Star Style: Es war einmal ...
Aktualisiert

Star StyleEs war einmal ...

Anne Hathaways Leben gleicht einem Märchen. Es ist die Geschichte vom Mädchen, das immer nur Prinzessinnen spielen durfte, am Ende aber alle Fesseln sprengte.

von
Michèle Binswanger

Anne Hathaway ist ein harter Brocken. Nicht, dass man ihr das ansehen würde; optisch steht sie eher auf der zarten Seite. Aber für das Konzept Realität ist sie eine Knacknuss. Ihr Leben ist das reinste Märchen. Die Frage ist nur, welches. Aufgrund des Alabasterteints, des dunklen Haars, ihrer Intelligenz und ihrer auffallend guten Manieren scheint der Fall schnell klar: Schneewittchen.

Oder doch nicht? Als Anne, Tochter eines Anwalts und einer Theater-schauspielerin, mit 14 Jahren beschliesst, mit der örtlichen Theatertruppe aufzutreten, sind die Eltern dagegen. Aber sie setzt sich durch. Nach einem Engagement bei der kurzlebigen Fernsehserie «Get Real» übernimmt die 19-jährige Anne die Hauptrolle in der Disney-Produktion «Plötzlich Prinzessin» und wird danach mit Stars wie Julia Roberts oder Audrey Hepburn verglichen. Das katholisch erzogene Mädchen, das über Nacht zum Filmstar wird — vielleicht ist es doch eher Aschenbrödel?

Der Film jedenfalls erzählt die Aschenbrödelgeschichte von Mia Thermopolis, einem unscheinbaren Teenagermädchen, das sich plötzlich als Thronerbin eines europäischen Zwergstaates wiederfindet. Unter den Augen der gestrengen Monarchen-Grossmutter muss sie sich mit heiligem Ernst auf die Rolle vorbereiten. Und brilliert dann natürlich als strahlend schöner Schwan. Damit war Hathaway auf den Typ «romantisch und zauberhaft» abonniert. Es folgte eine weitere Märchenkomödie («Ella — Verflixt und zauberhaft»), und 2004 spielte die 22-Jährige nochmals die Blaublütige in «The Princess Diaries 2».

Doch eingesperrte Prinzessinnen wollen früher oder später aus dem goldenen Käfig raus. Immerhin weiss Anne, dass auch das gelernt sein will. Schliesslich ist dabei schon so manche abgestürzt. Hathaway schaffte es, so stilvoll aus ihrem Rollenklischee auszubrechen wie Rapunzel aus dem Turm und landete beim Drama «Brokeback Mountain». Dort fand sie keinen erblindeten Prinzen, aber einen schwulen Cowboy. Ihr einziges Kriterium für die Rolle sei gewesen, dass sie eine Erwachsene spielen wollte, sagte sie später. Die Rolle der Verführerin sei eine Herausforderung gewesen, sagte Hathaway. Sie selbst sei überhaupt nicht so.

Das nennt man Schauspielerei. So nahm ihre Karriere den Weg von den Prinzessinnen-Dramen hin zur wirklichen Welt. Wobei es Hathaway vermied, sich von den Niederungen der Realität allzusehr besudeln zu lassen. Was nicht heisst, dass sie von privaten Problemen verschont geblieben wäre. Als Teenager, sagte sie im Februar 2007 im Magazin «Tatler», habe sie mit Anorexie und Depressionen gekämpft.

Heute ist die Phase der Selbstzerstörung vorbei. Nach ihrem Mega-Erfolg als Assistentin Andrea in «Der Teufel trägt Prada» ist sie gerade als kampflustige Braut in «Bride Wars» im Kino. Derweil kommt sie mit ihrem jüngsten Film «Rachel Getting Married» wieder zu Kritiker-Ehren für ihre Darstellung einer kettenrauchenden jungen Frau mit Drogenproblemen. Der Film gewann den New York Film Critics Circle Award und ist für einen Golden Globe nominiert. Und noch etwas nimmt sie mit: Hathaway wird jetzt für starke weibliche Hauptrollen gecastet und nicht mehr nur als romantische Beute für einen Helden.

Daran ändern auch private Turbulenzen nichts. Als Hathaways langjähriger Freund Raffaello Follieri im Sommer wegen Geldwäscherei und Betrug verurteilt wurde, liess sie sich davon nicht aus der Bahn werfen. Zu fest steht sie mittlerweile auf dem Boden der Realität.

«Bride Wars» ab 5. Februar im Kino

Die best friends Liv (Kate Hudson) und Emma (Anne Hathaway) geraten gehörig aneinander, als ihre geplanten Hochzeitsdaten kollidieren. Es entsteht ein Wettstreit um die Trauungsorte und natürlich auch um die Gäste. Und keine der beiden möchte nachgeben ... Eine amüsante, von Intrigen geprägte Hochzeitskomödie.

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