Neue Zahlen zu Permafrost - Es wird immer wärmer im ewigen Eis der Gletscher
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Neue Zahlen zu PermafrostEs wird immer wärmer im ewigen Eis der Gletscher

Forscher messen seit Jahrzehnten die Temperaturen im Permafrost. 2020 verzeichnen sie einen Rekord. Das könnte dazu führen, dass sich Naturkatstrophen in Zukunft häufen.

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Für die Schweizer Gletscher war der letzte Messzeitraum von Herbst 2019 bis Herbst 2020  in hohen Lagen der wärmste, der bisher in der Schweiz registriert wurde.

Für die Schweizer Gletscher war der letzte Messzeitraum von Herbst 2019 bis Herbst 2020 in hohen Lagen der wärmste, der bisher in der Schweiz registriert wurde.

20min/Fabienne Naef
Das führte dazu, dass es auch in den oberen und unteren Eisschichten der Gletscher wärmer wird.

Das führte dazu, dass es auch in den oberen und unteren Eisschichten der Gletscher wärmer wird.

20min/Nicolas Saameli
Das Netzwerk Permos forscht seit über 20 Jahren zu Themen wie der Gletscherschmelze. 

Das Netzwerk Permos forscht seit über 20 Jahren zu Themen wie der Gletscherschmelze.

Permos/N.Bühler

Darum gehts

  • Die Temperaturen in den Eisschichten der Schweizer Gletscher steigen weiterhin an.

  • 2020 ist laut Forschern ein Rekordjahr, auch in den Schichten des ewigen Eises wird es wärmer.

  • Dies könnte dazu führen, dass Naturkatastrophen, wie der Bergsturz in Bondo, in Zukunft öfters vorkommen könnten.

Für die Schweizer Gletscher war der letzte Messzeitraum von Herbst 2019 bis Herbst 2020 in hohen Lagen der wärmste, der bisher in der Schweiz registriert wurde. Die Temperaturen im Winter lagen um über ein Grad Celsius über dem Schnitt der letzten Jahre und es folgte ein warmer Frühling und heisser Sommer.

Das führte dazu, dass es auch in den oberen und unteren Eisschichten der Gletscher wärmer wurde. Die nahe der Oberfläche gemessenen Bodentemperaturen waren Ende September 2020 in der Nähe oder sogar über den bisherigen Rekordwerten aus den Jahren 2003, 2015 und 2018.

Mischung aus Eis und Schutt wandert schneller

Auch in den tiefen Schichten der Gletscher, in der das Eis ewig gefroren bleiben sollte, zeigten Messungen, dass es dort zunehmend wärmer wird. Das Schweizer Monitoring-Netzwerk für Permafrost Permos forscht seit über 20 Jahren an Gletschern. Ihren Messungen zufolge auf dem Stockhorn-Plateau oberhalb Zermatt (VS) zum Beispiel hat die Permafrost-Temperatur in 20 Metern Tiefe in 20 Jahren um etwa 0,8 Grad Celsius zugenommen, im Blockgletscher Murtèl-Corvatsch im Oberengadin sind es plus 0,5 Grad innerhalb von zehn Jahren .

Das führt unter anderem dazu, dass Blockgletscher schneller zu wandern beginnen. Blockgletscher sind eishaltige Schuttmassen im Hochgebirge, die sich talwärts bewegen. Sie waren im Vergleich mit 2019 gut 20 Prozent schneller unterwegs. Auch das ist ein neuer Rekordwert.

Murgänge vermehrt möglich

Das könnte dazu führen, dass es in Zukunft vermehrt zu Naturkatstrophen wie grossen Murgängen kommen kann. Dies vermutet auch Jeannette Nötzli, Leiterin des Permafrostnetzwerkes. «Es kann sein, dass mehr Material da ist, das mit beispielsweise einem Gewitter in Murgängen weitertransportiert werden könnte», sagt sie gegenüber «SRF».

Der Niedergang in Bondo im August 2017 zum Beispiel gilt als einer der grössten Bergstürze in Graubünden während Jahrzehnten und forderte acht Menschenleben.

(pco)

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