Reaktionen zum Tod von RBG: «Es wird keine mehr wie sie geben»
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Reaktionen zum Tod von RBG«Es wird keine mehr wie sie geben»

Die US-Justiz-Ikone Ruth Bader Ginsburg erlag am Freitag einem Krebsleiden. Ihr Tod löste viele Reaktionen aus. Zudem wird bereits über ihre Nachfolge am Supreme Court gestritten.

von
Jeremias Büchel

Ruth Bader Ginsburg war an Krebs erkrankt.

Video: 20 Minuten

Darum gehts

  • Die bekannte Richterin vom US Supreme Court, Ruth Bader Ginsburg, ist am Freitag an einem Krebsleiden verstorben.
  • Ruth Bader Ginsburg galt als Vorreiterin für Frauenrechte und vertrat liberale Positionen.
  • Ihr Tod löste viele Reaktionen aus.
  • Ihr letzter Wille war, dass ihre Nachfolge vom nächsten US-Präsidenten bestimmt wird.

Am Freitag (US-Zeit) verstarb im Alter von 87 Jahren die Richterin Ruth Bader Ginsburg an den Folgen einer Krebserkrankung. Das teilte das Gericht in Washington mit. Sie starb demnach im Kreis ihrer Familie.

Mit Ruth Bader Ginsburg ist mehr als nur eine Richterin des obersten Gerichtshof gestorben. Bader Ginsburg war eine Ikone, eine Legende. Zumindest bei den Liberalen in den USA. Sie hat sich unermüdlich für ihre Werte eingesetzt. Dafür wurde die Liberale auch von Konservativen respektiert. So gab es etwa bei der Nominierung durch den Senat nur drei Gegenstimmen, obwohl bekannt war, dass sie beispielsweise alles andere als eine Abtreibungsgegnerin war. Vorgeschlagen wurden Bader Ginsburg vom damaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Dieser würdigte Bader Ginsburg als eine grossartige Richterin und eine wundervolle Person – eine brillante Juristin mit einem einfühlsamen Herzen, gesundem Menschenverstand, einer leidenschaftlichen Hingabe für Fairness und Gleichheit sowie einer grenzenlosen Tapferkeit im Angesicht ihrer eigenen Widrigkeiten.

Auch Hillary Clinton äusserte sich zum Tod der Richterin. Sie habe den Weg für sehr viele Frauen frei gemacht, inklusive Hillary. Es werde wohl keine mehr wie sie geben.

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«Unsere Nation hat eine Juristin von historischer Statur verloren»: Ruth Bader Ginsburg ist tot.

«Unsere Nation hat eine Juristin von historischer Statur verloren»: Ruth Bader Ginsburg ist tot.

KEYSTONE
Ginsburg war als Vorreiterin für Frauen- und Bürgerrechte bekannt. Ihr Leben und Wirken ist Gegenstand mehrerer Filme und Bücher. Viele Liberale feiern sie als Ikone. Ihr Gesicht findet sich auf Souvenirs und als Graffiti an Hausfassaden.

Ginsburg war als Vorreiterin für Frauen- und Bürgerrechte bekannt. Ihr Leben und Wirken ist Gegenstand mehrerer Filme und Bücher. Viele Liberale feiern sie als Ikone. Ihr Gesicht findet sich auf Souvenirs und als Graffiti an Hausfassaden.

KEYSTONE
Donald Trump bezeichnete Ginsburg als «Titanin des Rechts». Der US-Präsident könnte nun noch vor der Präsidentschaftswahl im November einen Kandidaten für die Nachfolge im Supreme Court bestimmen.

Donald Trump bezeichnete Ginsburg als «Titanin des Rechts». Der US-Präsident könnte nun noch vor der Präsidentschaftswahl im November einen Kandidaten für die Nachfolge im Supreme Court bestimmen.

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Auch Ex-Präsident Barak Obama bewegt der Tod von Bader Ginsburg. «Als zweite Frau, die jemals ins höchste Gericht des Landes ernannt wurde, war sie eine Kriegerin für die Gleichberechtigung der Geschlechter – und jemand, der glaubte, dass gleiches Recht vor dem Gesetz nur dann einen Sinn ergibt, wenn das für jeden einzelnen Amerikaner gilt.»

Obama verweist auch darauf hin, dass Bader Ginsburg ein unerschütterliches Vertrauen in die Demokratie und ihre Ideale hatte. Und dass sie Anweisungen gab, wie ihr Erbe gewürdigt werden soll. Damit meint er wohl auch, dass sie sich wünschte, dass die Nomination ihrer Nachfolge von neu gewählten Präsidenten erfolgen solle.

Wird Bader Ginsburgs letzter Wille von Politikern missachtet?

Es gibt denn diesbezüglich bereits Polemik. Da es sich um ein sehr wichtiges Amt handelt, öffnen sich bereits politische Grabenkämpfe. Die Richter für den Supreme Court werden jeweils auf Lebenszeit gewählt. Laut der Enkelin soll Bader Ginsburg wenige Tage vor ihrem Tod gesagt haben, es sei ihr «inbrünstigster Wunsch ist, dass ich nicht ersetzt werde, bis ein neuer Präsident im Amt ist».


Die Republikaner haben bereits angekündigt, dass sie wohl nicht so lange warten werden. «Der von Präsident Trump nominierte Kandidat wird eine Abstimmung im Senat der Vereinigten Staaten bekommen», teilte Mehrheitsführer Mitch McConnell wenige Stunden nach Ginsburgs Tod mit.


US-Präsident Donald Trump äusserte sich aktuell noch nicht zu einer möglicher Nachfolge. Im August sprach er sich jedoch für eine rasche Nachbesetzung aus, möglicherweise noch in seiner aktuellen Amtszeit. Die Präsidentenwahl ist am 3. November, die Vereidigung von Trump oder dem demokratischen Herausforder Joe Biden am 20. Januar 2021. Biden sprach sich klar für die Nomination in der nächsten Amtszeit aus: «Ohne Zweifel sollten die Wähler den Präsidenten aussuchen, und der Präsident sollte den Richter dem Senat vorschlagen», so Biden.

Biden zur Nachfolge von Ruth Bader Ginsburg.

Kurz nach dem Tod Bader Ginsburgs hat Trump diese als «Titanin des Rechts» gewürdigt. Mit ihren Urteilen unter anderem zur Gleichberechtigung von Frauen und Menschen mit Behinderungen habe sie «alle Amerikaner und Generationen grossartiger juristischer Denker inspiriert»

Die Betroffenheit bei der Bevölkerung ist gross, wie ein Tweet von SRF-Korrespondent Thomas von Grünigen zeigt.

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Vor dem Supreme Court in Washington versammeln sich viele Trauernde. 

Vor dem Supreme Court in Washington versammeln sich viele Trauernde.

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Auch dieses Paar trauert um Ruth Bader Ginsburg.

Auch dieses Paar trauert um Ruth Bader Ginsburg.

KEYSTONE
Für viele war sie eine Heldin. 

Für viele war sie eine Heldin.

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Ruth Bader Ginsburg galt als Prominenteste der neun Richter am Supreme Court und war auch bei der Bevölkerung beliebt. Sie setzte sich für Frauen- und Bürgerrechte ein und war oft an der Seite derer, die kaum eine Stimme hatten. Sie verstarb am Freitag an den Folgen eines Krebsleidens.

Supreme Court

Das Oberste Gericht der USA hat eine prägende Rolle für die Ausrichtung der Vereinigten Staaten und verhandelt über hoch umstrittene Themen wie Abtreibung, Waffenrecht, Gleichberechtigung und Einwanderung. Nicht selten haben die neun Richter das letzte Wort in Auseinandersetzungen um weichenstellende Gesetze und Verfügungen. Die gefällten Entscheidungen sind häufig von landesweiter Bedeutung und prägen die Auslegung von Gesetzen an unteren Gerichten über Jahre, teils Jahrzehnte.

(SDA)

(SDA)

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