Utikon ZH: Es soll nicht «cosy» sein für die jungen Straftäter

Aktualisiert

Utikon ZHEs soll nicht «cosy» sein für die jungen Straftäter

Nach fünf Jahren ist der 39 Millionen Franken teure Um- und Ausbau des Massnahmenzentrums Uitikon ZH fertig. 64 junge Straftäter finden Platz – die Sicherheitsstandards sind hoch.

Der neue zentrale Haupteingang ist ganz in weiss und hellgrau gehalten. Zwei riesige Topfpflanzen flankieren die grosse Portier-Loge. Dort dominiert eine ganze Batterie von Bildschirmen. Plötzlich schrillt ein Alarm. Innert Sekunden naht von draussen ein massiger Mann im Laufschritt, ein zweiter eilt die Treppe hinunter - der Portier gibt Entwarnung: Fehlalarm.

Das erneuerte MZU wurde am Donnerstag den Medien vorgestellt. Am Samstag findet ein Einweihungsfest statt. Dann können interessierte Besucher einen Augenschein nehmen.

Funktional und vandalensicher

Beim Rundgang durch die geschlossene Abteilung wird sofort klar: Ein Ferienlager ist das hier nicht. Die Einer-Wohnzellen liegen entlang einem langen Gang. Die Zellen sind funktional und vandalensicher eingerichtet: Bett, Tisch, Regal, Lavabo, WC, sogar die Lampen sind fest eingebaut, der Spiegel aus Spezialglas.

Das Fenster ist zwar nicht vergittert, lässt sich aber nicht öffnen und ist aus bruchsicherem Glas. Die Lamellenstore vor dem Fenster wird zentral gesteuert, wie MZU-Direktor Gregor Tönnissen sagt. Die Zellentüre genügt den hohen Sicherheitsansprüchen: Eine einzige koste 15'000-20'000 Franken.

«Es bitzeli wohlfühlen»

Farben gibt es nicht, alles ist grauweiss. Das gesamte MZU sei bewusst «sehr nüchtern und zurückhaltend» gestaltet, sagt David Vogt vom kantonalen Hochbauamt. Man wolle damit die Aussenreize minimal halten, und «es soll nicht cosy sein». Direktor Tönnissen relativiert ein wenig: «Es bitzeli wohlfühlen» dürften sich die jungen Männer schon.

In den Zellen sind die Insassen über Nacht eingeschlossen. Fernsehen gibt's nur im gemeinsamen TV-Raum. Tagsüber ist für Beschäftigung gesorgt: In der Turnhalle und dem übergitterten Freiluft-Sporthof können sie sich «bewegen auf eine Art, die ihnen gut tut», so Tönnissen.

Elf erfolgreiche Lehrabschlüsse

Sehr wichtig sind die zahlreichen - ebenfalls sicher ausgestatteten - Werkstätten: Hier können die jungen Männer handwerkliche Ausbildungen machen. Gerade im letzten Sommer habe man wieder elf erfolgreiche Lehrabschlüsse feiern können, sagt Tönnissen. Und natürlich absolviert jeder auch Psychotherapien.

Von Anfang hat jeder Insasse seine Bezugspersonen für die psychologische, pädagogische und arbeitsagogische Betreuung. Attacken auf Mitinsassen oder Personal seien nicht zuletzt aufgrund dieser Beziehungen sehr selten, so Tönnissen.

Schwerste Delikte

Auf verbal oder mit Gesten angedrohte Gewalt reagiere man aber auch äusserst streng. Tönnissen ist erst seit 1. September MZU-Direktor, seit 2007 leitete er die geschlossene Abteilung, kennt also die «schweren Jungs» gut.

Im MZU werden jugendliche Straftäter mit schwersten Delikten - etwa Tötung oder schwere Raubüberfälle - untergebracht. Die Jugendlichen sind hier längstens bis zum 22. Lebensjahr. Sie sind von Gesetzes wegen getrennt von den jungen Erwachsenen, die eine Massnahme absolvieren.

Entspannung bei Wartezeiten

Mit dem Um- und Ausbau wurde die Platzzahl in der geschlossenen Abteilung von 16 auf 30 - drei separate Gruppen - fast verdoppelt. Dazu kommen 34 Plätze in der offenen Abteilung. Zur Zeit leben laut Tönnissen insgesamt 31 Insassen in allen Abteilungen. Ab der offiziellen Eröffnung am 1. Dezember werde man die Zahlen dann kontinuierlich «hochfahren».

Tönnissen erwartet von der Erweiterung eine Entspannung bei den Wartezeiten der jungen Straftäter, bis zu deren Eintritt ins MZU. Die Insassen werden aus der ganzen Deutschschweiz zugewiesen. (sda)

Deine Meinung