Omikron-Fälle in der Schweiz – «Es wäre vermessen, zu glauben, dass wir die Ausbreitung stoppen können»
Publiziert

Omikron-Fälle in der Schweiz «Es wäre vermessen, zu glauben, dass wir die Ausbreitung stoppen können»

Patrick Mathys, stellvertretender Leiter Übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit, über die Omikron-Fälle in der Schweiz und die Massnahmen des Bundes.

von
Claudia Blumer
1 / 1
Wer wegen eines engen Kontakts zu einem Omikron-Fall oder -Verdachtsfall in Quarantäne ist, soll sich nicht vorzeitig heraustesten können. «Das empfehlen wir derzeit nicht», sagt Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit.

Wer wegen eines engen Kontakts zu einem Omikron-Fall oder -Verdachtsfall in Quarantäne ist, soll sich nicht vorzeitig heraustesten können. «Das empfehlen wir derzeit nicht», sagt Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Bis Mittwoch gab es vier bestätigte Fälle der Variante Omikron in der Schweiz.

  • Wer mit Omikron-Infizierten oder -Verdachtsfällen Kontakt hatte, muss in Quarantäne.

  • Sich vorzeitig mittels Test aus der Quarantäne zu befreien, davon rate das Bundesamt für Gesundheit derzeit ab, sagt Patrick Mathys, stellvertretender Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten.

Ein 19-jähriger Schüler in Basel ist mit der Omikron-Variante infiziert – ein Zufallsbefund. Muss man davon ausgehen, dass es noch viel mehr Omikron-Fälle in der Schweiz gibt?

Patrick Mathys: Derzeit bestätigt sind vier Fälle. Spekulationen machen keinen Sinn. Aber es werden im Moment sicher etliche Fälle abgeklärt. Sei es bei Reiserückkehrern aus gewissen Ländern, wenn sie positiv getestet wurden, oder eben solche auffälligen Zufallsfunde, die genauer abgeklärt werden.

Ist ein wirksames Contact-Tracing überhaupt möglich?

Es wäre vermessen, zu glauben, dass wir die Ausbreitung stoppen könnten. Das könnten wir vielleicht, wenn wir eine Insel wären. Aber nicht ein Binnenland wie die Schweiz mit täglich mehreren Hunderttausend Grenzübertritten. Man kann die Ausbreitung verzögern - das versuchen wir - ebenso wie andere Länder. Bis wir wissen, wie schlimm oder ansteckend die Omikron-Variante ist, wird es übrigens länger dauern. Dafür braucht es mehr Daten. Man muss auch die Bevölkerungsstruktur anschauen. Die Bevölkerung in Südafrika ist deutlich jünger als bei uns, chronische Krankheiten wie Diabetes sind weniger verbreitet. Deshalb kann man die Befunde nie eins zu eins vergleichen.
Neu müssen auch Geimpfte in Quarantäne, wenn sie zu einem Omikron-Infizierten nahen Kontakt hatten.

Ja, das ist eine präventive Massnahme, die wir so empfohlen haben. Es gibt Vermutungen, dass die heutige Impfung weniger gut vor der neuen Variante schütze. Bevor wir dazu verlässliche Angaben haben, raten wir zur Quarantäne aller Kontaktpersonen. Um die Einschleppung zu bremsen, haben wir zudem die Reisequarantäne nach der Rückkehr aus gewissen Ländern wieder eingeführt. Der Bundesrat hat zudem weitere Massnahmen vorgeschlagen, sie sollen vorerst bis zum 24. Januar gelten. Im Anfangsstadium müssen wir so restriktiv wie möglich gegen die neue Variante vorgehen, um dann möglichst bald in einen entspannten Frühling zu kommen.

Ab wann gilt ein Kontakt als nahe und muss die Person in Quarantäne?

Es gelten die bisherigen Regeln: Wer länger als eine Viertelstunde und näher als 1,5 Meter bei einer Person war, ungeschützt, also ohne Maske, der hatte einen nahen Kontakt. Doch der gesunde Menschenverstand spielt hier eine grosse Rolle. Das Virus steht nicht mit der Stoppuhr daneben.

Kann man sich aus der Quarantäne vorzeitig heraustesten?

Das empfehlen wir im Moment nicht.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

73 Kommentare