Wasserverschmutzung in Luzern: «Es zeigten sich offensichtliche Mängel in der Krisenkommunikation der EWL»

Aktualisiert

Wasserverschmutzung in Luzern«Es zeigten sich offensichtliche Mängel in der Krisenkommunikation der EWL»

Über zehn Tage hatte ein grosser Teil Luzerns kein sauberes Trinkwasser. Der Versorger EWL hat die Bewohner aber erst sehr spät informiert. Zu spät? Mitte-Politikerinnen fordern Antworten und üben scharfe Kritik. Jetzt reagieren EWL ihrerseits auf die Vorwürfe.

von
Sara Andrea Formentin
1 / 4
Aufgrund der seit knapp einer Woche andauernden Trinkwasserverunreinigung im Quartier Langensand-Matthof stellt die EWL an fünf Standorten Zapfstellen zur Verfügung.

Aufgrund der seit knapp einer Woche andauernden Trinkwasserverunreinigung im Quartier Langensand-Matthof stellt die EWL an fünf Standorten Zapfstellen zur Verfügung.

ewl
Silvana Leasi, die Stadträtin, die die schlechte Kommunikation von EWL in einer Interpellation an den Stadtrat kritisiert hat.

Silvana Leasi, die Stadträtin, die die schlechte Kommunikation von EWL in einer Interpellation an den Stadtrat kritisiert hat.

Silvana Leasi
Trinkwasser vom Wasserhahn.
Aufgenommen am:
23. August. 2021

Trinkwasser vom Wasserhahn.
Aufgenommen am:
23. August. 2021

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

Grosses Gesundheitsrisiko im Quartier Langensand-Matthof

Während an Hitzerekorden gekratzt wurde, kam es Ende Juli in Luzern im Quartier Langensand-Matthof zu einer gesundheitsgefährdenden Verunreinigung im Trinkwasser (20 Minuten berichtete). Obwohl die Kontamination bereits am Freitag, 29. Juli festgestellt wurde, informierte die EWL die Betroffenen erst in der Nacht auf Sonntag, knapp zwei Tage später. So wurden Infoblätter gedruckt und am späten Samstagabend an die Eingänge der Haushalte geklebt. Manche sahen die Warnung deshalb erst am darauffolgenden Tag. Der städtische Energieversorger ging von 600 betroffenen Einheiten und damit circa 1800 Haushalten aus. Andere Gebiete waren nicht betroffen.

Nachdem der Grund für die Verunreinigung auch nach Tagen nicht gefunden wurde, mussten für die betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner eine Woche später Zapfstellen mit sauberem Trinkwasser aufgestellt werden. Entwarnung für die meisten Anwohner gab es dann erst am 9. August. Und dann am 11. August für alle anderen. Über zehn Tage gab es also kein sauberes Trinkwasser in dem Gebiet und viel Unklarheit über die eigentliche Ursache.

Silvana Leasi und Mirjam Fries von der Mitte-Fraktion fordern nun Antworten und kritisieren die Kommunikation der EWL scharf. Sie fassen zusammen, «dass die Kommunikation an die direkt betroffenen Personen spät, wenig transparent und nicht flächendeckend erfolgte. Es zeigten sich offensichtliche Mängel in der Krisenkommunikation der EWL». Nun wollen die Politikerinnen vom Stadtrat wissen, ob hier nicht Handlungsbedarf bestehe. Aber auch, wie Leasi gegenüber 20 Minuten erklärte, welche Lehren gezogen wurden und wie in Zukunft mit solchen kritischen Situationen umgegangen werden soll.

Keine Gewissheit für zukünftige Krisensituationen

«EWL als Unternehmen hätte daran interessiert sein müssen, dass die Bewohner so schnell wie möglich nach der ersten Probe darüber informiert werden, dass sie vielleicht einer allfälligen Kontamination ausgesetzt sind», sagt Leasi. «Man hätte als Vorsichtsmassnahme bereits am Freitag das betroffene Gebiet bzw. die Bewohner des betroffenen Gebietes informieren können. Und im besten Fall am Samstag ‹falscher Alarm› kommunizieren können.»

Aufgrund des Wochenendes und des Feiertages (1. August) seien die Informationen viel zu spät gemeldet worden. «Eine Person, die ich kenne, hat das Schreiben per Zufall im Briefkasten entdeckt und zuerst gedacht, es sei ein Scherz», sagte Leasi. Ausserdem wurde der Dienst Alertswiss, der für die Meldung solcher Notfälle vorgesehen ist, nur durch die Anfrage eines Bürgers bei der Polizei ausgelöst. Die schlechte Kommunikation der EWL sei alles andere als beruhigend, vor allem in Anbetracht einer drohenden Strommangellage: «Ich würde nicht sagen, dass das Vertrauen gerade fehlt, aber es ist gestört. Ich finde das Vorgehen der EWL in der Causa ‹Trinkwasserverschmutzung› doch etwas bedenklich und es gibt mir nicht gerade die nötige Sicherheit», meint Leasi. 

EWL sagt: «Wir haben sofort reagiert und kommuniziert.»

Die Kommunikationsabteilung der EWL will das so nicht stehen lassen: «Es wurden – und es werden in einem solchen Fall – nur gesicherte Informationen publiziert». Die Prüfung der Proben dauere jeweils mindestens 24 Stunden. Diesen Prozess könne man nicht beschleunigen. «Am Freitag, 29. Juli wurden im Rahmen einer routinemässigen Untersuchung des Trinkwassers eine Unstimmigkeit festgestellt. Allerdings war diese Messung noch zu wenig genau, um bereits Massnahmen zu ergreifen», erklären die EWL gegenüber 20 Minuten. Es hätte sich auch um einen Messfehler handeln können. Die EWL schickten die Probe sofort ins Labor, um Unsicherheiten zu klären. 

Die Ergebnisse dieser Laborprobe seien am Samstagabend vorgelegen. Das Resultat des Labors habe die erhöhten Werte aus der Routine-Messung bestätigt. «Darauf haben wir sofort reagiert und kommuniziert. Die Medienmitteilung wurde am Samstagabend verschickt und online aufgeschaltet», verteidigt sich die Kommunikationsstelle der EWL. «Ebenfalls haben wir Samstagnacht Anwohnerschreiben verteilt, sobald wir bestätigte Testergebnisse hatten, sowie die Infos auf unserer Webseite aufgeschaltet.» Bei einer Trinkwasserverunreinigung habe der Informationsbedarf der betroffenen Anwohner Priorität.

«Wir konnten schnell und zielgerichtet kommunizieren», sagt die EWL. Dennoch würde das Unternehmen den Fall nun analysieren und daraus Verbesserungsmassnahmen ableiten.

Hätte die EWL schneller kommunizieren müssen?

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung

2 Kommentare