Essgestörte Jugendliche überfordern Spitäler
Aktualisiert

Essgestörte Jugendliche überfordern Spitäler

Immer mehr Jugendliche mit Essstörungen werden ins Kinderspital St.Gallen eingeliefert. Die Abteilung Jugendmedizin ist «am Rande des Machbaren» angelangt.

«Die Zahl der Essgestörten am Kinderspital hat nicht nur zugenommen, auch der Schweregrad ist gestiegen», sagt Josef Laimbacher, Leitender Arzt am Kinderspital. «Wir sind am Rande des Machbaren, weisen aber niemanden ab und bauen laufend aus», so Laimbacher. Der grösste Teil der Patienten sind pubertierende, an Bulimie oder Magersucht erkrankte Frauen. Es mussten aber auch schon Kinder im frühen Primarschulalter behandelt werden.

Gründe für die Zunahme sind laut Laimbacher der steigende Leistungsdruck sowie der Schönheits- und Fitnesswahn. Der Arzt betont: «Essstörung ist eine schwere Krankheit, oft kombiniert mit Begleitkrankheiten.» Auf der Ebene der Prävention müsste mehr unternommen werden, so Laimbacher. Der neu eingeführte Mindest-Bodymassindex an den Madrider Modewochen gehe in die richtige Richtung.

Diese Meinung teilt Madeleine Brogli, Mutter einer ehemals magersüchtigen Tochter. In Zusammenarbeit mit dem Kinderspital leitet sie eine Gesprächsgruppe für Eltern. «Das Thema ist immer noch tabu», sagt sie. «Trotz der Zunahme der Erkrankten sind die Kurse immer noch relativ schlecht besucht.»

Andrea Huser

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