29.03.2020 14:00

Daniel Koch

«Es war ein Fehler, dass es keine Reisehinweise gab»

Daniel Koch vom BAG gibt sich zuversichtlich, dass die Schweiz die Corona-Krise meistern wird. Rückblickend übt er am Krisenmanagement aber auch Kritik.

von
bz
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«Am Anfang der Epidemie wurden keine Reisehinweise bezüglich China gemacht. Ich glaube, dass das ein Fehler war. Weltweit hätte man in diesem Sinne viel früher handeln müssen», sagt Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim BAG.

«Am Anfang der Epidemie wurden keine Reisehinweise bezüglich China gemacht. Ich glaube, dass das ein Fehler war. Weltweit hätte man in diesem Sinne viel früher handeln müssen», sagt Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim BAG.

Keystone/Alessandro Della Valle
Gemäss einem vertraulichen Lagebulletin von Schutz und Rettung Zürich könnten die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus «massiv verlängert» werden – möglicherweise bis nach den Sommerferien.

Gemäss einem vertraulichen Lagebulletin von Schutz und Rettung Zürich könnten die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus «massiv verlängert» werden – möglicherweise bis nach den Sommerferien.

Das wegen der Covid-19-Pandemie verschärfte Grenzregime fordert das Zollpersonal. Darum unterstützen Militärpolizisten und ein Milizbataillon bei der Sicherung der Schweizer Grenzen. (Symbolbild)

Das wegen der Covid-19-Pandemie verschärfte Grenzregime fordert das Zollpersonal. Darum unterstützen Militärpolizisten und ein Milizbataillon bei der Sicherung der Schweizer Grenzen. (Symbolbild)

Keystone/Gian Ehrenzeller

Die Kritiker liessen nicht lange auf sich warten, als sich das Coronavirus in der Schweiz rasant auszubreiten begann. Gewisse Politiker schimpften etwa, dass die Schweiz mit ihren Massnahmen drei Wochen hinterherhinke. Nun zog Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), in einem Interview im Tessiner Radio RSI kurz Bilanz.

«Am Anfang der Epidemie wurden keine Reisehinweise bezüglich China gemacht. Ich glaube, dass das ein Fehler war. Weltweit hätte man in diesem Sinne viel früher handeln müssen», sagt er. Unterschätzt hätten er und seine Mitarbeiter die Epidemie aber nicht. «Im Nachhinein kann man immer etwas besser machen. Allgemein würde ich aber sagen, nein. Wir würden wieder gleich und Schritt für Schritt entscheiden.»

«Grenzschliessung hätte keinen Unterschied gemacht»

Dass die Grenzen zu Italien nicht sofort geschlossen wurden, beurteilt Koch nicht als Fehler. «Als wir sahen, was in Italien passierte, waren schon viele Schweizer dort gewesen. Eine Grenzschliessung hätte keinen grossen Unterschied gemacht.»

Koch äussert sich auch zum Vorwurf, nördlich der Alpen nehme man die Notlage im Tessin zu wenig ernst. In der Deutschschweiz sei die Lage zwar weniger schlimm, so Koch. «Aber wir sehen, dass man die Situation auch im Tessin gut bewältigen kann und dass nicht nur die Behörden, sondern auch die Bevölkerung ihr Bestes tut, um die Situation unter Kontrolle zu bekommen.»

Koch bezeichnet sich als zuversichtlich. Er sehe, dass die Schweizer Bevölkerung sehr gut mitmache. «Sie nimmt es ernst und viele Personen setzten sich sehr dafür ein, damit wir diese Krise überwinden.»

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