Aktualisiert 06.02.2017 16:28

ErnährungEssen Sie sich jung und schlank mit Bitterstoffen

Bitter? Nein danke! Viele von uns mögen bitter fast nur in Bier, Wein oder Kaffee. Doch sind Bitterstoffe wahre Anti-Aging-Booster.

von
Sulamith Ehrensperger
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Bei Bitterem vergeht der Appetit schneller und wir essen weniger. Selbst von Schokolade können wir nicht allzu viel geniessen –   wenn sie über 70 Prozent Kakaoanteil hat. Denn purer Kakao ist bitter.

Bei Bitterem vergeht der Appetit schneller und wir essen weniger. Selbst von Schokolade können wir nicht allzu viel geniessen – wenn sie über 70 Prozent Kakaoanteil hat. Denn purer Kakao ist bitter.

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Bitterstoffe verschwinden zunehmend aus unserem Essen. Doch je weniger bitter, desto dicker und schlapper werden wir. Vielleicht kennen zukünftige Generationen diesen Geschmack dann nicht mehr.

Bitterstoffe verschwinden zunehmend aus unserem Essen. Doch je weniger bitter, desto dicker und schlapper werden wir. Vielleicht kennen zukünftige Generationen diesen Geschmack dann nicht mehr.

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Bitterstoffe in Bier und Co. tolerieren wir. Doch kommen unsere Geschmacksrezeptoren es immer weniger mit bitter zu tun. Aus Nahrungskulturpflanzen züchten wir es bewusst weg.

Bitterstoffe in Bier und Co. tolerieren wir. Doch kommen unsere Geschmacksrezeptoren es immer weniger mit bitter zu tun. Aus Nahrungskulturpflanzen züchten wir es bewusst weg.

Gajus, iStock

Bittere Obst-, Kräuter- und Gemüsesorten auf unseren Tellern werden immer rarer. Und damit auch deren Benefit: Radicchio, Rucola, Löwenzahn, Artischocke oder Chicorée, Salbei, Wermut oder Enzian sind effektive Stoffwechsel-Booster. Deren bittere Wirkstoffe regen die Verdauung an, helfen gegen Völlegefühl und Blähungen und bringen die Leber in Schwung.

«Unser Organismus, vor allem das Leber-Gallen-System, ist mit zu viel Süssem, Mehl und Fleisch überfordert. Ohne Bitteres werden wir immer dicker und schlapper», sagt Thomas Kamptisch, Lebensmittel- und Biotechnologe. Auch «Miraculix» oder «Kräuter-Doper» genannt, ist sein Spezialgebiet die funktionelle Leistungssteigerung durch Naturstoffe in Sport und Alltag.

«Bitterstoffe sind das älteste Anti-Aging-Mittel, das der Mensch kennt», verrät er. Schon im Mittelalter waren sie im Kampf gegen Falten und Speckröllchen geschätzt. Seit Jahrhunderten sind Kräuterbitter im Alpenraum ein beliebtes Verdauungsmittelchen. Auch den Ruf als Fatburner haben Bitterstoffe laut Kampitsch zu Recht: «Wie ein Hochleistungsmotor mit Einspritzung. Der Körper verbrennt schneller und effektiver. Dennoch sind sie kein Freipass für hemmungsloses Schlemmen.»

Doch im konventionellen Anbau werden Bitterstoffe aus Nahrungskulturpflanzen bewusst weggezüchtet – und mit ihnen auch Vitamine und Spurenelemente. «Auf den Tisch kommt, was dem Konsumenten schmeckt. Wir essen immer süsser. Bitter mögen wir oft nicht, weil es evolutionär die Assoziation giftig auslöst.» Kampitsch erinnert sich, dass in seiner Kindheit Radicchio so bitter schmeckte, dass er lediglich ein paar Blätter essen konnte. Heute sind die roten Blätter in vielen Salaten zu finden – ohne bitteren Nachgeschmack.

Wer nicht gerne bitter isst, dem hat Kampitsch einen Tipp: einen echten Kakao trinken, am besten mit Wasser angerührt oder einen Grüntee mit Zitrone. Er selbst bringt sich morgens mit Enziantropfen in Schwung. Sein Geheimtipp allerdings schmeckt bitter-süss: Schokolade mit mindestens 70 Prozent Kakaoanteil. «Ich bin ein Kakao-Junkie und esse täglich eine Tafel dunkle Schokolade», verrät Kampitsch, «Dank deren Bitterstoffe setzt das weniger an als eine Vierteltafel Milchschokolade.»

Thomas Kampitsch ist Lebensmittelforscher und Spezialist für Superfoods. Er ist auf funktionelle Lebensmittel, Power-Foods und Sporternährung spezialisiert. Kampitsch durchforscht Länder, Kulturen und deren Geschichte auf der Suche nach natürlichen "Dopingmitteln". Er ist Autor des Bestsellers "Natural Doping." Potenz, Fitness und Gesundheit durch hormonaktive Superfoods. Er ist leidenschaftlicher Kampf- und Kraftsportler und grosser CrossFit-Fan.

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