Coop-Chef Joos Sutter: «Es wird weitere Preissenkungen geben»
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Coop-Chef Joos Sutter«Es wird weitere Preissenkungen geben»

Coop blickt auf ein schwieriges Geschäftsjahr zurück. Im Interview mit 20 Minuten spricht Coop-Chef Joos Sutter über Markenartikel, Siroop und Wasserstofftankstellen.

von
F. Lindegger

Herr Sutter, Coop führt viele Markenprodukte im Sortiment. Die Vergleichbarkeit mit den Preisen im Ausland ist dabei viel einfacher ist als bei Eigenmarken. Wäre es nicht einfacher, stärker auf Eigenmarken zu setzen?

Die Stärke von einem Supermarkt ist, dass man ein breites Sortiment hat. Dazu gehören auch Markenartikel. Wir haben 2015 die Preise von 16'000 Marken- und Eigenmarkenartikeln gesenkt und wir werden auch künftig die Preise senken. Aber die Vielfalt der Produkte ist zentral für Coop und darauf wollen wir auch in Zukunft setzen.

Der Einkaufstourismus setzte im letzten Jahr auch Coop zu. Bleibt das 2016 so?

Das Thema Einkaufstourismus wird uns noch eine Weile beschäftigen. Es ist nicht einfach nur kurzfristiger Trend. Der Einkaufstourismus ist heute eine Konkurrenz, wie die übrigen Konkurrenten auf dem Schweizer Markt auch.

Sie haben 2015 in den Supermärkten die Preise um über 200 Millionen Franken gesenkt. Geht das in diesem Jahr so weiter?

Die Preise werden auch in diesem Jahr ein wichtiges Thema bleiben – abgesehen vom Eurokurs. Wir haben 2016 bereits erste Preise dauerhaft gesenkt und es wird noch weitere Preisabschläge geben. Wie hoch diese insgesamt sein werden, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden.

Coop setzt stark auf Labels wie Naturaplan, Max Havelaar oder Pro Specia Rara, die eher teurer sind. Gleichzeitig achten viele Kunden sehr stark auf die Preise. Birgt das nicht Gefahren?

Wir möchten unsere gesamte Kundschaft ansprechen. Vom Preissensitiven bis zu jenem, der etwas weniger auf den Preis schaut. Aber auch bei Bio-Produkten muss das Verhältnis von Preis und Leistung stimmen. Heute haben die Kunden im gleichen Einkaufskorb sowohl Prix-Garantie-Produkte als auch Slow-Food-Artikel. Wir wollen unseren Kunden eine möglichst grosse Wahlfreiheit bieten.

Im letzten November lancierte Coop zusammen mit der Swisscom den Online-Marktplatz Siroop. Wie ist der Shop gestartet?

Wir sind mit Siroop bisher sehr zufrieden. Wir haben uns im letzten November für die Lancierung vorerst in der Region Bern entschieden. In dieser Pilotphase haben wir sehr viel Feedback erhalten und vieles gelernt. Und: Wir machen auch schon einigen Umsatz.

Was heisst das Konkret?

Zahlen zu Siroop kommunizieren wir noch nicht. Wir starten ja auch erst in diesem Jahr national.

Coop weiss dank der Supercard sehr viel über seine Kunden. Gleichzeitig wird der Online-Handel immer wichtiger. Gibt es Pläne, diese Daten für individuelle oder dynamische Preise zu nutzen?

Nein. Wir haben nicht vor, die Preise individuell oder dynamisch zu gestalten.

Sie planen, im Oktober eine erste Wasserstofftankstelle zu eröffnen. Was hat es damit auf sich?

Unser Vision sieht eine schweizweite Abdeckung mit Wasserstofftankstellen vor. Das geschieht natürlich Schritt für Schritt aber es gibt bereits zwei, drei weitere Standorte, die in Planung sind. Es ist wichtig, dass wir solche innovative Projekte bei Coop umsetzen können – auch um neues Wissen anzueignen. Wir sind zudem mit einem Partner daran, einen Lastwagen zu entwickeln, der mit Wasserstoff betrieben wird. Später werden wir einen Teil unserer Flotte auf Wasserstoff umrüsten.

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