Interview mit Manor-Manager: «Irgend etwas Grösseres mit Rabatten wird kommen»
Aktualisiert

Interview mit Manor-Manager«Irgend etwas Grösseres mit Rabatten wird kommen»

Auch Manor hat seine Warenhäuser wieder aufgemacht. Was die Kunden jetzt kaufen, wo die Mitarbeiter Masken tragen und wie weit man mit der Standortsuche in Zürich ist, sagt Manor-Retailchef Rolf Boje im Gespräch mit 20 Minuten.

von
Dominic Benz
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 Rolf Boje, Retail-Chef von Manor, sagt im Interview mit 20 Minuten, dass der Lockdown das Unternehmen hart getroffen hat. «Dieses Jahr ist kein gutes Jahr für den Schweizer Non-Food-Detailhandel. Es wird Veränderungen geben.»

Rolf Boje, Retail-Chef von Manor, sagt im Interview mit 20 Minuten, dass der Lockdown das Unternehmen hart getroffen hat. «Dieses Jahr ist kein gutes Jahr für den Schweizer Non-Food-Detailhandel. Es wird Veränderungen geben.»

 Foto: Christoph Läser 
Vor dem Lockdown gab es bei Manor das grosse Aufräumen. So will man sich vom Warenhaus in Bachenbülach trennen. (Archivbild)

Vor dem Lockdown gab es bei Manor das grosse Aufräumen. So will man sich vom Warenhaus in Bachenbülach trennen. (Archivbild)

Foto: Ralph Bensberg
Auch die Supermärkte in Liestal...

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Foto: Eduard Meltzer

Herr Boje, mit welchem Gefühl sind Sie am Montag aufgestanden?

Es fühlte sich an wie bei einer Neueröffnung. Ich war schon kurz vor 5 Uhr wach und war gespannt, ob alles klappen wird und wie die Kunden reagieren werden. Es war ein Mix aus Euphorie und Verantwortungsgefühl gegenüber unseren Kunden.

Wie klappt das Sicherheitskonzept in den Läden?

Wir hatten ja schon Erfahrungen im Food-Bereich gemacht. Die Behörden führen jetzt in den wiedereröffneten Non-Food-Bereichen Kontrollen durch. Bis jetzt ist das Feedback hervorragend.

Welche Massnahmen gibt es?

An den Eingängen und in den Etagen gibt es Spender mit Desinfektionsmitteln. Die Ein- und Ausgänge sind klar gekennzeichnet. Auch sonst sind die Wege bei den Kassen und Umkleidekabinen klar markiert. Jede zweite Kabine ist nicht benutzbar. Zudem überwachen wir die Kundenfrequenzen wegen der Zutrittsbeschränkungen elektronisch.

Tragen die Mitarbeiter Masken?

Sie können, müssen aber nicht. Bei längeren Beratungsgesprächen etwa in der Parfüm- oder Schmuckabteilung trägt das Personal freiwillig immer Masken. Den Kunden werden keine Masken angeboten. Das ist eine private Entscheidung.

Gab es Warteschlangen vor den Eingängen?

Nein. Es fühlte sich fast so an wie an einem normalen Montag. Mit der Kundenfrequenz bin ich aber zufrieden. Unsere schlimmsten Befürchtungen, dass gar keine Leute kommen würden, sind zum Glück nicht eingetreten. Es ist insofern ein Start mit einem leichten Durchatmen.

Kann Manor die durch den Lockdown verloren gegangenen Umsätze kompensieren?

Wir hatten fast 8 Wochen geschlossen. Das können wir nicht ganz kompensieren. Bei den Kunden wird es aber sicher einen leichten Nachholeffekt geben. Wie gross dieser sein wird, wird sich zeigen.

Auf welche Artikel stürzten sich die Kunden zuerst?

Gefragt waren vor allem Damenbekleidung und Produkte aus der Parfümerie sowie der Kinder- und Spielwarenabteilung.

Viele Geschäfte haben jetzt Preisreduktionen. Gibts auch bei Manor die grosse Rabattschlacht?

Nein. Wir haben aber punktuell Rabatte zwischen 20 und 30 Prozent, etwa in der Kinder, Home- oder Fashionabteilung. Wir hoffen, dass wir so Artikel aus dem Frühjahr verkaufen können. Die Bestände in den Lagern sind hoch, darum sind Rabatte auch für uns ein Thema. Irgend etwas Grösseres wird kommen.

Experten befürchten, dass Unternehmen ihre Kollektionen, die sie nun nicht verkaufen konnten, in den Müll werfen. Was macht Manor?

Wir werfen nichts weg. Manor ist ein verantwortungsbewusstes Warenhaus. Wir haben noch nie Kleider weggeworfen und werden es auch künftig nicht tun. Wir werden andere Lösungen finden, um liegen gebliebene Ware wegzubringen. Entweder gibt es grosse Rabatte oder wir geben sie weiter zu wohltätigen Zwecken.

Vor der Corona-Krise hat Manor Mitarbeiter entlassen. Gibt es jetzt weitere Kündigungen und Schliessungen?

Das kann ich nicht sagen. Kommen die Kunden, gibt es keine Entlassungen. Das jetzige Umfeld ist eine grosse Herausforderung. Der Lockdown hat auch uns hart getroffen. Dieses Jahr ist kein gutes Jahr für den Schweizer Non-Food-Detailhandel. Es wird Veränderungen geben. Wir werden neue Formate eröffnen, aber es wird auch Ladenschliessungen geben.

Haben Sie schon einen neuen Standort für den ehemaligen Vorzeigeladen an der Zürcher Bahnhofstrasse gefunden?

Wir sind mit Hochdruck daran. Das heisst aber nicht, dass wir schon etwas gefunden haben. Wir greifen zu, sobald sich die Möglichkeit bietet. Wir sind in Gesprächen. Wie lange diese dauern, wissen wir nicht. Sicher ist: Unser Interesse am Standort Zürich ist gross.

Im Lockdown boomte der Onlinehandel. Wie sieht die Internet-Strategie von Manor aus?

Unser Webshop ist für unsere Warenhausstrategie elementar. Das Angebot werden wir ausweiten. Wir haben das grösste Sortiment im Schweizer Handel. Wir versuchen die Online-Akzeptanz bei den Kunden weiter zu erhöhen. Damit sind wir erfolgreich. Unser Online-Geschäft ist im dreistelligen Prozentbereich gewachsen.

Im Shopville des Zürcher Hauptbahnhofs gibt es seit Anfang Jahr einen Click & Collect Shop. Kommt das Konzept bei den Kunden an?

Im Lockdown mussten wir ihn schliessen. Ab sofort ist er wieder offen. Erste Bestellungen sind bereits wieder eingetroffen. Allgemein wird der Shop rege genutzt. Die Performance war deutlich über unserer Erwartung. Wir werden das Konzept sicher ausbauen und auch an anderen Standorten anbieten.

*Rolf Boje ist Retail-Chef beim Warenhaus Manor.

Warenhaus

Das ist Manor

Das Unternehmen Manor mit Hauptsitz in Basel ist in der Schweiz der grösste Betreiber von Warenhäusern. Der Marktanteil beläuft sich hier auf rund 60 Prozent. Insgesamt gibt es 59 Standorte. Hinzu kommen 31 Food-Supermärkte und 27 Manor-Restaurants. Manor beschäftigt im ganzen Land 9100 Mitarbeiter. Laut eigenen Angaben führt das Unternehmen über eine Million Artikel von rund 2800 Lieferanten aus der ganzen Welt.

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