Aktualisiert 20.07.2005 16:53

Escor muss abspecken: 62 Stellen weg

Das Schweizer Glücksspielautomaten- Unternehmen Escor kommt immer mehr unter Druck. Weitere 62 Stellen müssen abgebaut werden.

Das neue Spielbankengesetz bringt der Spielautomatenbetreiberin Escor kein Glück. Nach den Spielsalons macht Escor auch ihr Automaten-Aufstellgeschäft in den Restaurants und Bars dicht. Weitere 62 Jobs gehen verloren. Von den 116 Escor-Stellen von Anfang Jahr bleiben nur zwölf übrig.

Zum zweiten Mal innert Monatsfrist wartete die Escor Casinos & Entertainment SA am Mittwoch mit einer Restrukturierung auf. Nach den Spielsalons sind nun die Spielautomaten in den Restaurants an der Reihe. Escor will so rasch wie möglich aus dem Aufstellgeschäft aussteigen und schliesst die Geschäftsstellen im luzernischen St. Erhard und in Münchwilen im Kanton Thurgau. Am Hauptsitz in Düdingen wird der Vertrieb eingestellt.

Durch den Ausstieg aus dem Automatengeschäft ausserhalb der Casinos fallen über 100 Stellen bei Escor weg. Für die Betroffenen gilt ein Sozialplan. Auch das Top-Management bleibt nicht verschont: Marketing-Chef Thomas von Ballmoos und der Chef Operationen, Norbert Mauron, haben beide die Kündigung erhalten. Der Verwaltungsrat soll zudem von sieben auf drei Mitglieder verkleinert werden. Die gesamten Umbaukosten belaufen sich auf bis zu 20 Millionen Franken.

Mit dem seit Anfang April geltenden neuen Spielbankengesetz, das ausserhalb von Casinos nur noch Geschicklichkeitsautomanten erlaubt, seien die Umsätze in der ganzen Branche eingebrochen, sagte Escor-Chef Christian Vollmer. Escor verliere jeden Monaten 1,5 Millionen Franken. Die Massnahmen seien nötig, wolle Escor nicht die Existenz aufs Spiel setzen.

Schuld an der Misere gibt Vollmer der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK). Die Bundesbeamten liessen sich zu viel Zeit bei der Zulassung neuer Automaten. Zudem interpretierten sie das Gesetz zu restriktiv, handelten willkürlich und verstiessen gegen den Willen des Gesetzgebers, lauten Vollmers Vorwürfe. «Man hat uns auf kaltem Weg ausgebootet», sagte er.

Die Automatenbranche fordert, dass die Spiele auch unter dem neuen Gesetz teilweise auf Zufall basieren und eine fixe Auszahlquote garantieren müssten. Ansonsten würden die Automaten entweder von den geschickten Spielern leergeräumt oder links liegen gelassen, weil sie zu schwierig seien. «Heute spielen die Leute nicht mehr», sagte Vollmer.

Die ESBK wies die Forderungen zurück. «Bei Geschicklichkeitsautomaten muss gewährleistet sein, dass geschickte Spieler mehr gewinnen als weniger geschickte und theoretisch sogar immer gewinnen können», sagte ESBK-Direktor Jean-Marie Jordan. Eine garantierte Auszahlungs- und Gewinnquote falle deshalb ausser Betracht.

Missliebige ESBK-Entscheide könnten die Automatenbetreiber vor Bundesgericht anfechten. «Wir sind überzeugt, dass wir nur geltendes Recht umsetzen. Sollte das Bundesgericht aber anderer Meinung sein, werden wir unsere Praxis sofort anpassen», sagte Jordan.

(dapd)

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