Basel: Begrünte Brunnen – «Es wird heiss und ihr macht so einen Mist»
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BaselBegrünte Brunnen – «Es wird heiss und ihr macht so einen Mist»

In Basel wundert man sich: Vier beliebte Trinkwasserbrunnen führen kein Wasser, sondern Salat. Auf Social Media wird die Aktion zerrissen. Das steckt dahinter. 

von
Tanya Vögeli
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Am Barfüsserplatz, aber auch auf dem Münsterplatz, am Spalenberg und auch auf dem Rümelinsplatz fliesst in den Brunnen kein Wasser mehr. Stattdessen wachsen darin Kräuter, Salat und Blumen.

Am Barfüsserplatz, aber auch auf dem Münsterplatz, am Spalenberg und auch auf dem Rümelinsplatz fliesst in den Brunnen kein Wasser mehr. Stattdessen wachsen darin Kräuter, Salat und Blumen.

StadtKonzeptBasel
In Basler Facebook-Gruppen werden Blumentopf-Brunnen regelrecht verissen.

In Basler Facebook-Gruppen werden Blumentopf-Brunnen regelrecht verissen.

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 Die Brunnen trocken gelegt hat das Stadtraum-Festival «Flâneur», das von Stadtkonzept Basel lanciert wurde.

Die Brunnen trocken gelegt hat das Stadtraum-Festival «Flâneur», das von Stadtkonzept Basel lanciert wurde.

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Darum gehts 

In Basel wundert man sich. Am Barfüsserplatz, aber auch auf dem Münsterplatz, am Spalenberg und auch auf dem Rümelinsplatz fliesst in den Brunnen kein Wasser mehr. Stattdessen wachsen darin Kräuter, Salat und Blumen. Nicht alle scheinen sich an dieser Aktion zu erfreuen. In Basler Facebook-Gruppen werden Blumentopf-Brunnen regelrecht verissen (siehe Bildstrecke).

«Ich finde das echt dämlich. Pflanzt lieber mehr Bäume aber lasst doch die Brunnen Brunnen sein», beschwert sich eine Userin. Ein anderer moniert, dass der Bevölkerung damit eine beliebte Bademöglichkeit im Sommer genommen wird. «Ein Schelm, wer Böses denkt, genau in dieser Zeit wurden die Brunnen immer beliebter, um sich darin abzukühlen. Das wird so jetzt unterbunden und für was genau», regt sich der Basler auf. Jemand anders bemängelt, dass durch «diese Furzidee» den Vögeln in der Stadt in der heissesten Zeit das Trinkwasser weggenommen werde. «Es wird heiss und ihr macht so einen Mist. Weiss die Reigerung eigentlich, was sie da anstellt?», fragt die erboste Stadtbewohnerin.

Nur: Die Regierung hat damit gar nichts zu tun. Die Brunnen trocken gelegt hat das Stadtraum-Festival «Flâneur», das von Stadtkonzept Basel lanciert wurde. «Wir wollen den Blickwinkel auf Basel ändern und allen Baslerinnen und Baslern zeigen, wie vielseitig und wunderschön unser Basel ist», erklärt Geschäftsführer Mathias F. Böhm. Die Brunneninszenierung ist Teil des Festivals, das von Juni bis September andauert. Das Ziel des Festivals sei, den Menschen ein positives Lebensgefühl zu vermitteln.

«Es ist nicht normal, überall Trinkwasser zur Verfügung zu haben»

Mathias F. Böhm, Stadtkonzept Basel

Dabei werden pro Monat des Festivals vier Basler Trinkwasserbrunnen zu Blumenbeeten umfunktioniert. Die Kritik auf Social Media nimmt Böhm zur Kenntnis. Er betont: «Es ist nicht normal, immer und überall Trinkwasser zur Verfügung zu haben, es ist eine grosse Qualität unserer Stadt und manchmal braucht es eine kreative Umgestaltung, damit einem dies bewusst wird», so Böhm. 

Hinter dem Unterhalt eines Brunnen steckt viel Arbeit. Mit Wasserproben überwachen die Industriellen Werke Basel regelmässig die Qualität des Trinkwassers und die Brunnmeister sorgen dafür, dass die Brunnentröge sauber sind. Dies wird auch bei begrünten Brunnen ab Juli wieder der Fall sein. Dafür werden dann vier andere Brunnen zur Bepflanzung trocken gelegt. So soll das weitergehen bis im September.

Die Brunnen sind nicht ganz gefüllt mit Erde, sondern Füllmaterial und einer 20-Zentimeter-Schicht Erde für die Pflanzen. Nach einem Monat wird das Beet dann vom einen zum nächsten Brunnen gebracht. «Wenn der Salat reif ist oder jemand für sein Saltimbocca etwas Salbei vom Münsterbrunnen nehmen möchte, ist das erlaubt und sogar erwünscht», ermutigt Böhm. 

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