Ohne Publikumsvoting: ESC-Kandidaten werden im Geheimen vorsortiert
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Ohne PublikumsvotingESC-Kandidaten werden im Geheimen vorsortiert

Das SRF hat das Auswahlverfahren für den Eurovision Song Contest komplett umgekrempelt. Die wichtigsten Vorentscheide fallen unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

von
Martin Fischer
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Rykka mühte sich dieses Jahr im ESC-Finale in Stockholm für die Schweiz mit ihrem Song «Last Of Our Kind» und vielen Kniebeugen ab. Viel gebracht hat es nicht, der Beitrag landete auf dem letzten Platz.

Rykka mühte sich dieses Jahr im ESC-Finale in Stockholm für die Schweiz mit ihrem Song «Last Of Our Kind» und vielen Kniebeugen ab. Viel gebracht hat es nicht, der Beitrag landete auf dem letzten Platz.

Maja Suslin
Gewonnen hat die Ukrainerin Jamala. Hätten Sie es noch gewusst?

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AP/Martin Meissner
Vor ihrem Auftritt in Stockholm setzte sich Rykka in der Entscheidungsshow, die von SRF live zur Samstagabend-Primetime übertragen wurde, gegen ihre Konkurrenten durch. Um in die Show zu kommen, musste sie zuvor das Publikumsvoting überstehen, welches das SRF nun kappt. Eine Fachjury wird bestimmen, wer unter die letzten zehn und somit in die TV-Show kommt, die neu an einem Sonntag ausgestrahlt wird.

Vor ihrem Auftritt in Stockholm setzte sich Rykka in der Entscheidungsshow, die von SRF live zur Samstagabend-Primetime übertragen wurde, gegen ihre Konkurrenten durch. Um in die Show zu kommen, musste sie zuvor das Publikumsvoting überstehen, welches das SRF nun kappt. Eine Fachjury wird bestimmen, wer unter die letzten zehn und somit in die TV-Show kommt, die neu an einem Sonntag ausgestrahlt wird.

Keystone/Walter Bieri

Bereits Mitte Juni hat das SRF die neuen Bedingungen für die Wahl von Song und Künstler, der die Schweiz 2017 am ESC in der Ukraine vertreten wird, verkündet – kaum beachtet von der Öffentlichkeit. Dabei sind grundlegende Änderungen am Verfahren vorgenommen worden.

Neu siebt eine 20-köpfige Fachjury die vielversprechendsten Kandidaten aus, die zum Live-Check antreten dürfen – rund 20 werden das sein. Daraus wiederum werden dann die finalen «sechs bis zehn Acts» erkoren, die in einer TV-Show am 5. Februar 2017 gegeneinander antreten. Ebenfalls neu: Im Schweizer Finale wird zu 100 Prozent das Publikum per Televoting entscheiden, wer letztlich nach Kiew fahren wird.

Vorauswahl ohne Publikumseinfluss

Dennoch: Das ganze Prozedere bis zur Live-Sendung im Februar findet nun komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Quotenregelung nach Sprachregionen ist ebenfalls Geschichte, es ist also künftig egal, wie viele Teilnehmer aus welchen Landesteilen in der Endausscheidung vertreten sind.

Wie hat das SRF die neue Strategie ausgearbeitet? «Der ganze Selektionsprozess ist nach diversen Gesprächen mit RSI, RTS und RTR, verschiedenen Delegationen anderer Länder sowie mit Musikschaffenden in der Schweiz erarbeitet und entsprechend angepasst worden», erklärt SRF-Sprecherin Eva Wismer auf Anfrage.

Der entscheidende Punkt: Man will damit qualitativ hochstehendere Einsendungen begünstigen. «Diverse Feedbacks aus der Musikbranche haben gezeigt, dass qualitativ sehr gute Songs von Interpreten und Komponisten prinzipiell nicht gerne auf eine öffentliche Plattform geladen werden», erklärt Wismer.

«Es macht keinen Sinn, starr an einem Konstrukt festzuhalten»

Das SRF wolle mit dem neuen Verfahren sicherstellen, dass die Schweiz «mit dem besten Song und der besten Stimme ins Rennen um den ESC 2017 steigt. Die Juroren werden aufgrund ihrer ausgewiesenen Fachkompetenz eine Vorauswahl der Songs treffen», wie Reto Peritz, Bereichsleiter Show bei SRF in einer Mitteilung erklärt. In der Jury werden «Produzenten, Personen aus der Musikindustrie, Musiker, Journalisten» sitzen; die Namen würden im Vorfeld kommuniziert.

Dass mit den neuen Regelungen das beliebte Publikumsvoting im Vorfeld der Entscheidungsshow entfällt, überrascht. Und es regt sich bereits leiser Widerstand: So fordern einige User unter dem Hashtag #MakeESCPublicAgain auf Twitter die Wiedereinführung des öffentlichen Vorab-Votings ein.

Eva Wismer sagt: «Der ESC entwickelt sich jedes Jahr weiter. Es macht daher keinen Sinn, starr an einem Konstrukt festzuhalten.» Und sie verweist darauf, dass in der Entscheidungsshow das Publikum das alleinige Sagen hat. «Die Jury wird den Zuschauern im kommenden Februar die qualitativ besten aller Bewerbungen zur Wahl bieten.»

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