Romeo und Julia in Thun: «Es wäre qualvoll, Gefühle vorspielen zu müssen»
Aktualisiert

Romeo und Julia in Thun«Es wäre qualvoll, Gefühle vorspielen zu müssen»

Die beiden Hauptdarsteller der Thunerseespiele müssen als Romeo und Julia viermal pro Woche tragisch an ihrer Liebe sterben. Sie gestehen: Es hat von Anfang an gefunkt.

von
Mira Weingartner
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Iréna Flury und Dirk Johnston spielen bei den heurigen Thunerseespielen «Romeo und Julia».

Iréna Flury und Dirk Johnston spielen bei den heurigen Thunerseespielen «Romeo und Julia».

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Vier Abende pro Woche durchspielen sie zusammen eine Achterbahn der Gefühle.

Vier Abende pro Woche durchspielen sie zusammen eine Achterbahn der Gefühle.

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Nebst der Sympathie zwischen den beiden hilft auch das atemberaubende Panorama, dass die Schmetterlinge zu fliegen beginnen.

Nebst der Sympathie zwischen den beiden hilft auch das atemberaubende Panorama, dass die Schmetterlinge zu fliegen beginnen.

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Seit dem 8. Juli stehen die beiden Musicaldarsteller Iréna Flury als Julia und Dirk Johnston als Romeo auf der Thuner Seebühne. Noch rund einen Monat ziehen die beiden in «Romeo und Julia» das Publikum in ihren Bann – und Shakespeares Liebesgeschichte sorgt dabei nicht nur im Publikum für Hühnerhaut.

Wie ist es für euch, auf der Seebühne in Thun zu spielen?

Romeo alias Dirk Johnston: Es ist einmalig, inmitten einer solchen Umgebung aufzutreten. Die Bühne barg anfänglich aber auch ihre Schwierigkeiten.

Julia alias Iréna Flury: Nun haben wir aber grossen Spass und das Spielen läuft gut. Unterstützung erhalten wir hier auch von der Umgebung. Es wäre einiges schwieriger, diese Romantik in einer Fabrikhalle herzuzaubern.

Dirk: Die Location ist wirklich ein Plus: Die Sonne geht unter, während wir unsere Liebes-Duette singen. Die Berge werden rot, die Sterne tauchen auf...

Erwachen da bei euch gar Schmetterlinge im Bauch?

Iréna: Bei unserem ersten Liebesduett im Sonnenuntergang muss ich schon tief durchatmen. Die Romantik entsteht beinahe von selbst – auch die Musik unterstützt uns.

Dirk: Es macht richtig Spass, mit Iréna zu spielen. Es ist sehr wichtig, dass es zwischen uns stimmt. Würde wir uns nicht mögen, wäre es eine Qual, diese Gefühle den ganzen Sommer über vorspielen zu müssen.

...also stimmt die Chemie zwischen euch?

Iréna: Die Chemie stimmt wirklich total – wir haben ein Riesenglück. Wir haben schon beim Casting gemerkt, dass die Chemie stimmt und wir spielerisch dieselbe Sprache sprechen.

Fühlt man sich denn geehrt, das wohl berühmteste Liebespaar aller Zeiten spielen zu dürfen?

Dirk: Ein Riesengeschenk – aber ich habe auch Respekt davor. Es ist eine allabendliche Achterbahnfahrt: Man verliebt sich sofort – es ist diese wahnsinnige Liebe! Dann stirbt mein bester Freund in meinen Armen, ich werde zum Mörder von Julias Cousin und am Ende bringen wir uns in voller Trauer auch noch selbst um.

Wie ist es eigentlich so, viermal pro Woche sterben zu müssen?

Iréna: ...bei diesem Wetter geht das Sterben ganz von selbst.

Dirk: ...ja, schlussendlich besiegt uns die Hitze.

Würdet ihr den beiden liebestrunkenen Protagonisten nicht einen anderen Ausgang wünschen?

Iréna: Ich hoffe jedesmal, dass es irgendwann doch noch eine Kehrtwendung gibt und wir endlich überleben dürfen.

Dirk: Das Ende ist so furchtbar! Ich singe immer extra etwas länger, in der Hoffnung, Julia öffnet eines Abends doch noch rechtzeitig die Augen. Aber bis jetzt haben wir uns immer verfehlt.

Nach der letzten Aufführung vom 22. August müsst ihr euch dann doch definitv trennen...

Iréna: Ou, das habe ich mir noch gar nicht überlegt! Stimmt...

Dirk: Das ist natürlich schon sehr traurig, man hat sich ja wirklich lieb gewonnen.

Iréna: Man nimmt halt oft Abschied in unserem Beruf – aber man muss sich ja auch nicht ganz aus den Augen verlieren.

Vielleicht tretet ihr ja bald wieder zusammen auf?

Dirk: Ja, dann vielleicht als Bruder und Schwester?

Iréna Flury sind die Aufführungen in Thun beinahe ein Heimspiel: Die Julia-Schauspielerin ist die Tochter einer Thunerin. Geboren ist die nun 31-Jährige aber in Wien. Dort hat sie eine Ausbildung am Konservatorium absolvoiert und ist nun in Österreichs Hauptstadt in Theater und Musicals zu sehen. Auch ist sie im deutschen und österreichischen Film und Fernsehen tätig.

Dirk Johnston stammt aus Schottland. Das junge Nachwuchstalent verkörpert auf der Musicalbühne in Thun den Romeo. Sein Handwerk gelernt hat er an der Royal Scottish Academy of Dramatic Arts in Glasgow und an der Universität der Künste Berlin. Nebst den Rollen als Sturmius in «Bonifatius» oder etwa Sky in «Mamma Mia» ergatterte sich Dirk auch die Rolle als George Engelmann in der RTL-Erfolgserie «Gute Zeiten, schlechte Zeiten».

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