Weil am Rhein (D): «Es zeichnet sich eine Überschweizerung ab»
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Weil am Rhein (D)«Es zeichnet sich eine Überschweizerung ab»

Die Bürger von Weil am Rhein (D) haben sich für das geplante Shopping-Center ausgesprochen. Der Einkaufstourismus dort könnte die Preise in die Höhe treiben.

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jd/mak
Am Sonntag konnten die Weiler per Bürgerentscheid über den Bau eines Shoppingcenters mitreden.

Am Sonntag konnten die Weiler per Bürgerentscheid über den Bau eines Shoppingcenters mitreden.

Am Sonntag waren die Einwohner im Deutschen Weil am Rhein nahe Basel dazu aufgerufen, über den Bau eines Einkaufscenters mitten in der Stadt abzustimmen. Auf 16'500 Quadratmeter Fläche sollen nebst 60 Läden und Gastrobetrieben ein Parkhaus mit 550 Plätzen entstehen. 70 bis 85 Millionen Euro soll der Bau kosten.

«Unnötig, teuer und zu gross», liessen kritische Stimmen im Vorfeld verlauten. Während viele deutsche Bewohner der Grenzstadt eine Zunahme des Verkehrschaos am Zoll, überfüllte Trams und Strömen von Schweizer Einkaufstouristen fürchteten, war auch der Schweizer Detailhandel nicht erpicht auf neue Konkurrenz «änned dr Gränze».

Mit 4'647 zu 3'060 Stimmen wurde die «Dreiländergalerie» per Bürgerentscheid am Sonntag aber von den Weilern akzeptiert. Das Quorum von 25 Prozent, die es für die Gültigkeit einer Abstimmung in Weil am Rhein braucht, wurde aber verfehlt. Das bedeutet, dass der Weiler Gemeinderat am 28. Juli selber über den Bau der Mall entscheiden wird.

Shopping wird Ende 2018 eröffnet

«Ich kann dem Entscheid des Gemeinderats nicht vorgreifen», sagt Christoph Huber, Bürgermeister von Weil am Rhein. «Jedoch hat der Gemeinderat dem Projekt zugestimmt und wird wohl der Mehrheit der Wähler folgen.» Bereits am Dienstag findet eine Kick-Off-Veranstaltung der Behörden mit den Verantwortlichen der Investorengruppe Cemagg statt.

«Wir können viele rechtliche Verfahren gleichzeitig bewältigen, deshalb bin ich überzeugt, dass das Shopping-Center bis Ende 2018 in Betrieb gehen kann», so Huber. Enttäuscht ist der Bürgermeister einzig über die geringe Wahlbeteiligung der Weiler.

Shopping könnte Deutschen schaden

Für Hansjörg Wilde, Gemeindepräsident von Riehen, war die Realisierung des Projekts bereits klar und deshalb kein Schock. «Ich finde das Gesamtprojekt, so wie es die Weiler wollen, eigentlich noch stimmig.» Erfreut darüber ist er trotzdem nicht. «Wir können allerdings wenig dagegen ausrichten. Schlussendlich ist es der Kunde, der entscheidet, wo er einkaufen geht und nicht die Politik.»

Auch beim Basler Gewerbeverband hat man ein Zustandekommen des Shoppings erwartet. «Das Projekt ist aber in Deutschland nicht unumstritten», sagt Patrick Erny, Projektleiter Politik beim Basler Gewerbeverband. «Es zeichnet sich eine ‹Überschweizerung› im süddeutschen Raum ab, was zu Preiserhöhungen führt. Nur steigen die deutschen Löhne nicht.» Auch Hansjörg Wilde weiss, dass bereits heute Lörracher in den Norden fahren um einzukaufen, da die Preise in Grenznähe gestiegen sind.

Aus Sicht des Basler Gewerbes hofft man auf einen Kannibalisierungseffekt durch das Shopping. «Wenn sich das Angebot im gleichen preislichen Segment befindet, wie andere Anbieter vor Ort, wird die Konkurrenz eher lokal sein», so Erny. «Das würde die Situation für den Schweizer Detailhandel nicht verbessern, aber zumindest auch nicht verschlechtern.»

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