Aktualisiert 11.01.2012 13:45

Ricardo Rodriguez«Es war Zeit, diesen Schritt zu machen»

Der Deal ist perfekt. Um 14.45 Uhr ist Ricardo Rodriguez (19) ins Trainingslager des VfL Wolfsburg nach Dubai gereist - mit einem Vertrag bis 2016 im Gepäck.

von
Sandro Compagno

Der Transferpoker hat ein Ende. Ricardo Rodriguez wechselt zum deutschen Meister von 2009, wo er einen Vertrag bis 2016 unterschrieben hat. Der FCZ erhält für den Verteidiger vorerst 6 Mio. Euro (7,2 Mio. Franken). Weitere 2,5 Mio Euro (3 Mio. Franken) sind an den sportlichen Erfolg von Rodriguez und des VfL Wolfsburg gebunden. 20 Minuten erreichte den 19-Jährigen kurz vor dem Start in die Arabischen Emirate im Flugzeug.

Herzliche Gratulation zum Karrieresprung, Ricardo Rodriguez! Das war zuletzt ja eine Hängepartie. Haben Sie damit gerechnet, dass es mit dem Transfer klappt? Oder gingen Sie davon aus, die Frühlingsrunde beim FCZ zu bestreiten?

Ricardo Rodriguez: Ich war schon etwas hin- und hergerissen. Einerseits habe ich immer daran geglaubt, dass es klappen kann. Andererseits habe ich aber auch gewusst, dass der Transfer scheitern kann. Aber das wäre ja eigentlich auch nicht weiter schlimm gewesen, dann hätte ich halt beim FCZ weitergespielt. Ich hatte ja einen Vertrag und mein Herz schlägt immer noch für diesen Klub.

In Wolfsburg treffen Sie auf ein Kader mit rund 40 Spielern. Erwarten Sie, dass Sie sofort und immer spielen?

Es wird wohl einen Grund geben, wieso Wolfsburg Geld für mich in die Hand nimmt ... Natürlich weiss ich, dass die Bundesliga kein Selbstläufer wird. Ich werde mich und mein Spiel anpassen müssen. In Deutschland geht vieles schneller als in der Super League. Wenn ich mich dort durchsetzen will, muss ich mich in jedem Training und in jedem Testspiel zeigen.

Ihr neuer Trainer Felix Magath hat den Übernamen Quälix. Fürchten Sie sich vor ihm?

Fürchten sicher nicht. Aber Respekt habe ich schon. Herr Magath hat viel erreicht in seiner Karriere – sowohl als Spieler als auch als Trainer.

Und was wissen Sie über Ihren neuen Verein?

Was man halt so weiss: Meister 2009, derzeit aber im Umbruch. In der Meisterschaft läuft es nicht so gut, im Winter kamen einige neue Spieler, einige gingen.

Kennen Sie ausser Ihrem Nati-Kollegen Diego Benaglio weitere Spieler?

Giovanni Sio, der von Sion zu Wolfsburg gewechselt hat. Aber den kenne ich einfach als Gegenspieler. Sonst niemanden, nein.

Haben Sie mit Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld schon über den Transfer gesprochen?

Ich nicht, aber mein Berater Gianluca di Domenico. Herr Hitzfeld hat mir darauf ein SMS geschickt, in dem er mir viel Erfolg wünscht und auch sagt, dass er sich über meinen Wechsel in die Bundesliga freue.

Sie sind jetzt 19 und verlassen Ihr Elternhaus in Schwamendingen. Gehen Sie alleine nach Wolfsburg oder kommt jemand aus Ihrem Umfeld mit?

Nach Dubai begleitet mich mein Berater. Nach Wolfsburg wird voraussichtlich mein Vater mitkommen. Dazu wird mich meine Mutter besuchen, so oft es geht. Da ich zwei Brüder habe, wird sie in Zürich ja noch gebraucht (lacht).

Wie fühlt sich das an, wenn man weiss, dass man 10 Millionen Franken wert ist?

Von dieser Zahl habe ich auch gelesen. Wenn sie stimmt, macht mich das natürlich stolz, das ist eine schöne Summe. Auf dem Platz bringt mir das aber gar nichts, da zählt nur die Leistung.

Eine hohe Ablöse bedeutet auch Druck. Bisher sind Sie damit immer sehr gut umgegangen.

Daran wird sich nichts ändern. Ich weiss, dass ich auf dem Platz Leistung zeigen und Verantwortung übernehmen muss. Aber ich zerbreche mir deswegen sicher nicht den Kopf. Ich bin wie ich bin und ich will so bleiben.

Sie werden in Wolfsburg mehr als eine Million Euro verdienen. Haben Sie schon Wünsche, die Sie sich erfüllen möchten?

Keine, die ich Ihnen jetzt so in den Block diktieren würde. Es mag etwas seltsam klingen: Aber Geld spielt für mich keine so grosse Rolle.

Ein neues Auto brauchen Sie sicher nicht: Ihr VW Scirocco passt perfekt nach Wolfsburg ...

(lacht) Stimmt. Aber vielleicht gibt es ja einen Dienstwagen der gleichen Marke!

Sie sitzen gleich im Flieger nach Dubai. Mit welchen Gefühlen verlassen Sie den FC Zürich?

Es ist für mich nicht einfach, Zürich und den FCZ zu verlassen. Seit ich als kleiner Bub vom FC Schwamendingen zum FCZ kam, war das immer mein Klub. Ich werde ihn vermissen, wie ich auch meine Mitspieler und die Fans vermissen werde. Aber für mich war es an der Zeit, diesen Schritt zu machen.

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