Tokio.

Ein überschwemmtes Baseball-Stadion in Kawasaki, in der Nähe von Tokio.

Takuya Inaba

Der aussergewöhnlich starke Taifun richtete bereits Schäden an und überschwemmte unter anderem zahlreiche Häuser. In vielen Haushalten fiel der Strom aus. Der Wirbelsturm bewegte sich über dem Pazifik auf das asiatische Inselreich zu und dürfte am Samstagabend auf Land treffen.

Taifun Faxai erreicht Japan

Begleitet von heftigem Regen ist am frühen Montagmorgen der Taifun «Faxai» nahe der japanischen Hauptstadt Tokio auf Land getroffen.

Die Behörden empfahlen den Menschen in Hunderttausenden Haushalten, sich vor dem herannahenden Taifun in Sicherheit zu bringen. Betroffen waren Zentralprovinzen wie Mie und Kanagawa südwestlich der Millionen-Hauptstadt Tokio. In der benachbarten Provinz Shizuoka standen Strassen und Häuser unter Wasser.

Hohe Wellen

Taifun Hagibis erreicht nahe seines Zentrums Windgeschwindigkeiten von bis zu 234 Kilometern pro Stunde. Der Wirbelsturm könnte Tokio und andere Gebiete im Osten des Landes mit den schlimmsten Regenfällen seit jenem Taifun überziehen, der 1958 mehr als 1200 Menschen in der Region das Leben kostete.

Hagibis war das beherrschende Thema im japanischen Fernsehen. Immer wieder wurden die Menschen vor den Naturgewalten gewarnt und aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Insbesondere von Küstenstrichen, wo hoher Wellengang herrschte, sollten sie sie fernhalten.

Die Behörden warnten, dass Häuser in den starken Sturmböen einstürzen könnten. Manche Bewohner deckten die Dächer ihrer oft in Leichtbauweise errichteten Häuser vorsorglich mit blauen Plastikplanen ab, mancher verbarrikadierte die Fenster mit Brettern. Rund 1,5 Millionen Menschen in Tokio leben unterhalb des Meeresspiegels. Mehr als sechs Millionen Menschen im Land waren aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu bringen.

Bahnbetreiber hatten frühzeitig Einschränkungen des Verkehrs für das Wochenende im Westen und Osten Japans einschliesslich Tokio angekündigt. Die Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) strich für Samstag sämtliche Inlandsflüge sowie die meisten internationalen Flüge von und zu den Tokioter Flughäfen Haneda und Narita. Auch Japan Airlines (JAL) entschied, die meisten Flüge am Samstag zu streichen.

Viele Kaufhäuser in Tokio und Umgebung blieben am Samstag geschlossen. Auch Unternehmen wie die Autobauer Toyota und Honda liessen die Bänder in einigen ihrer Fabriken an dem Tag ruhen. Die Regierung in Tokio wies alle zuständigen Ministerien an, notwendige Massnahmen im Umgang mit den Folgen des Taifuns zu treffen.

Aus Sorge vor den drohenden Auswirkungen des Taifuns findet zudem die Formel-1-Qualifikation zum Grand Prix von Japan erst am Rennsonntag statt. Alle für den Samstag auf dem Suzuka International Racing Course geplanten Aktivitäten wurden abgeblasen. Auch zwei Spiele bei der laufenden Rugby-Weltmeisterschaft in Japan mussten abgesagt werden. Bis Sonntag dürfte der Taifun Richtung Norden abziehen. (roy/reuters/sda)

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