«Recycling-Nikoläuse»: Es war einmal ein Osterhase ...
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«Recycling-Nikoläuse»Es war einmal ein Osterhase ...

Der Samichlaus aus Schokolade stand schon einmal als Osterhase im Regal. Das ist immer wieder zu hören. 20 Minuten Online hat nachgefragt.

von
Sandro Spaeth

Derzeit besetzen die süssen Nikoläuse, die Tannzapfen und Weihnachtskugeln aus Schokolade wieder die besten Regalplätze beim Detailhändler. Aber: Standen sie schon einmal dort? In der Bevölkerung hält sich das Gerücht, die Weihnachtsmänner seien alte unverkaufte Osterhasen, hartnäckig. Ein möglicher Grund: Die Weihnachtsfiguren aus Schokolade schmecken oft fettig, für viele ein Indiz für mehrmals eingeschmolzene Ware.

Eines ist klar: Der Geschmack der Schokolade leidet, wenn sie mehrmals eingeschmolzen wird. Laut Fachleuten stimmt dann der Geschmack nicht mehr mit dem Fettgehalt überein. Das Gerücht, dass derzeit eingeschmolzene Osterhasen im Regal stehen, weisen die Detailhändler aber weit von sich: «Die Festtagsschokolade, welche trotz Preisreduktion nicht verkauft worden ist, wird vernichtet», sagt Coop-Sprecherin Denise Stadler. Und auch bei der Migros spricht man von einer Legende: «Was nach Ostern übrig bleibt, wird zum stark vergünstigten Preis verkauft», so Sprecherin Martina Bosshard. Die saisonalen Oster- und Weihnachtsartikel seien somit in wenigen Tagen grösstenteils weg. Einen Teil der Restbestände lassen Coop und Migros aber auch gemeinnützigen Organisationen zukommen.

Produkt zurückverfolgen unmöglich

Dass die Schokolade nicht wieder eingeschmolzen wird, hat hygienische und qualitative Gründe. Zudem ist Rückverfolgbarkeit der Produkte nicht mehr gewährleistet: «Das Risiko des Verschleppens einer Allergie auslösenden Substanz wäre zu gross», betont Bosshard. Daher gilt: «Was ein Schokoladenwerk einmal verlassen hat, wird nicht mehr zurückgenommen und weiterverarbeitet.»

Gerade bei schwarzer Schokolade wäre ein Wiedereinschmelzen aber möglich, ohne dass die Schoggi den Geschmack verliert. Der Grund dafür liegt im tieferen Fettgehalt, denn das einzige Fett in dunkler Schokolade stammt aus der Kakaobutter. Im Gegensatz dazu verfügt die braune Vollmilchschokolade aber auch über Milchfett – das schlecht werden kann.

Schon wieder Osterhasen

Die Schokohersteller betonen, dass sich aber auch unter die Nikoläuse aus schwarzer Schokolade keine Osterhasen gemischt haben. «Der Aufwand zum Abholen, Auspacken und Einschmelzen alter Osterfiguren ist viel zu gross. Es würde den Preis einer Schokoladenfigur sogar noch verteuern», sagt Franz Schmid, Direktor von Chocosuisse. Dass ausgelieferte und nicht verkaufte Festartikel wie Osterhasen wieder eingeschmolzen würden, hält Schmid für unrealistisch. Die Abläufe in den Produktionsbetrieben seien nicht dafür eingerichtet.

In den Produktionshallen von Lindt & Sprüngli, bei Chocolat Halba (Coop) oder bei der Migros-Tochter Chocolat Frey, die jährlich 1600 Tonnen Schocklade fürs Weihnachtsortiment produziert, riecht es derzeit schon nicht mehr nach Adventsschokolade. «Jetzt beginnen bereits die Vorarbeiten für die Osterproduktion», so der Direktor von Chocosuisse.

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