Transasia-Absturz: «Es war Glück, dass die Maschine im Fluss landete»
Aktualisiert

Transasia-Absturz«Es war Glück, dass die Maschine im Fluss landete»

Haarscharf schrammte die Maschine der Transasia an Taipehs Hochhäusern und damit einer wohl noch weitaus grösseren Katastrophe vorbei. Ist der Pilot ein Held?

von
A. Diener
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Am 7. Februar fanden die Einsatzkräfte fünf weitere Leichen.

Am 7. Februar fanden die Einsatzkräfte fünf weitere Leichen.

Keystone/AP/Wally Santana
Die Piloten von Propellermaschinen müssen sich nun Leistungstests unterziehen.

Die Piloten von Propellermaschinen müssen sich nun Leistungstests unterziehen.

Keystone/AP/Wally Santana
Am 6. Februar, zwei Tage nach dem Absturz der Transasia-Maschine, bergen Einsatzkräfte weitere Leichen aus dem Fluss in Taipeh.

Am 6. Februar, zwei Tage nach dem Absturz der Transasia-Maschine, bergen Einsatzkräfte weitere Leichen aus dem Fluss in Taipeh.

Keystone/AP/Wally Santana

Ein schweres Flugunglück erschüttert die taiwanische Grossstadt Taipeh. Der Schock sitze tief, sagt Martin Aldrovandi, freischaffender Korrespondent in Taiwan. Bereits im vergangenen Juni stürzte eine Maschine der Transasia ab. Beim Landeanflug prallte der Flug GE222 in Häuser auf der Insel Penghu. Das Ansehen der ersten privaten Fluggesellschaft Taiwans hat dadurch stark gelitten.

Dazu trägt auch das Verhalten der Airline nach dem Unglück in Taipeh bei. «Erst vier Stunden nach dem Absturz hielt die Fluggesellschaft eine Pressekonferenz ab. Viele Angehörige fühlten sich nicht richtig informiert», sagt Aldrovandi zu 20 Minuten. Doch nicht nur in Taiwan ist das Entsetzen gross, auch in China ist man bestürzt. 31 Passagiere sollen nach Angaben des Tourismus-Ministeriums Festlandchinesen gewesen sein.

Ist der Pilot ein Held?

Ein eindrückliches Amateur-Video zeigt, wie das Flugzeug kurz nach dem Start vom Songshan-Flughafen zur Seite geneigt mit einer Tragfläche zuerst ein Taxi und dann eine Brücke trifft, bevor es in den Fluss Keelung stürzte. Auf dem Video sind im Hintergrund mehrere Hochhäuser zu sehen. Es ist kaum auszumalen, welche Katastrophe es hätte geben können, wäre das Flugzeug in eines der Häuser gekracht.

In Taiwan macht deshalb das Gerücht die Runde, dass der Pilot eine Notwasserung im Fluss versuchte, um so ein noch grösseres Unglück zu verhindern. Zwar wurde die Blackbox bereits geborgen, eine Auswertung dauert in der Regel aber mehrere Wochen. Die Ursache für den Absturz ist noch nicht geklärt, laut der Nachrichtenagentur Reuters meldete der Pilot einen Ausfall des Triebwerks.

Strömungsabriss

«In diesem Fall verfügt das Flugzeug nur noch über 50 Prozent Leistung. Innert kürzester Zeit muss die Leistung des funktionierenden Triebwerks auf das Maximum hochgeschraubt und der Steigflug reduziert werden. Kurz nach dem Start führt ein Triebwerkausfall zu einer sehr heiklen Situation», sagt Aviatik-Experte und Ex-Swissair-Pilot Olav Brunner.

Brunner vermutet, dass die Geschwindigkeit des Flugzeugs zu tief war und dass es deshalb zu einem Strömungsabriss kam. Eine Steuerung sei in diesem Fall nicht mehr möglich. Deshalb hält Brunner das Helden-Szenario für unrealistisch. «Es war grosses Glück, dass es das Flugzeug überhaupt über die Brücke schaffte und im Fluss landete.»

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