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Zeuge des Vierfachmords«Es war wie in einem Film»

Erstmals redet der Mann, der nach der Bluttat von Annecy die Polizei alarmierte. Er spricht von einer surrealen Szenerie am Tatort und dass er nicht wusste, ob er ebenfalls in Lebensgefahr sei.

von
dwi/feb

Philippe D. wird der Mann genannt, der letzte Woche die Polizei alarmierte, nachdem in den französischen Alpen vier Menschen ermordet worden waren. Er war am 5. September mit zwei Kollegen im Auto unterwegs, als sich ein Velofahrer näherte. Beim Velofahrer handelte es sich um den RAF-Veteran, der das Verbrechen entdeckte.

«Der Mann auf dem Velo war panisch und sehr emotional», sagte Philippe D. der Zeitung «Aujourd'hui France/Le Parisien». In gebrochenem Französisch habe dieser versucht, ihm zu erklären, dass weiter oben bei der Strasse etwas passiert sei. «Er versuchte, die Polizei zu alarmieren. Entweder hatte er aber kein Handy oder keinen Empfang», so Philippe D.

«Sie antwortete nicht»

Philippe D. und seine Freunde folgten dem Velofahrer zum Tatort, wo der 50-jährige Saad al-Hilli, seine Frau Ikbal (47) und ihre 74-jährige Mutter tot im Auto lagen. Sylvain Mollier, ein französischer Velofahrer, lag erschossen einige Meter entfernt vom Auto. Bis jetzt wird davon ausgegangen, dass er zur falschen Zeit am falschen Ort war.

«Ich ging zum Auto, aber da war kein Zeichen von Leben mehr.» Er habe nichts berührt und realisiert, dass er nichts helfen könne. Dann sah er die Tochter des ermordeten Paares, die siebenjährige Zainab, am Boden liegen. Ihr wurde auf den Kopf geschlagen, zudem schoss man ihr in die Schulter.

«Sie antwortete uns nicht», so Philippe D. «Ich tippte ihr an die Schulter und sagte ein paar Worte auf Englisch. Sie reagierte nicht, ich nahm an, dass sie ebenfalls tot ist.»

... nur ohne Fernbedienung

«Es war wie in einem Film, nur waren wir jetzt die Schauspieler und wir hatten keine Fernbedienung, um den Sender zu wechseln.» Dass im Auto zu diesem Zeitpunkt die 4-Jährige Zeena lag, wusste Philippe D. nicht.

«Wir hatten keine Ahnung, ob wir alleine waren oder ob wir in Gefahr schwebten. Wir wussten nicht, ob die Leute, die dies getan hatten, noch in der Nähe waren.» Philippe D. ging danach die Bergstrasse hinunter, bis er Handy-Empfang hatte. Dann rief er die Polizei an. Wenige Minuten später waren die Rettungskräfte da.

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