Aktualisiert 04.06.2014 13:34

Doktor Sex

«Es stresst sie, dass ich Frauen nachschaue»

Robert findet seine Freundin die Schönste. Seinen Hang, sich nach anderen Frauen umzudrehen, kann er trotzdem nicht unterdrücken. Doktor Sex beruhigt.

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Gegen einen beiläufigen Blick hat wohl niemand etwas einzuwenden. (Symbolbild: Colourbox.de)

Gegen einen beiläufigen Blick hat wohl niemand etwas einzuwenden. (Symbolbild: Colourbox.de)

Frage von Robert (18) an Doktor Sex: Ich lebe in einer glücklichen Beziehung. Aber im Moment haben meine Freundin und ich Differenzen. Ich schaue häufig Frauen nach und sie denkt deshalb, sie wäre für mich nicht die Schönste, obwohl ich mit ihr mein Leben verbringen möchte. Ich habe zwar versucht, mir dies abzugewöhnen, es klappt aber nicht wirklich gut. Ist es normal, dass sich Männer auch in der schönsten Beziehung nach Frauen umdrehen? Und gibt es Techniken, um sich das abzutrainieren? Ich möchte meiner Freundin wirklich gerne helfen, denn sie macht sich sehr viele Gedanken über mein Verhalten.

Antwort von Doktor Sex

Lieber Robert

Welt entsteht, indem sie bewusst wahrgenommen wird, indem Menschen über alle ihre Sinne mit ihr in Beziehung treten. Dadurch bezeugen sie nicht nur ihre Existenz, sondern werden gleichzeitig auch zu ihrem Schöpfer, indem sie sich darin verhalten, indem sie Geschichten erleben und so Gegenwart kreieren. Was wäre all das Schöne auf der Welt, wenn niemand es wahrnehmen, wenn niemand darüber staunen würde? Es wäre nichts als eine unnütze Möblierung – sinnlose Objekte in einem sinnlos belebten Raum.

Der entscheidende Punkt ist nicht, dass du Frauen nachschaust. Entscheidend ist die Art, wie deine Freundin und du dieses Verhalten bewerten. Aber auch, wo und wie sich diese Bewertungen unterscheiden. Es geht daher auch nicht darum, dass du irgendwelche Techniken lernst, um dir das Nachschauen abzutrainieren.

Wichtig ist, dass du mit deiner Freundin ins Gespräch kommst über die Frage, welche Hintergründe zu ihrer Einschätzung führen, was du darüber denkst und was dein Beitrag ist, damit sie ihre Haltung aufrechterhalten kann. Also beispielsweise, welche Geschlechterrollenbilder, Wertvorstellungen und Ideen von Beziehung dieser zugrundeliegen. Aber eben auch, wie du diese verstärkst oder mit ihr gemeinsam so aufrechterhältst, dass am Schluss die von dir geschilderte Situation entsteht.

Mir scheint, du hast eine ziemlich romantische Vorstellung von Liebe und Beziehung. So glaubst du beispielsweise bereits im doch recht zarten Alter von 18 Jahren mutig verkünden zu können, dass du mit deiner Freundin das ganze Leben verbringen willst. Eine gewagte Aussage. Und eine leichtsinnige dazu. Auch deine Freundin zeigt mit ihrer Sorge, nicht mehr deine schönste Prinzessin zu sein, wenn du auch noch andere Frauen anschaust, einen gewissen Hang zum Märchenhaften.

Ich denke, es ist Zeit für euch, im Hier und Jetzt anzukommen und damit aufzuhören, euch gegenseitig zu schonen und die Unsicherheiten des Gegenübers zu kaschieren. Nichts gegen Träumen und Verliebtsein und auch nichts gegen angemessene Rücksichtnahme, aber das Leben ist nun einmal keine Hollywood-Produktion. Eine Beziehung, die ein Leben lang halten soll, gründet nicht auf Äusserlichkeiten. Und sie ist auch kein Rollenspiel, in dem sich die Beteiligten stets so verhalten, dass der oder die Andere sich komfortabel in einer Traumwelt einrichten kann.

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