07.10.2014 16:34

Polizist vor Gericht«Es war, als komme ein Kampfjet auf uns zu»

Ein Polizist, der 2010 einen flüchtenden Autodieb erschossen hatte, steht in Freiburg vor Gericht. Der Beamte habe vorschnell abgedrückt, sagt ein Komplize des Erschossenen.

von
nsa
Die Diebesbande entwendete mehrere Fahrzeuge. Diesen VW liesen sie am Strassenrand zurück. (Aufnahme vom 18. April 2010 in Sévaz FR).

Die Diebesbande entwendete mehrere Fahrzeuge. Diesen VW liesen sie am Strassenrand zurück. (Aufnahme vom 18. April 2010 in Sévaz FR).

Als ein gestohlenes Fahrzeug im April 2010 mit 130 km/h auf eine Strassensperre im Autobahntunnel bei Sévaz FR zuraste, verlor ein Polizist die Nerven. Mit seiner Maschinenpistole feuerte er sieben Schüsse auf das Fahrzeug und tötete dabei den Beifahrer. Nun wird der Fall in Freiburg vor Gericht verhandelt.

Ein Kollege des Polizisten, der ebenfalls bei der Polizeisperre im Einsatz stand, sagte aus, er habe Todesangst verspürt. «Es war, als ob ein Kampfflugzeug auf uns zukomme», sagte er im Prozess vor dem Strafgericht des Broye-Bezirks. So intensiv sei im Autobahntunnel der Lärm gewesen, den die Diebe mit dem zuvor in Lyss gestohlenen Audi verursachten.

Flüchtende wussten von Strassensperre

Todesangst habe er auch deshalb verspürt, sagte der Polizist weiter, weil zuvor über Funk gemeldet worden sei, die Diebesbande, die insgesamt drei Autos geklaut hatte, sei mit Tempo 250 unterwegs. Sie machten keine Anstalten anzuhalten. Polizeipatrouillen aus den Kantonen Freiburg und Waadt verfolgten die drei gestohlenen Autos.

Die Verfolgungsjagd hätte anders ausgehen können, wenn die Flüchtenden einfach angehalten hätten, führte der Polizist weiter aus. Am Eingang des Tunnels wiesen zwei rote Kreuze über der Fahrbahn auf die nahende Polizeisperre hin. Zudem hatten die Polizisten das Blaulicht auf ihrem Fahrzeug eingeschaltet und schwenkten ihre Arme, um die Autodiebe zum Anhalten zu bewegen.

«Hätte er nicht geschossen, hätte ich angehalten»

Der Fahrer des Fluchtfahrzeugs, ein 23-jähriger Franzose, behauptete hingegen, sein Fahrzeug vor der Strassensperre verlangsamt zu haben: «Ich habe mein Bestes getan, um eine Kollision zu vermeiden.» Die Schüsse des Polizisten seien deshalb «unverhältnismässig» gewesen.

Trotzdem ist das Auto laut der Anklageschrift mit 130 km/h angefahren gekommen und hat den Polizisten gestreift. «Ich dachte, er wolle uns erschiessen und habe deshalb Gas gegeben», sagte der Fahrer unter Tränen, «wenn er nicht geschossen hätte, hätte ich angehalten.» (nsa/sda)

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