Messerattacke in Migros: «Es war ein Blutbad und ich war in diesem Blutbad drin»
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Messerattacke in Migros«Es war ein Blutbad und ich war in diesem Blutbad drin»

Der Fall sorgte im November 2019 für Entsetzen: Aus heiterem Himmel wird ein Migros-Kunde in Biel von einem geistig Verwirrten mit dem Messer angegriffen. Das Opfer überlebte mit Glück. Nun muss sich der Täter vor Gericht verantworten.

von
Christian Holzer
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In Biel BE wurde im November 2019 eine Person schwer verletzt. Die Tat ereignete sich im Einkaufszentrum des Migros Madretsch.

In Biel BE wurde im November 2019 eine Person schwer verletzt. Die Tat ereignete sich im Einkaufszentrum des Migros Madretsch.

Arthur Sieber
Es kam zu einer Messerstecherei, mehrere Zeugen beobachteten die Tat.

Es kam zu einer Messerstecherei, mehrere Zeugen beobachteten die Tat.

Arthur Sieber
Nun befasst sich das Gericht mit der Attacke.

Nun befasst sich das Gericht mit der Attacke.

News-Scout

Darum gehts

  • 2019 wurde ein Mann in einer Bieler Migros-Filiale mit einem Messer schwer verletzt.

  • Mit Glück überlebte er die Attacke.

  • Das Gericht in Biel befasst sich derzeit mit dem Fall.

Das Regionalgericht in Biel beschäftigt sich in diesen Tagen mit dem Fall der Bieler Messerattacke vom November 2019. Damals wurde ein heute 76-jähriger Mann in der Filiale Madretsch mehrere Male mit einem Messer verletzt. Vor Gericht sagte das Opfer am Dienstag aus: «Es war ein Blutbad und ich war war in diesem Blutbad drin», berichtet das «Bieler Tagblatt» (Bezahlartikel). Der Mann erlitt Verletzungen an Hals und Rücken – die Wunden waren teilweise fast 30 Zentimeter lang. 45 Stiche waren für das Vernähen der längsten Wunde notwendig. «Er stand kurz davor zu verbluten, er war dem Tod näher als dem Leben», führte Staatsanwältin Fabienne Wollmann aus. Heute erinnern das Opfer die lange Narbe und ein leichter Husten an den Messerangriff.

Im Geheimdienst-Wahn

Nicht anwesend an der Verhandlung war der Angeklagte. Der 55-Jährige weigerte sich, seine Zelle zu verlassen, wie es vor Gericht hiess. Gemäss einem Gutachten soll der Mann zum Tatzeitpunkt an einer ausgeprägten Schizophrenie gelitten haben. Der mutmassliche Täter glaubte offenbar, vom Geheimdienst zur Tat genötigt worden zu sein. Für den Gutachter ist klar, dass der Mann darum schuldunfähig war.

Die Staatsanwaltschaft forderte vor Gericht eine stationäre therapeutische Massnahme für den Angeklagten, der seit der Tat in Untersuchungshaft sitzt. Zudem soll das Opfer eine Genugtuung von 30’000 Franken erhalten. Die Verteidigung wiederum verlangt einen Freispruch auf ganzer Linie. Es hätte sich um eine vorübergehende psychische Störung gehandelt haben können. Zudem habe der Angeklagte bisher jegliche Behandlung verweigert, daher bestehe kein Erfolg für eine stationäre therapeutische Massnahme.

Die Richter folgten der Argumentation der Verteidigung nicht, wie sich bei der Urteilsverkündung am Mittwochabend zeigte. Für den Angeklagten wurde eine stationäre therapeutische Massnahme angeordnet. Auch wenn die Richter die Schuldunfähigkeit des Angeklagten bestätigt sahen, war für sie der Tatbestand der vorsätzlichen Tötung dennoch erfüllt, berichtet das «Bieler Tagblatt».

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine psychische Erkrankung?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele, Onlineberatung für Kinder psychisch kranker Eltern

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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