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Von Schweizern freigekauftEsel-Dame Seraphina bleibt in Ägypten

Eine Gruppe von Schweizern hat in Ägypten einen misshandelten Esel freigekauft. Nun erzählt die neue Besitzerin, weshalb sie für das Tier gekämpft hat.

von
V. Fehlmann
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Esel-Dame Seraphina wurde in Ägypten von der Schweizer Reiseleiterin Esther Vogt freigekauft.

Esel-Dame Seraphina wurde in Ägypten von der Schweizer Reiseleiterin Esther Vogt freigekauft.

Für Vogt stand fest, dass die Esel-Dame nicht beim Besitzer bleiben kann.

Für Vogt stand fest, dass die Esel-Dame nicht beim Besitzer bleiben kann.

urs Schaerer
Doch dieser blieb stur.

Doch dieser blieb stur.

urs Schaerer

Eine Reisegruppe aus der Schweiz ist in Ägypten auf einen misshandelten Esel gestossen. «Die Tiere dort werden Touristen zur Verfügung gestellt, damit sie nicht zu Fuss gehen müssen», sagt Esther Vogt, die Leiterin der Gruppe. Als sie die Esel-Dame sah, sei ihr sofort aufgefallen, dass es ihr schlecht gehe. Vergeblich versuchte sie den Besitzer dazu zu bewegen, ihr den Esel zu verkaufen. Zwar hatte er 30 Euro von ihr genommen, aber er hatte nicht damit gerechnet, dass Vogt es Ernst meint. Als ihm dies bewusst wurde, habe er sich geweigert, den Esel herauszurücken.

Erst die Polizei konnte helfen, indem sie bei der Einigung vermittelte. «Wir wussten einfach eines: Wir geben dem Peiniger das Tier nicht mehr zurück. Denn bei ihm wäre es weiter gequält worden und schliesslich gestorben», sagt die neue Besitzerin. Die Tierklinik kam in einem Gutachten zu einem ähnlichen Ergebnis: Das Tier hätte nicht mehr lange gelebt. Der Esel war stark unterernährt, hatte zahlreiche Wunden und schwere Sehnenentzündungen an beiden Vorderbeinen.

«Seraphina ist Botschafterin aller gequälten Tiere»

Entgegen lokalen Medienberichten zahlte Vogt nicht 800 Euro, sondern 300, wie sie sagt. «Ich habe den Esel nicht gekauft, um ihn zu besitzen, sondern damit er sich selbst gehört.» Sie taufte die 11-jährige Esel-Dame Seraphina. Das Tier wurde in ein Tierspital in Kairo gebracht, wo es zwei Wochen intensiv gepflegt wurde. Den ursprünglichen Plan, Seraphina in die Schweiz zu holen, hat Vogt mittlerweile aufgegeben: «Die Quarantäne wäre ein zu grosser Stress für das traumatisierte Tier und die klimatischen Unterschiede hätten ihm wohl zu sehr zugesetzt.» Das hätten ihr auch Schweizer Tierärzte bestätigt.

Die Gründerin der Tierschutzorganisation Spare, Amina Abaza, habe sich bereit erklärt, Seraphina unentgeltlich aufzunehmen. Dort werde sie rund um die Uhr umsorgt. Vogt will sie nun jedes Mal besuchen, wenn sie in Ägypten ist. «Seraphina wird mit dieser Geschichte zur Botschafterin aller gequälten Tiere dieser Welt», sagt Vogt.

«Es braucht ein abschreckendes Gesetz»

Für Vogt geht es um viel mehr als ein einzelnes leidendes Tier: «Diesen Zustand kann und soll es in einem Land wie Ägypten nicht geben. Gerade Ägypten, das einmal eine Hochkultur hatte, in der Tiere einen sehr hohen Stellenwert genossen.» Vogt reist seit rund 15 Jahren zweimal im Jahr in das Land und führt Seminarteilnehmer in die Hochkultur ein. Aber: «Das erste, das man als Tourist beim Gizeh-Plateau sieht, sind gepeinigte Pferde, die während der Fahrt ausgepeitscht werden – im Hintergrund die Pyramiden und die Sphinx. Einen grösseren Kontrast gibt es kaum», so Vogt.

Deshalb will die Tierliebhaberin handeln: «Diesem Missstand kann nur mit einem Tierschutzgesetz begegnet werden.» Zwar sei in einem Verfassungsartikel festgehalten, dass Tiere menschenwürdig behandelt werden müssten, ein Gesetz gebe es aber nicht. Sie fordert deshalb: «Was es braucht, ist ein Gesetz mit abschreckender Wirkung. Die Strafen für Tierquälerei müssen so drastisch sein, dass sich ein Mensch zweimal überlegt, ob er ein Tier quälen will oder nicht.»

Im November kommt es in Kairo nun zu Gesprächen. Vogt wurde eingeladen, vor mehreren Abgeordneten des ägyptischen Parlaments vorzusprechen. Die Seminarleiterin ist zuversichtlich: «Die Ägypter sind sehr hilfsbereit und engagiert, wenn sie auf die Not von Tieren aufmerksam gemacht werden. Das zeigt ganz klar, dass der Spirit für die Tiere bei ihnen da ist.»

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