Rücktritt nach Manipulation: ETH-Forschungschef in Datenfälschung verwickelt

Aktualisiert

Rücktritt nach ManipulationETH-Forschungschef in Datenfälschung verwickelt

Manipulationen bei der ETH: Peter Chen, der Vizepräsident für Forschung der ETH Zürich, ist in einen Fall von wissenschaftlicher Datenfälschung verwickelt. Chen gibt sein Amt auf Ende September ab. Wer genau die Daten manipuliert hat, ist aber unklar.

«Es geht um einen Fall von Datenmanipulation der vor zehn Jahren stattgefunden hat», sagte Ralph Eichler, Präsident der Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich, an einer Telefonkonferenz. Die betroffenen Forschungsarbeiten (zwei Publikationen und eine Doktorarbeit) stammen aus der Grundlagenforschung im Bereich Chemie der ETH und wurden im Jahr 2000 von Angehörigen der damaligen Gruppe um Chen publiziert.

Chen ist seit 1994 ordentlicher Professor für Physikalisch-Organische Chemie und seit 2007 auch ETH-Vizepräsident für Forschung und Wirtschaftsbeziehungen. Betroffen von den Manipulationen sind Resultate im Zusammenhang mit der spektroskopischen Strukturaufklärung von Kohlenwasserstoffradikalen. Dabei handelt es sich um kurzlebige chemische Verbindungen, die beispielsweise bei Verbrennungsprozessen entstehen.

Signifikant abweichende Resultaten

Nach der Publikation der Arbeiten sind andere, auf dem gleichen Gebiet tätige Forschungsgruppen, zu signifikant abweichenden Resultaten gekommen. In der Folge hat sich die Gruppe von Chen gemeinsam mit der Gruppe eines ehemaligen Habilitanden darum bemüht, die Diskrepanzen zu klären. Weil die Suche nach Gründen für die festgestellten Abweichungen erfolglos blieb, entstand bei Chen zunehmend der Verdacht auf Manipulationen und er beantragte im vergangenen Januar der Schulleitung, eine wissenschaftliche Untersuchungskommission einzusetzen. Gleichzeitig zogen er und seine Mitautoren eine erste Publikation zurück.

Die Kommission überprüfte die angezweifelten Studien und befragte die an den Experimenten Beteiligten; den Doktoranden, den damaligen Habilitanden und Chen. Sie kam zum Schluss, dass die Daten, die den untersuchten Publikationen und der Doktorarbeit zu Grunde lagen, manipuliert worden sind. Alle Beteiligten hätten zwar bestätigt, dass die Daten manipuliert worden seien, aber klar bestritten, dafür verantwortlich zu sein.

Originaldaten verschwunden

Die Kommission befand in der Folge, dass auch die zweite Publikation und die Doktorarbeit zurückgezogen werden müssen. Während die Publikation zurückgezogen wurde, widerrief der Autor der Doktorarbeit seinen freiwilligen Rückzug später wieder. Laut Eichler konnte nicht klar nachgewiesen werden, wer für die Manipulationen verantwortlich war. Dies auch weil die Originaldaten und das Laborjournal ungewöhnlicherweise verschwunden waren.

Als Konsequenz habe sich Chen aus Respekt vor der ETH und der Aufgabe als Forschungschef zum Rücktritt als Forschungsleiter per Ende Monat entschlossen. Er sehe sich als für die Qualitätssicherung in der Forschung verantwortlicher Vizepräsident speziell betroffen und erachtet seine Handlungsfähigkeit als eingeschränkt. Chen wird aber als Forscher und Dozierender an der ETH verbleiben. «Er ist eine integere Persönlichkeit, in die ich volles Vertrauen habe», sagte Eichler.

Noch am Laufen ist das wissenschaftliche Verfahren. Die Beschwerdekommission werde unter anderem entscheiden, ob dem damaligen Doktoranden der Doktortitel aberkannt werden soll. Er gehe davon aus, dass kein Strafverfahren eingeleitet werde, sagte Eichler. «Ich denke, dass die Beweislage nicht gut genug ist, dass ein Verfahren zum Erfolg führen wird», sagte der ETH-Präsident, der in Folge des konsequenten Vorgehens der Hochschule keinen Imageverlust fürchtet. (dapd)

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