Aktualisiert 24.07.2018 08:57

Sommerfahrplan«Es wird künftig noch mehr Baustellen geben»

Die SBB zieht ein positives Fazit zu ihrem Sommerfahrplan. In Zukunft müssen sich Pendler auf noch mehr Unterbrüche gefasst machen.

von
Stefan Ehrbar

Linus Looser, Leiter Verkehrsmanagement SBB Personenverkehr, zu den negativen Auswirkungen des Sommerfahrplans und ausbleibenden Entschädigungen. (Video: ehs)

Die SBB ist zufrieden mit ihrem Sommerfahrplan. Obwohl Zehntausende Pendler von Streckenunterbrüchen, Fahrten mit Ersatzbussen und längeren Reisezeiten betroffen sind, zieht die Bahn ein positives Zwischenfazit. Der Betrieb verlaufe «störungsfrei und stabil», die «umfassende Kundeninformation im Vorfeld» habe sich bewährt, und die durchschnittlich 80 Reklamationen pro Tag seien unter den Erwartungen, teilten die Verantwortlichen am Montag mit.

Linus Looser, Leiter des Verkehrsmanagements bei SBB Personenverkehr, begründet den Sommerfahrplan mit 30 grösseren und drei «riesigen» Baustellen. «Wir haben uns entschieden, diese zusammenzuziehen, um in kürzerer Zeit grössere Fortschritte zu erzielen. So sind wir sehr viel schneller und können etwa 30 Prozent günstiger bauen», sagt er zu 20 Minuten.

Jeden Tag 50'000 Betroffene

In den Sommerferien seien weniger Leute unterwegs. Deshalb sei diese Zeit ideal. Vom Sommerfahrplan sind laut Looser 50'000 Personen täglich betroffen – 13'000 in der Westschweiz, 24'000 zwischen Olten und Basel und etwa 17'000 in St. Gallen.

Der Sommerfahrplan stosse bei den Pendlern auf erstaunlich viel Verständnis, sagt Karin Blättler, Präsidentin von Pro Bahn. Für Reisende mit Gepäck sei er zwar unangenehm, die Einschränkungen schienen aber vertretbar. Die Arbeiten seien gut organisiert, die Kommunikation funktioniere. Sollte der Sommerfahrplan auch in Zukunft Bestand haben, müssten Entschädigungen aber für alle unabhängig vom Besitz eines Smartphones gewährt werden, sagt Blättler. Ob das Angebot im Sommer auch künftig eingeschränkt wird, will die SBB später im Jahr entscheiden.

Rückstand wächst weiter an

Der Rückstand beim Unterhalt der SBB-Infrastruktur wächst immer weiter an. Ende des letzten Jahres betrug er laut SBB-Zahlen 5,3 Milliarden Franken – noch einmal 0,4 Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor. Erst ab dem Jahr 2020 rechnet die SBB mit einer Stabilisierung. Dann erst könnte die Bahn beginnen, ihren Rückstand abzubauen.

Die Gründe sind vielfältig. Einerseits wurde die Infrastruktur in der Vergangenheit «kurativ» gewartet. Schäden wurden dann behoben, wenn sie auftauchten. Nun geht die SBB zum «präventiven» Unterhalt über. Langfristig führt das zu einer längeren Lebensdauer der Infrastruktur. Kurzfristig heisst es aber, dass die SBB mehr Arbeiten an den Gleisen ausführen muss. Eine Präsentation von SBB Infrastruktur zeigt: Zwischen 1997 und 2012 hatte die Bahn solche Massnahmen deutlich zurückgefahren und weniger investiert als noch im Jahr 1982 – ein Rückstand, der nun aufgeholt werden muss.

Billette werden nicht billiger

Hinzu kommt: Mit neuen Bauwerken wie dem Gotthard-Basistunnel oder dem jetzigen Ausbau in der Westschweiz stossen Infrastrukturbauten zum Netz, die ebenfalls unterhalten werden müssen. Die SBB rechnet damit, dass die Kosten für die Infrastruktur dieses Jahr 50 Prozent höher sind als noch 2007. In neun Jahren dürften sich die Kosten gegenüber 2007 sogar verdoppeln.

«Es wird in Zukunft mehr Baustellen geben», sagt SBB-Verkehrsmanager Looser. «Wir haben nach wie vor Unterhaltsbedarf und investieren in den Angebotsausbau.» Die Gelder dafür habe die Bevölkerung mit der Annahme des Infrastruktur-Fonds Fabi gesprochen. Dass solche Baustellen mit einem Sommerfahrplan günstiger gemacht werden können, bringt betroffenen Pendlern nur wenig. «Die eingesparten Gelder geben wir der öffentlichen Hand zurück», sagt Looser.

2000 Mitarbeiter stehen im Einsatz

Die SBB investiert jedes Jahr rund 2,1 Milliarden Franken in ihr Bahnnetz. Diesen Sommer stehen 30 Grossbaustellen auf 55 Kilometern Fahrbahn an. Dazu benötigt die SBB über 2000 Mitarbeiter, 92'000 Schwellen und 130'000 Tonnen Schotter. Auf dem Schienennetz der SBB sind täglich 1,26 Millionen Menschen unterwegs. Es ist das am meisten genutzte Bahnnetz Europas.

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