Unkorrekt und fahrlässig: ETH entzieht Doris Fiala den Mastertitel

Aktualisiert

Unkorrekt und fahrlässigETH entzieht Doris Fiala den Mastertitel

Die von FDP-Nationalrätin Doris Fiala im Rahmen ihrer ETH-Weiterbildung verfasste Masterarbeit enthält Plagiate. Ihr Mastertitel wird aberkannt. Dies hat die ETH Zürich mitgeteilt.

von
kub
Doris Fiala ist ihren Mastertitel los.

Doris Fiala ist ihren Mastertitel los.

Die von FDP-Nationalrätin Doris Fiala im Rahmen ihrer ETH-Weiterbildung verfasste Masterarbeit enthält Plagiate. Dies hat ein von der ETH Zürich in Auftrag gegebenes externes Expertengutachten ergeben. Der Rektor bewertet die Unkorrektheiten als «nicht unerheblich» und erklärt die Arbeit für nicht bestanden.

Der Verdacht, dass Doris Fiala in ihrer Masterarbeit im Rahmen des ETH-Weiterbildungsprogramms «Master of Advanced Studies in Security Policy and Crisis Management» (MAS ETH SPCM) wissenschaftlich unkorrekt gearbeitet hat, hat sich erhärtet. Ein externes Expertengutachten weist zweifelsfrei nach, dass die Autorin in ihrer Arbeit «Die schweizerische Migrationspolitik im Kontext der nationalen Sicherheit und globaler Zusammenhänge» zahlreiche Inhalte ohne korrekten Nachweis aus fremden Quellen übernommen hat, schreibt die ETH in einer Medienmitteilung.

Fiala hat aus der Sicht der ETH fahrlässig gehandelt und die Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens klar verletzt. «Wer eine wissenschaftliche Arbeit verfasst, muss immer sorgfältig und korrekt mit dem geistigen Eigentum anderer umgehen», hält Rektor Lino Guzzella fest, der für die Lehre an der ETH Zürich verantwortlich ist.

Guttenberg tritt zurück

Fiala wills nochmals anpacken

Fialas Arbeit wird nachträglich als «nicht bestanden» bewertet. Die Nationalrätin kann den Titel «Master of Advanced Studies» nicht mehr führen. Sie kann sich jedoch wieder für den MAS ETH SPCM bewerben und um Anrechnung der bisherigen Studienleistungen ersuchen, hält die ETH Zürich fest. Eine allfällige neue Masterarbeit müsste sie zu einem anderen Thema verfassen.

Wie Fall Guttenberg: Verfahren gegen Schavan

Genau dies werde sie tun, schreibt Fiala. Sie werde umgehend die Neu-Immatrikulation an die Hand nehmen. Die Politikerin steht - und stand von Anfang an - zu ihren Fehlern, die aufgrund mangelnder Sorgfalt entstanden seien. In ihrem Communiqué betont sie, dass die ETH ihr fahrlässiges Handeln attestiere und nicht vorsätzlichen Betrug vorwerfe.

Guttenberg: «Grenzen meiner Kräfte erreicht»

Fiala nennt zwei Hauptgründe dafür, dass sie auf den Mastertitel «nicht einfach verzichte»: Sie habe Fehler gemacht, und sie wolle «den fehlerhaften Zustand möglichst rasch beheben». Zudem habe sie als erste Frau - und erste Nicht-Akademikerin - am MAS-Programm teilgenommen. Sie fände es «sehr unschön, wenn ausgerechnet die erste Frau auf einem Misserfolg sitzen bliebe».

Die ETH ihrerseits zieht Lehren aus dem Fall und stärkt die Verankerung ihrer Regeln für die wissenschaftliche Praxis.

(kub/sda)

Deine Meinung