Aktualisiert 30.03.2013 19:56

Lokal statt Lokus

Es war einmal eine öffentliche Herrentoilette

Wo Londoner einst ihre Notdurft verrichteten, werden heute Kaffee und Kuchen kredenzt – an den Original-Urinalen. Findige Unternehmer haben eine stillgelegte Toilette in ein Café verwandelt.

von
kmo

Die Idee für sein unorthodoxes Lokal kam Pete Tomlinson und seinem Geschäftspartner Ben Russell eines schönen Feierabends. Schon länger wunderten sich die Freunde über das stillgelegte öffentliche Klo direkt vor ihrem Lieblingspub, dem «Crown and Sceptre» im Londoner Stadtteil Bloomsbury. Sie begannen zu überlegen, was man damit machen könnte, und entschieden sich für ein Imbiss-Restaurant.

Ein heruntergekommenes WC ausgerechnet in ein Café umzufunktionieren, ist ein riskantes Unterfangen. Die Gefahr, dass der potenziellen Kundschaft der Appetit vergeht, ist nicht von der Hand zu weisen. Ausserdem lag eine Menge Arbeit vor ihnen, war doch der Lokus in den 1880ern erstellt worden und seit den 1960ern nicht mehr in Betrieb.

Aufwendige Handarbeit

Doch die findigen Köpfe liessen sich nicht entmutigen. Tomlinson investierte rund 100'000 Pfund und arbeitete beim Umbau tatkräftig mit. Und dieser hatte es in sich. Allein das Schmiedeisen brachte die Jungunternehmer schier zum Verzweifeln. Es war mit giftiger Bleifarbe gestrichen – in mehreren Schichten. «Wir hätten es sandstrahlen können, doch das konnten wir uns nicht leisten», sagt er dem «Toronto Star». Und so machten sie alles von Hand.

Auch der Rest der einstigen WC-Anlage wurde intensiv gesäubert und mit viel Liebe zum Detail renoviert. Anfang Februar 2013 wurde das Lokal unter dem Namen «The Attendant» (Toilettenwärter) eröffnet. Der Aufwand hat sich gelohnt – der Laden läuft. Und dies, obwohl Kaffee und Kuchen an den ehemaligen Orignial-Urinalen eingenommen wird (s. Bildstrecke oben). Einen echten Londoner kann so was offensichtlich nicht abschrecken.

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