Kollbrunn ZH: Es war doch kein IV-Betrug
Aktualisiert

Kollbrunn ZHEs war doch kein IV-Betrug

Laut Anklage hat ein Kosovare aus Kollbrunn eine psychische Erkrankung vorgetäuscht, um IV-Gelder für rund 120 000 Franken zu erhalten. Nicht zu beweisen, befand nun das Gericht.

von
Attila Szenogrady

«Ich habe weder mit Drogen gehandelt noch schwarz gearbeitet», beteuerte der Angeklagte aus Kollbrunn am Montag vor dem Bezirksgericht Zürich. Anders sah es der zuständige Staatsanwalt Markus Hug. Er sprach zwar nicht von Drogenhandel. Dafür aber von einem raffiniert angelegten Betrugsversuch, um mit vorgetäuschten Krankheiten in den Genuss von Invalidengeldern zu kommen.

Laut Anklage Depressionen vorgetäuscht

Die Anklageschrift ging bis in die neunziger Jahre zurück. Damals erlitt der damalige Reinigungsangestellte bei einem Autounfall ein Schleudertrauma und wurde in der Folge teilweise als invalide eingestuft. Herbst 2007 wollte der Angeschuldigte mehr Gelder und bezeichnete sich auch als psychisch krank. Bei einer Gutachterin sprach er von schweren Depressionen, verminderter Freude und Konzentrationsstörungen. Deshalb gehe er keiner Erwerbstätigkeit mehr nach, behauptete er.

Laut Staatsanwalt eine Lüge. So verrichtete der Kosovo-Albaner genau in jener Zeit harte Arbeiten auf diversen Baustellen. Dazu gehörten das Hochziehen von schweren Eimern, das Herumtragen von Zementsäcken sowie das Hochsteigen auf dem Baugerüst.

14 Monate bedingt verlangt

Laut Ankläger Hug hatte der heute 51-jährigeBeschuldigte nie an einer psychischen Erkrankung gelitten und wäre zu Unrecht zu rückwirkend ausbezahlten IV-Geldern in der Höhe von rund 120 000 Franken gekommen. Hug verlangte wegen Betrugsversuchs eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten sowie eine Busse von 1000 Franken. Der Ankläger konnte sich zudem auf einen Entscheid des Sozialversicherungsgerichts stützen. Dieses hatte dem Beschuldigten eine IV-Rente abgesprochen.

Im Zweifel für den Angeklagten

Der Verteidiger verlangte hingegen einen vollen Freispruch und verwies auf die diversen Arztberichte, welche seinem Klienten sehr wohl auch geistige Gebrechen attestierten. Der Rechtsanwalt verneinte auch jegliche Arglist. Mit Erfolg. So kamen auch die Bezirksrichter mangels Beweisen und nach dem Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten zu einem vollen Freispruch. Das Gericht ging ebenfalls von einem kranken Patienten aus. So hinterliess der Mann vor den Schranken alles andere als einen gesunden Eindruck. Sichtlich gealtert musste er sich mit einer Hand abstützen. Er beziehe heute Fürsorgegelder und suche drei Mal im Monat neben seinem Hausarzt auch einen Psychiater auf, sagte er. Zum Schluss durfte er als Freigesprochener den Gerichtssaal verlassen. Allerdings ist noch unklar, ob die Staatsanwaltschaft diesen Entscheid akzeptiert.

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