Kriminalgericht Luzern – Esoterikerin manipuliert Frau und zockt sie um 5 Millionen Franken ab

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Kriminalgericht LuzernEsoterikerin manipuliert Frau und zockt sie um 5 Millionen Franken ab

Mit Koch- und Singkursen fing es an und endete in kompletter Abhängigkeit. Eine Esoterikerin hatte eine wohlhabende Frau jahrelang umgarnt, sie sozial isoliert und dann um mehrere Millionen Franken gebracht. Dafür wurde sie nun vom Luzerner Kriminalgericht schuldig gesprochen und zu einer Haftstrafe verurteilt.

von
Gianni Walther
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Für den Aufbau eines Zentrums in Braunwald GL (Bild), in dem sich Menschen unter anderem zum Meditieren treffen sollten, hat eine heute 66-Jährige von einer wohlhabenden Frau viel Geld erhalten.  

Für den Aufbau eines Zentrums in Braunwald GL (Bild), in dem sich Menschen unter anderem zum Meditieren treffen sollten, hat eine heute 66-Jährige von einer wohlhabenden Frau viel Geld erhalten.  

Dabei erhielt sie von der reichen Frau unter anderem ein Darlehen in der Höhe von 1,5 Millionen Franken. Dieses Geld setzte die 66-Jährige laut dem Luzerner Kriminalgericht jedoch zweckwidrig ein.

Dabei erhielt sie von der reichen Frau unter anderem ein Darlehen in der Höhe von 1,5 Millionen Franken. Dieses Geld setzte die 66-Jährige laut dem Luzerner Kriminalgericht jedoch zweckwidrig ein.

Gerichte Luzern
Das Kriminalgericht sprach die Frau schuldig wegen Veruntreuung, Betrugs, ungetreuer Geschäftsbesorgung und wegen mehrfacher Urkundenfälschung.

Das Kriminalgericht sprach die Frau schuldig wegen Veruntreuung, Betrugs, ungetreuer Geschäftsbesorgung und wegen mehrfacher Urkundenfälschung.

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Darum gehts

  • 34 Monate Freiheitsstrafe: Das Kriminalgericht Luzern hat eine Frau (66) unter anderem wegen Veruntreuung und Betrugs schuldig gesprochen.

  • Für den Aufbau eines spirituellen Zentrums hatte sie von einer reichen Frau viel Geld erhalten.

  • Dabei hatte sie auch Gelder zweckwidrig eingesetzt. Es geht um einen Betrag von rund 1,5 Millionen Franken.

  • Die wohlhabende Frau war in einem «massiven Abhängigkeitsverhältnis» zur Verurteilten und wurde gezielt von ihrem sozialen Umfeld isoliert.

Das Luzerner Kriminalgericht hat eine heute 66-jährige Frau unter anderem wegen Veruntreuung und Betrugs schuldig gesprochen. Die Frau, die im Kanton Glarus lebt, war im spirituellen Bereich tätig, wie aus dem Urteil hervorgeht. Ihr Opfer hatte die Frau 2010 auf einer Esoterikmesse in Zürich kennengelernt. Sie interessierte sich dort für die Produkte und ein Coaching der späteren Betrügerin. Danach nahm sie auch an Koch- und Singkursen teil, die die Verurteilte angeboten hatte, hinzu kamen ein zwei Jahre dauernder Lehrgang und sogenannte «private Teachings».

Misstrauen war unmöglich

Mehr und mehr geriet das Opfer so in ein «massives Abhängigkeitsverhältnis». Die Frau habe sich gegenüber der 66-jährigen Verurteilten «unterwürfig gezeigt und war ihr hörig», wie es im Urteil heisst. Das Opfer wurde demnach gezielt von ihrem sozialen Umfeld isoliert. Die Frau liess sich «völlig unterordnen und war nicht imstande, der Beschuldigten zu misstrauen». Dadurch habe sie keine Möglichkeit gehabt, ihre Beziehung zur Verurteilten und ihre Investitionen von Drittpersonen beurteilen zu lassen. Und diese Investitionen nahmen ein riesiges Volumen an.

Die Beschuldigte führte eine GmbH und auch eine Stiftung. In Braunwald GL wollte sie ein Zentrum aufbauen, in dem sich Personen unter anderem zum Meditieren treffen sollten. Gleichzeitig sollten dort die Geschäftsräume der Gesellschaft eingerichtet werden. Von der wohlhabenden Frau erhielten die Stiftung und die GmbH der Beschuldigten für den Aufbau des Zentrums rund 3,4 Millionen Franken.

2012 wollte die Beschuldigte das Nachbargrundstück samt Gebäude zur bereits gekauften Liegenschaft hinzukaufen und ausbauen. Für den Kauf benötigte sie weitere rund 1,5 Millionen Franken. Dieses Geld sollte die reiche Frau per Darlehen vorschiessen. Gemäss Urteil spielte die Beschuldigte ihr unter anderem vor, «dass ein für die Finanzierung des Liegenschaftserwerbs vorgesehener Geldgeber kurzfristig abgesprungen» sei. Weiter gab sie vor, dass «die erste Liegenschaft gegen Ende des Jahres 2012 betriebsbereit sei und Einnahmen abwerfen werde.» Konkrete Projekt-, Kosten- und Finanzierungspläne gab es dafür aber keine.

Gelder wurden zweckwidrig eingesetzt

Die 1,5 Mio. konnte sie gemäss Kriminalgericht nicht innert nützlicher Frist zurückzahlen. «Sie hatte denn auch nie den Willen, das Geld der Privatklägerin zurückzuzahlen», so das Urteil. Sie täuschte gegenüber dem Opfer «sowohl ihre Fähigkeit als auch ihren Willen vor, das Darlehen zurückzuzahlen.» Zudem setzte sie Teile des Geldes zweckwidrig ein, so gab sie Geld für private Zwecke aus und setzte es teilweise für ihre GmbH ein. Dies, obwohl eine Vereinbarung bestand, dass das ausschliesslich für die zweite Liegenschaft eingesetzt werden sollte.

Das Kriminalgericht sprach die Frau schuldig wegen Veruntreuung, Betrugs, ungetreuer Geschäftsbesorgung und wegen mehrfacher Urkundenfälschung. Sie wird zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt, davon zehn Monate unbedingt. Zudem muss sie Verfahrenskosten von fast 72’000 Franken bezahlen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Berufung wurde eingelegt.

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