Marine Grain ist Getreide aus dem Meer

Das Meeresgetreide oder auch Marine Grain wird als Reis der Zukunft bezeichnet. 

Das Meeresgetreide oder auch Marine Grain wird als Reis der Zukunft bezeichnet. 

Aponiente Angel Leon / cerealmarino.com
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«Marine Grain»Essen wir bald Reis aus dem Meer?

Das Meereskorn Marine Grain gilt als Getreide der Meere und Reis der Zukunft, weil es eine viel bessere Ökobilanz aufweist. Wir schauen uns das Superfood aus dem Wasser genauer an. 

von
Luise Faupel

Pflanzen aus dem Meer könnten als nachhaltige Rohstoffquelle zu Nutzpflanzen und Lebensmitteln der Zukunft werden. Dies hört man nicht mehr nur über Algen, sondern auch über das sogenannte Marine Grain, des Getreide der Meere.  

Das Meer gilt als grosse Speisekammer, deren Inhalt beim Bekämpfen des Klimawandels helfen könnte – wenn man Mut zu neuen Ernährungsweisen hat. Immer mehr Meeres-Lebensmittel kommen zum Vorschein, so auch das Seegras Marine Grain, das kleine getreideähnliche Körnchen enthält.

Was genau ist Marine Grain?

Das Marine Grain trägt viele unterschiedliche Namen: Meeresgetreide, Meereskorn oder auch Seereis. Es stammt aus dem im Wasser wachsenden Seegras, ist glutenfrei, reich an Omega-6- und -9-Fettsäuren und enthält laut Forschungen pro Korn 50 Prozent mehr Eiweiss als Reis.

Auf den ersten Blick sieht Marine Grain aus wie ganz normales Seegras.

Auf den ersten Blick sieht Marine Grain aus wie ganz normales Seegras.

Aponiente Angel Leon / cerealmarino.com
Schaut man sich den Inhalt der Halme genauer an, kommen jedoch kleine Körnchen zum Vorschein. 

Schaut man sich den Inhalt der Halme genauer an, kommen jedoch kleine Körnchen zum Vorschein. 

Aponiente Angel Leon / cerealmarino.com
Der Reis der Zukunft? Forschungsteams sind bereits daran, alles zum Marine Grain zu untersuchen. Und ein Koch kreiert Rezepte. 

Der Reis der Zukunft? Forschungsteams sind bereits daran, alles zum Marine Grain zu untersuchen. Und ein Koch kreiert Rezepte. 

Aponiente Angel Leon / cerealmarino.com

Die Produktion von Reis nutzt bekanntlich zu viel Wasser. So hat Reis einen schlechten Ruf, wenn es um umweltbewusste Ernährung geht. Bei Marine Grain ist das anders: Es wächst im Meer und braucht weder Süsswasser noch Dünger.

Die Samen des Seegrases zu essen, ist eigentlich nichts Neues: Sie werden traditionell vom indigenen Volk der Seri am Golf von Kalifornien im mexikanischen Sonora als Getreide genutzt. Dennoch brüstet sich auch ein spanisches Unternehmen mit der Lancierung als nachhaltiges Lebensmittel.

Sterneküche mit Marine Grain 

Auch das spanische Unternehmen Aponiente widmet sich dem «Cereal Marino». Das Team, zu dem ein Dreisternerestaurant und Koch Angél Léon gehören, schreibt auf seiner Website, dass es Marine Grain nach einer seiner typischen Unterwasserexpeditionen zur Untersuchung von Meeresgemüse entdeckte.

Mit einer im Forschungslabor durchgeführten Studie liess Amponiente den menschlichen Verzehr von Marine Grain bestätigen. Das Unternehmen fand darüber hinaus, es könne aufgrund seiner einzigartigen Nährwertqualitäten auch als neues Superfood eingestuft werden.

Reis aus dem Meer als Pilotprojekt

In Zusammenarbeit mit einem Team der Universität von Cádiz und einem Forschungsteam der Regionalregierung hat Aponiente ein Pilotprojekt gestartet, bei dem drei Flächen von einem Drittel Hektare Salzwiesen in einen «Meeresgarten» für Marine Grain umgewandelt wurden. 

18 Monate später hatten die Pflanzen Körner produziert. Koch León testete das Getreide mit einer Reihe von Rezepten, mahlte es zu Mehl für Brot und Nudeln und verfeinerte es mit Aromen, um klassische spanische Reisgerichte zu imitieren. Investorinnen und Investoren waren begeistert. 

Wie schmeckt Meeresgetreide?

Marine Grain braucht zwei Minuten länger zum Kochen als Reis und es wird ebenfalls weich, wenn es zu lange gekocht wird. «Es ist interessant. Wenn man Marine Grain ähnlich zu braunem Reis mit der Schale isst, schmeckt man am Ende einen Hauch von Meer», sagt Koch León. «Aber ohne die Schale schmeckt man das Meer nicht.» Das Korn nimmt Geschmack dann sehr gut auf.

Was Marine Grain für die Umwelt tut

«In einer Welt, die zu drei Vierteln aus Meereswasser besteht, könnte das Meeresgetreide unsere Sicht auf die Ozeane grundlegend verändern», sagt Angél León. «Wir sollten das Meer als Garten verstehen.»

Seegras unter Wasser tut viel für die Umwelt. 

Seegras unter Wasser tut viel für die Umwelt. 

Getty Images/iStockphoto

Die Wirkung der Pflanze könnte noch viel weiter reichen, als nur als Superfood zu gelten. Das Getreide aus dem Meer kann 35-mal schneller Kohlenstoff binden als tropische Regenwälder und wird vom WWF als «unglaubliches Instrument» im Kampf gegen die Klimakrise bezeichnet. Seegras absorbiert jährlich zehn Prozent des Kohlenstoffs im Meer, obwohl es nur 0,2 Prozent des Meeresbodens bedeckt.

Wann kommt der Meeresreis auf den Teller?

Laut Unternehmenswebsite möchte Aponiente das weltweit erste und einzige spezialisierte Forschungs- und Entwicklungszentrum für Meeresgemüseanbau schaffen. Salzwasser gebe es genug – sowohl an der Küste als auch in versalzten Brunnen im Landesinneren. Das Meeresgetreide könnte die Weltkarte verändern, indem es den Zugang zu einer Nutzpflanze ermöglicht, die in Gebieten angebaut werden kann, die nur Zugang zu Salzwasser haben.

Der erste Meeresgarten des Teams in Südspanien deutet darauf hin, dass die durchschnittliche Ernte von Marine Grain bei etwa 3,5 Tonnen pro Hektare liegen könnte. Das ist zwar nur etwa ein Drittel von dem, was mit Reis erreicht wird, aber León weist auf das Potenzial für einen kostengünstigen und umweltfreundlichen Anbau hin.

«Wenn die Natur uns 3500 Kilogramm schenkt, ohne dass wir etwas tun müssen – keine Antibiotika, kein Dünger, nur Meerwasser und Bewegung –, dann sollten wir nicht länger zögern und Meeresgetreide anbauen.»

Hast du schon mal Meeresgetreide gegessen?

Was isst du oder isst du nicht, um dich für die Umwelt einzusetzen?

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