Kaufleuten-Prozess: «Es war ein regelrechtes Gemetzel»
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Kaufleuten-Prozess«Es war ein regelrechtes Gemetzel»

Im Prozess um den Kaufleuten-Messerstecher folgen am Nachmittag die Plädoyers der Kläger und Verteidiger. Laut dem Staatsanwalt hat Shivan M. aus Rache getötet.

von
num

Seit heute Morgen findet der Prozess gegen den Messerstecher vom Kaufleuten statt. Shivan M. machte in seiner Aussage Panik und Angst geltend. Er sei zum Tatzeitpunkt zudem alkoholisiert gewesen.

Am Nachmittag haben Kläger und Verteidiger das Wort. Staatsanwalt Michael Scherrer plädiert auf Mord und fordert für Shivan zu Beginn seines Plädoyers 20 Jahre Freiheitsstrafe und die Anordnung einer ambulanten Massnahme. «Shivan M. hat auf höchst egoistischer Weise und aus nichtigem Anlass getötet.»

«Täter handelte aus Rache»

Er schildert Shivans Aussagen nach der Verhaftung. «Das Lügen ist ihm nichts Wesensfremdes», sagt Scherrer. Er stellt zudem in Frage, dass Shivan massiv alkoholisiert gewesen sei. Die Aussagen der Zeugen, dass Shivan M. in drastischen Worten angekündigt habe, Vigan M. «aufzuschlitzen», seien glaubhaft.

Hätte er ein schlichtendes Gespräch vorgehabt, wie der Täter am Morgen behauptete, hätte er sein Auto nicht mitten auf der Strasse stehengelassen und wäre sofort zur Gruppe geeilt. Wie Shivan auf Vigan zustürmte und ihn mit elf Messerstichen tötete, werde von mehreren Zeugen bestätigt. «Nichts von einem Angriff durch Vigan, sondern reine Rache.» Was Shivan heute ausgesagt habe, seien «Schutzbehauptungen und Bagatellisierungen, dass einem schlecht wird».

«Falsch verstandener Machostolz»

Sein ganzes Verhalten sei die Chronik eines angekündigten Mordes. Shivan habe den Entschluss gefasst, sich zu rächen und habe dies zielgerichtet ausgeführt, führt der Staatsanwalt aus. «Es war ein regelrechtes Gemetzel.» Sein Hauptracheobjekt sei aber wohl Vigan gewesen - und nicht Visar. Die Stiche gegen diesen seien geschehen, um sich die Flucht zu ermöglichen.

Für Scherrer ist klar: «Shivan handelte aus falsch verstandenem Machostolz und auf unsäglich prahlerischer Weise.» Ausserdem attestiere ihm das Gutachten volle Schuldfähigkeit. «Echte Reue oder ein Geständnis fehlen» - was die hohe Strafe rechtfertige.

Für den weiteren 23-jährigen Mitangeklagten S. fordert er fünf Jahre Haft. Er glaube Shivan M., dass er das Butterfly-Messer von ihm erhalten habe. Strafmildernde Umstände lägen keine vor. Für den Chauffeur, der Shivan vom Tatort abholte, forderte er eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten. Der Geschädigtenvertreter forderte ebenfalls eine Verurteilung und Schadenersatz für die Familie M.

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