Zürich: Wegen Neonazi-Schlägerei vor Gericht – Freispruch für ETH-Doktorand (29)
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ZürichWegen Neonazi-Schlägerei vor Gericht – Freispruch für ETH-Doktorand (29)

Am Mittwoch musste sich ein 29-Jähriger vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Es ging unter anderem um die Neonazi-Schlägerei vor rund zwei Jahren im Niederdorf.

Darum gehts

  • Ein ETH-Doktorand stand am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich.

  • Er soll im September 2019 als Teil einer linksextremen Gruppe eine Polterabendgruppe angegriffen haben.

  • Bei den Angegriffenen soll es sich um Rechtsextreme gehandelt haben.

  • Der 29-Jährige wurde freigesprochen.

Vor dem Bezirksgericht Zürich protestierten am Mittwochmorgen rund 50 Linksextreme. Bereits im Vorfeld hatte die Antifa Zürich auf Instagram eine Demonstration angekündigt. Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort. Der Grund: am Mittwoch begann der Prozess gegen einen ETH-Doktoranden. Der 29-Jährige musste sich wegen Angriffs und versuchter schwerer Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Im September 2019 hat er laut Anklageschrift zusammen mit einer Gruppe von linksextremen Teilnehmern eine Polterabendgruppe im Zürcher Niederdorf angegriffen. Dem Beschuldigten wurde vorgeworfen, einem Mann eine Flasche auf den Kopf geschlagen zu haben. Es soll sich dabei um Rechtsextreme gehandelt haben.

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Dieser ETH-Doktorand stand am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich – wegen Neonazi-Schlägerei und G20-Krawall.

Dieser ETH-Doktorand stand am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich – wegen Neonazi-Schlägerei und G20-Krawall.

Der Staatsanwalt verlangte eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten.

Der Staatsanwalt verlangte eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten.

Maja Sommerhalder
Vor dem Bezirksgericht Zürich protestierten am Mittwochmorgen rund 50 Linksextreme.

Vor dem Bezirksgericht Zürich protestierten am Mittwochmorgen rund 50 Linksextreme.

Der Beschuldigte habe zudem im Jahr 2017 am G-20-Gipfel in Hamburg mit anderen Krawallanten teilgenommen. Der Staatsanwalt sprach von brachialer Gewalt, welche am G-20-Gipfel in Hamburg und im Zürcher Niederdorf ausgeübt wurde. «Der Beschuldigte will nicht mit Worten reden, sondern mit roher Gewalt argumentieren.» Der Staatsanwalt verlangte eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten.

Vor dem Bezirksgericht Zürich protestierten am Mittwochmorgen rund 50 Linksautonome.

Der Mann sei in Hamburg dank einer Gesichtserkennungssoftware von der deutschen Polizei identifiziert worden. Der Beschuldigte habe sich in einer Personengruppe des Schwarzen Blocks aufgehalten. Beim Vorfall im Zürcher Niederdorf sei eine Baseballmütze und eine Sonnenbrille mit seinen DNA-Spuren gefunden worden. Im weiteren sagte der Staatsanwalt, dass der 29-Jährige demnächst in Basel wegen Landfriedensbruch vor Gericht stehen wird.

Die Verteidigerin des Beschuldigten forderte einen vollumfänglichen Freispruch und eine Genugtuung von 3000 Franken für die zwölftägige Untersuchungshaft. Sie machte im Fall Hamburg prozessuale Mängel geltend und sagte: «Es gibt keine Beweise für eine aktive Beteiligung oder Beihilfe des Landfriedensbruchs.» Zudem sagte sie, dass keiner der Teilnehmer des Polterabends im Zürcher Niederdorf ihren Mandanten identifizieren konnte, alle seien vermummt gewesen. Es gebe auch keine Beweise, dass er mit der Flasche geschlagen habe.

Am Prozess verweigerte der Beschuldigte jegliche Aussage, wie schon in der Untersuchung. Sogar auf die Frage des Richters, worum es in seiner Physik-Doktorarbeit gehe, sagte er: «Ich verweigere die Aussage.»

Das Gericht sprach den 29-Jährigen vollumfänglich frei. Für die Richter war unbestritten, dass der Beschuldigte an beiden Orten dabei war, dies hätten Fotos und DNA-Spuren ergeben - aber die Teilnahme an den Gewalttaten lasse sich nicht beweisen. «Der so verhasste Rechtsstaat achtet eben die Rechtsstaatlichkeit», sagte der Richter zum Beschuldigten.

Auf dem Online-Portal Barrikade.info bekannten sich damals Linksextreme zum Angriff. Dazu hiess es: «13 Faschisten feierten einen Junggesellen-Abschied. Sie pöbelten, zeigten Hitlergrüsse und waren durch eindeutige Symbole und Tattoos als Neonazis zu erkennen. Als sie besoffen und pöbelnd von einem Lokal ins nächste zogen, wurden sie von AntifaschistInnen vermöbelt und somit wurde diesem Treiben ein Ende gesetzt.»

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Fachstelle Frauenberatung

Onlineberatung für Frauen (BIF)

Onlineberatung für Männer

Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Pro Juventute, Tel. 147

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