Aktualisiert 21.04.2010 14:58

Aufregung

Es war einmal... ein iPhone-Prototyp

Ein Apple-Mitarbeiter gibt sich die Kante, verliert einen iPhone-Prototyp, der zu einem US-Blog gelangt – und die ganze Welt schreibt drüber. Zu schön, um wahr zu sein.

von
mbu

Die Geschichte, die uns der renommierte US-Blog gizmodo.com auftischen will, tönt in der Tat äusserst spektakulär und ist für Newssites ein Quotengarant. Ein Apple-Mitarbeiter soll nach ein paar Gläsern deutschem Bier in einer Bar einen Protoypen des iPhones der vierten Generation liegen gelassen haben (20 Minuten Online berichtete). Gizmodo will dem Finder 5000 US-Dollar dafür bezahlt haben.

Um erst gar keine Zweifel an der unglaublichen Geschichte aufkommen zu lassen, wurde ein angebliches Schreiben von Apple veröffentlicht, in welchem die Rückgabe des Gerätes gefordert wird. Daraufhin titelten Medien «Apple: Ja, es ist ein Prototyp» oder «iPhone-Enthüllung dank deutschem Bier».

Nur Apple kennt die Wahrheit

Ob sich die Geschichte tatsächlich so zugetragen hat oder nüchternes Kalkül dahintersteckt, lässt sich aus der Ferne nicht abschätzen. Wie man es von Apple gewohnt ist, schweigt sich das Unternehmen bislang darüber aus. Theoretisch könnte es sich also auch um einen geschickt eingefädelten PR-Coup handeln.

Es ist allseits bekannt, dass die getroffenen Sicherheitsvorkehrungen bei Apple enorm sind. So arbeiten die jeweiligen Teams an einzelnen Komponenten hinter passwortgeschützten Panzertüren, ohne jemals das gesamte Produkt zu Gesicht zu bekommen. Dass ein 27-jähriger Mitarbeiter einen Prototypen vom Firmengelände schmuggeln kann, um ihn im Suff in einer Bar liegen zu lassen, grenzt an Unmöglichkeit. Laut Gizmodo soll er sogar noch «unterschätzt, wie gut deutsches Bier ist» in das iPhone getippt haben, bevor er es verloren hatte. Die ganze Geschichte stinkt geradezu nach Seemannsgarn und könnte ebenso gut aus der Feder eines ausgebufften Werbers stammen.

Von den Zweifeln hat nun auch Gizmodo Wind bekommen und auf ihrem Blog einen Artikel publiziert, in dem sie zu erklären versuchen, warum es sich nicht um ein «controlled leak» handelt. Ihr Hauptargument ist, dass Apple auch auch bei der offiziellen Präsentation des iPhone 4G, die am 22. Juni erwartet wird, die Aufmerskamkeit der Medien rund um die Welt sicher gewesen wäre. Für sie ist es absolut undenkbar, dass ein börsenkotiertes Unternehmen wie Apple, das seit Beginn an für seine hohe Geheimhaltung bekannt ist, plötzlich die Strategie wechselt und so einen Imageschaden riskiert.

Gizmodo.com: Traffic explodiert

Tatsache ist, dass sich für Gizmodo die Aufregung um den vermeintlichen Prototypen jedenfalls bezahlt macht. Laut der aktuellen Statistik der Analysten von sitemeter.com erreichte ihre Webseite kurz nach der Veröffentlichung der Bilder satte zwölf Millionen Visits. An einem normalen Tag machen sie gegen die vier Millionen Visits.

Für den 22. Juni hat Apple einmal mehr das Yerba Buena Center for the Arts in San Francisco reserviert, schreibt Gizmodo. Darin wurden in der Vergangenheit schon mehrmals neue Produkte vorgestellt. Höchstwahrscheinlich kommt dieses Mal das iPhone der vierten Generation zum Zug. Spätestens dann wird sich zeigen, was es mit dem angeblichen Prototypen auf sich hat.

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