Geri Müller: «Es war eine öffentliche Hinrichtung»
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Geri Müller«Es war eine öffentliche Hinrichtung»

In einem TV-Interview rechnet Badens Stadtammann und Grünen-Nationalrat Geri Müller mit den Medien ab. In der Nacktselfie-Affäre hätten «kriegsähnliche Zustände» geherrscht.

von
bee

Nach einer dreiwöchigen Pause hat Geri Müller am Montag seine Arbeit als Stadtammann von Baden wieder aufgenommen. Einen Tag später trat der Grünen-Nationalrat auch an der Herbstsession in Bern auf - stets begleitet von einer Heerschar an Journalisten und Schaulustigen.

Seit dem Bekanntwerden der Nacktselfie-Affäre Mitte August wird der Politiker von Fernsehkameras und Reportern auf Schritt und Tritt begleitet. Jetzt geht Müller mit einzelnen Medien hart ins Gericht. In einem Interview mit der SRF-Sendung «Rundschau» sagt der 53-Jährige, es habe eine Jagd der Journalisten auf ihn und seine Familie eingesetzt.

Müller behält sich Klagen vor

«Sie gingen auf unsere Kinder in der Schule los», sagt Müller. Es habe keinerlei Respekt mehr vor der Privatsphäre geherrscht: «Das waren fast kriegsähnliche Zustände.» Für ihn sei klar, «dass es eine schwere Verletzung der Intimsphäre gegeben hat». Einzelne Medien hätten eine Skandalisierung erreichen wollen. Für Müller ist es denkbar, gegen einzelne Medien Klagen wegen Persönlichkeitsverletzung einzureichen.

In der «Rundschau» spricht Müller von einer «Kampagne von vier, fünf Leuten». Ihr Ziel sei es gewesen, «neue Wahlgänge und einen Sturz zu erzwingen». Solchen Absichten müsse ein Riegel geschoben werden.

«Präzedenzfall für andere»

Müller spricht von einem für die Gesellschaft gefährlichen Denunziantentum. Es erinnere ihn an Zustände in Ländern, in denen die Herrscher die totale Kontrolle haben. Er beschreibt das, was er in den letzten Wochen erlebt habe, als eine «öffentliche Hinrichtung». Diese könnte nun zum Präzedenzfall für andere werden.

Müller dementierte, dass bei seinem Vorgehen auch finanzielle Motive eine Rolle spielen. Er komme aus bescheidenen Verhältnissen und könne auch mit wenig Geld leben. Wichtig sei für ihn nun in erster Linie, «ein wachsendes Vertrauen zu spüren». Er gehe «ergebnisoffen» in die Mediation zwischen ihm und dem Stadtrat von Baden.

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