Kevin Schläpfer: «Es wird wieder richtig die Post abgehen»
Aktualisiert

Kevin Schläpfer«Es wird wieder richtig die Post abgehen»

Seit Montagnachmittag ist Kevin Schläpfer (46) nicht mehr Trainer beim EHC Biel. Mit 20 Minuten sprach er über seine Entlassung.

von
Marcel Allemann
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Entlassen: Der EHC Biel trennt sich von Kulttrainer Kevin Schläpfer.

Entlassen: Der EHC Biel trennt sich von Kulttrainer Kevin Schläpfer.

Keystone/Ennio Leanza
Nach einem starken Saisonstart haben die Bieler zuletzt neun von zehn Spielen verloren und sind unter den Trennstrich gerutscht.

Nach einem starken Saisonstart haben die Bieler zuletzt neun von zehn Spielen verloren und sind unter den Trennstrich gerutscht.

Daniela Frutiger
Im Oktober 2015 wäre Schläpfer liebend gerne Nationaltrainer geworden, doch die Seeländer liessen ihn nicht ziehen. Unter Tränen verkündete er, dass er die Nati nicht übernehmen dürfe.

Im Oktober 2015 wäre Schläpfer liebend gerne Nationaltrainer geworden, doch die Seeländer liessen ihn nicht ziehen. Unter Tränen verkündete er, dass er die Nati nicht übernehmen dürfe.

Keystone/Peter Klaunzer

Kevin Schläpfer, sind Sie geschockt?

Ein wenig war ich schon darauf vorbereitet. Nach der Niederlage am Samstag gegen den ZSC sind wir noch zusammengesessen und da habe ich auch mich selbst zum Thema gemacht. Daher wusste ich, als dann das Telefon kam, was es nun wohl geschlagen hat. Aber der Moment war dann trotzdem hart und ein Schock. Doch ich hatte mit dem Verwaltungsrat ein sehr gutes Gespräch. Es ist für alle Beteiligten schwer.

Glauben Sie, dass Sie das Steuer noch hätten herumreisen können?

Das kann ich nicht beantworten, das ist hypothetisch.

Biel war zunächst ja hervorragend in die Saison gestartet. Was ist danach geschehen?

Das Problem war, dass wir danach zwei, drei Spiele verloren haben und einige Panik bekamen, dass dasselbe wie in der letzten Saison geschehen würde, wo wir am Ende in den Playout-Final mussten. Das war nicht mehr aus den Köpfen rauszubringen und war wohl entscheidend. Deshalb kann ich diesen Entscheid des Verwaltungsrates auch nachvollziehen.

Ihr Untergang begann, als Sie vor einem Jahr nicht Nati-Trainer werden durften. Einverstanden?

Ja, ich denke auch, dass ich nun die Zeche für diese Nati-Geschichte bezahle. Ich wollte damals die Werte leben, die mir wichtig sind. Anständig bleiben und meinen Vertrag einhalten, aber gleichzeitig auch ehrlich sein. Aber seither läuft der Puck nicht mehr für mich. Im Sommer war ich wieder voller Energie und Tatendrang. Doch dann kam dieser Unfall, der mich zwei Monate an den Rollstuhl fesselte und dafür verantwortlich ist, dass ich noch heute Stöcke brauche. Ich liess mir zwar nichts anmerken, aber dass ich das Training nicht auf dem Eis leiten konnte, sondern nur von Ausserhalb, war ein Mist.

Ich behaupte: Sie haben es auch übertrieben bei der Kaderzusammenstellung, hatten zu viele schwierige Spieler im Kader.

Vielleicht ist das so. Aber dazu möchte ich mich eigentlich nicht äussern.

Wie geht es nun mit Ihnen weiter? Sie bleiben doch Eishockey-Trainer?

Aber sicher, Eishockey ist meine Passion. Ich werde mich nun aber zunächst mal richtig von meinem Unfall erholen und die Batterien wieder aufladen. Anschliessend werde ich eine neue Herausforderung suchen und dann wird auch wieder richtig die Post abgehen!

Dafür, dass Sie erst vor ein paar Stunden entlassen wurden, wirken Sie gar nicht so niedergeschlagen...

Vielleicht liegt dies daran, dass ich zuvor noch nie entlassen wurde. Als ich vor 11 Jahren in der NLB als Sportchef zu Biel kam, konnte ich doch nicht davon ausgehen, dass ich solange hier bleiben werde. Wir haben alles geschafft, was wir damals angestrebt haben. Doch jetzt ist diese Ära zu Ende gegangen und es kommt ein neues Kapitel. Ich gehe erhobenen Hauptes.

Was machen Sie am Dienstagabend? Eishockey schauen?

Nein, den werde ich mit meiner Lebenspartnerin verbringen. Ich werde aber sicher die Resultate verfolgen und mir auch schon bald wieder Spiele anschauen. Das geht bei mir ja gar nicht anders. Ich freue mich nun aber auch darauf, die Weihnachtszeit geniessen zu können. Gross verreisen werde ich nicht, da meine Kinder schulpflichtig sind.

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