Aktualisiert 15.01.2019 10:10

Geflüchtete Saudiaraberin«Es war es wert, mein Leben zu riskieren»

Der 18-jährigen Rahaf Mohammed al-Qunun gelang die Flucht vor ihrer Familie. Nun ist sie in Kanada und fühlt sich wie neugeboren.

von
kat
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«Ich fühlte mich wie neu geboren», sagt Rahaf Mohammed al-Kunun, die in Kanada Asyl erhält.

«Ich fühlte mich wie neu geboren», sagt Rahaf Mohammed al-Kunun, die in Kanada Asyl erhält.

Die 18-Jährige landete am 12. Januar 2019 in Kanada. Zu ihrer rechten Seite die kanadische Aussenministerin Chrystia Freeland.

Die 18-Jährige landete am 12. Januar 2019 in Kanada. Zu ihrer rechten Seite die kanadische Aussenministerin Chrystia Freeland.

AP/Chris Young
Rahaf Mohammed al-Kunun verlässt den Flughafen in Bangkok in Begleitung eines Mitarbeiters des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR.

Rahaf Mohammed al-Kunun verlässt den Flughafen in Bangkok in Begleitung eines Mitarbeiters des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR.

AFP/-

Die saudische Teenagerin Rahaf Mohammed al-Qunun will das «al-Qunun» aus ihrem Namen streichen lassen, weil sie enterbt wurde. Die Geschichte der 18-Jährigen, der die Flucht vor ihrer Familie gelang, geht um die Welt.

Inzwischen befindet sie sich in Kanada und ist mehr als glücklich, dort zu sein, wie sie in ihrem ersten Interview mit CBC-Journalistin Susan Ormiston erzählte. Es sei es wert gewesen, ihr Leben für die Flucht zu riskieren. Sie sei wie eine «Sklavin» gehalten und von ihrer Mutter und ihrem Bruder misshandelt worden. Deswegen habe sie auch über Suizid nachgedacht.

«Ein normales Leben führen»

Niemals hätte die Saudiaraberin geglaubt, dass es auch nur die geringste Chance gäbe, hier zu sein, oder dass Menschen auf der ganzen Welt über sie sprechen würden.

«Ich fühlte mich wie neugeboren, vor allem als ich all die Liebe gespürt habe», sagte die 18-Jährige, die viel Leid während ihres Lebens in Saudiarabien erfahren musste. Allein für das Schneiden ihrer Haare wurde sie sechs Monate weggesperrt.

Sie wolle nun Englisch studieren und eine Arbeit finden – einfach ein normales Leben führen, sagte sie zu Ormiston.

Ferien zur Flucht genutzt

Seit Jahren hatte Rahaf Mohammed al-Qunun über ihre Flucht nachgedacht und die Familienferien in Kuwait schliesslich dafür genutzt. «Ich hatte schon länger versucht, meine Eltern von Kuwait zu überzeugen. Von Saudiarabien aus konnte ich nicht fliehen, ich wusste aber, dass es in einem anderen Land erlaubt wäre», sagte sie im Interview und ergänzte, dass sie nur auf den Tag ihrer Volljährigkeit gewartet habe. Dann würde man sie auf der ganzen Welt wie eine Erwachsene behandeln.

Sie buchte ein Ticket nach Bangkok, wo ihr zunächst die Einreise verweigert und ihr Pass beschlagnahmt wurde. Aus Angst, wieder zurück zu ihrer Familie geschickt zu werden, verbarrikadierte sie sich in einem Hotelzimmer. Von dort aus bat sie via Twitter um Hilfe und wurde gehört. Die Behörden Thailands liessen die junge Frau gewähren und stellten sie unter Schutz von UNHCR-Vertretern.

Asyl in Kanada

Am Samstag ist die Saudiaraberin in Kanada angekommen, wo sie Asyl erhält. Einerseits ist sie glücklich darüber, andererseits aber auch aufgebracht, weil sie ihre Familie auf diese Weise verloren hat. Im Interview erzählt sie, dass sie eine Nachricht von ihrer Familie bekommen habe, in der es hiess, sie sei wegen Ungehorsams enterbt und verstossen. Während des Interviews brach die 18-Jährige in Tränen aus. «Viele Leute hassen mich, ob es meine Familie ist oder Saudiarabien im Allgemeinen», sagte sie mit brüchiger Stimme.

Das autoritär-konservative Königreich Saudiarabien steht seit langem wegen seines restriktiven Umgangs mit Frauen in der Kritik. So stehen sie ihr Leben lang unter der Vormundschaft ihres Mannes oder ihrer männlichen Verwandten, die an ihrer Stelle wichtige Entscheidungen fällen.

Die Aufnahme der 18-Jährigen dürfte die ohnehin bereits seit Monaten angespannten Beziehungen zwischen Kanada und Saudiarabien weiter verschlechtern. Im August hatte Riad den kanadischen Botschafter ausgewiesen, nachdem Kanada die Menschenrechtssituation in Saudiarabien kritisiert hatte.

(kat/sda/afp)

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