Aktualisiert 10.06.2011 16:35

EHEC in DeutschlandEs waren die Sprossen

Endlich ist der Grund für die EHEC-Darminfektion klar. Es waren die Sprossen, wie die deutschen Behörden mitteilten. Tomaten, Gurken und Blattsalat könnten ohne Bedenken konsumiert werden.

Deutschland hat den Verzehr von Tomaten, Gurken und Blattsalat am Freitag als unbedenklich bezeichnet.

Deutschland hat den Verzehr von Tomaten, Gurken und Blattsalat am Freitag als unbedenklich bezeichnet.

Auslöser der EHEC- Epidemie sind mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit die bereits verdächtigten Sprossen. Wissenschaftler entdeckten an diesem Gemüse erstmals Bakterien des Erregers, an dem bislang über 30 Menschen gestorben sind.

Die Sprossen stammten nach den bisherigen Erkenntnissen aus dem unter Verdacht stehenden Betrieb im niedersächsischen Bienenbüttel, erklärte das nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerium am Freitag.

Untersucht wurde eine geöffnete Packung aus der Mülltonne einer Familie in der Nähe von Bonn. Zwei der drei Familienmitglieder hätten Sprossen gegessen und seien Mitte Mai an EHEC erkrankt.

Damit sei erstmals eine ununterbrochene Kette zwischen infizierten Sprossen aus dem Betrieb in Bienenbüttel und erkrankten Personen nachgewiesen, teilte das Ministerium mit.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, hatte zuvor in Berlin jüngste Ermittlungsergebnisse vorgestellt: «Es sind die Sprossen», sagte er.

Laut Burger war die Eingrenzung anhand ausführlicher Befragungen der Patienten und der Auswertung von Lieferdokumenten möglich. Voraussetzung dafür war die Verfügbarkeit einer ausreichenden Zahl von Restaurantkunden, um eine ausreichende statistische Belastbarkeit der Analyse zu gewährleisten. Dabei konnten bei 26 von 55 Erkrankungsherden die Spuren zum Betrieb in Bienenbüttel zurückverfolgt werden.

Freispruch für Gurken und Tomaten

Gurken, Tomaten und Blattsalate können nach Ansicht der Behörden somit wieder ohne Bedenken gegessen werden. Die entsprechende Empfehlung müsse nicht mehr aufrechterhalten werden, sagte der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Andreas Hensel.

Nach Ausbruch der EHEC-Epidemie hatten die Behörden aufgrund von Befragungen von EHEC-Erkrankten zunächst diese Warnung ausgesprochen. Die Warnung vor rohen Sprossen bleibt dagegen bestehen.

«Wir sind ein Stück weit erleichtert», sagte Verbraucherministerin Ilse Aigner. Gesundheitsminister Daniel Bahr betonte nach der Beschränkung auf Sprossen, für die Bürger sei jetzt klarer, wie sie sich schützen könnten. Ähnlich äusserte sich der Sprecher von EU-Verbraucherkommissar John Dalli in Brüssel.

Neuerkrankungen weiter rückgängig

EHEC-Entwarnung könne noch nicht gegeben werden, erklärte Bahr. Die Zahl der Neuerkrankungen sei aber deutlich rückläufig. Mehr als 700 Menschen leiden laut RKI unter der schweren Komplikation HUS; insgesamt haben sich mehr als 2000 Menschen mit EHEC infiziert.

Der Hof in Bienenbüttel im Kreis Uelzen, der seit vergangenem Sonntag im Fokus der Öffentlichkeit steht, ist inzwischen komplett gesperrt und darf kein Gemüse mehr in den Handel liefern. Bisher galt das Verkaufsverbot nur für Sprossen.

Gemüse verschenkt

Die Entwarnung für Gurken und Co. platzte mitten in eine Aktion von Gemüsebauern und Händlern in Hamburg. Sie verschenkten in der Innenstadt tonnenweise Gemüse, um auf ihre drastischen Einbussen wegen der EHEC-Epidemie aufmerksam zu machen. Mitorganisator Jens Elvers berichtete anschliessend: «Das hat sich so doll verbreitet, dass die Leute uns das Gemüse dann tütenweise aus der Hand gerissen haben.»

Laut Bauernpräsident Gerd Sonnleitner belaufen sich die Verluste für Gemüsebauern bei den drei Produkten Gurken, Tomaten und Salat deutschlandweit auf rund 65 Millionen Euro. Auf europäischer Ebene seien es bis zu 600 Millionen Euro. (sda/dapd)

EHEC-Erreger auf Sprossen nachgewiesen

Die gefährlichen EHEC- Erreger vom Typ O104 sind erstmals auf Sprossen aus dem Bio-Betrieb im niedersächsischen Bienenbüttel nachgewiesen worden. Das teilte das nordrhein-westfälische Umwelt- und Verbraucherschutzministerium am Freitag in Düsseldorf mit.

Allerdings war die Packung geöffnet und befand sich bereits in der Mülltonne eines Haushalts im Rhein-Sieg-Kreis. Zwei der drei in diesem Haushalt lebenden Familienmitglieder haben Sprossen verzehrt und sind Mitte Mai an den EHEC-Bakterien erkrankt.

Die Sprossen stammen laut dem Ministerium nach den bisherigen Erkenntnissen aus dem Betrieb im niedersächsischen Bienenbüttel. Damit ist erstmalig eine ununterbrochene Kette mit dem Erreger O104 infizierter Sprossen aus dem Betrieb in Bienenbüttel und erkrankten Personen hergestellt. Bislang war hatten lediglich Indizien auf den Bio-Hof als Quelle des gefährlichen Erreger hingewiesen.

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