Aktualisiert 18.08.2015 07:51

Zürich

ETH liebäugelt mit einem eigenen Tiefbahnhof

Die neue Durchmesserlinie führt in Zürich direkt unter den Zentralgebäuden der Hochschulen und des Unispitals durch. Nun haben visionäre Köpfe der ETH eine Idee.

von
gio
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So wie hier im unterirdischen Bahnhof Löwenstrasse der Durchmesserlinie (DML) am Hauptbahnhof Zürich könnte es irgendwann auch...

So wie hier im unterirdischen Bahnhof Löwenstrasse der Durchmesserlinie (DML) am Hauptbahnhof Zürich könnte es irgendwann auch...

Keystone/Patrick B. Kraemer
...unter der ETH Zürich-Zentrum aussehen. Das Hochschulquartier ist momentan für Benützer des öffentlichen Verkehrs per Tram...

...unter der ETH Zürich-Zentrum aussehen. Das Hochschulquartier ist momentan für Benützer des öffentlichen Verkehrs per Tram...

Keystone/Gaetan Bally
...oder mit der Polybahn zu erreichen. Ein unterirdischer Bahnhof würde den direkten Anschluss ans S-Bahnnetz ermöglichen.

...oder mit der Polybahn zu erreichen. Ein unterirdischer Bahnhof würde den direkten Anschluss ans S-Bahnnetz ermöglichen.

Keystone/Alessandro Della Bella

Volle Trams, volles Polybähnli – der öffentliche Verkehr zu den Zentren von Uni und ETH ist zu Stosszeiten völlig überlastet. Hinzu kommen Staus auf den Strassen. Das muss nicht sein, findet man an der ETH und hat eine Idee: Warum nicht ein Tiefbahnhof direkt unter dem Hochschulquartier?

Dafür bräuchte man nicht einmal einen Tunnel zu bohren, denn diesen gibt es bereits: Die Durchmesserlinie (DML). «Damit würde das Hochschulquartier zu einer der besterschlossenen und -gelegenen Flächen dieser Art», sagt Ulrich Weidmann, Professor am Institut für Verkehrsplanung der ETH in der «Schweiz am Sonntag». Die Pendler würden über Lifts und unterirdische Passagen von den Perrons zu den Zentralgebäuden von ETH, Uni und Unispital gelangen. Die Kosten des Bahnhofs schätzt Weidmann auf einen tiefen dreistelligen Millionenbetrag.

«Offen für innovative Lösungen»

Die Erstellung wäre zwar anspruchsvoll, weil die Durchmesserlinie unter laufendem Betrieb erweitert werden müsste. Bahnbetrieblich seien jedoch keine unüberwindbaren Hindernisse erkannt worden, sagt Weidmann. Das Projekt wurde in einer studentischen Arbeit analysiert und erhält sogar Support von der ETH-Spitze: «Wir unterstützen die Idee eines Bahnhofs in der DML», sagt Roman Boutellier, Vizepräsident Personal und Ressourcen. Man habe diese auch schon dem Zürcher Regierungsrat vorgestellt.

Der Kanton Zürich selbst signalisiert Wohlwollen. «Alle Beteiligten sind für innovative Lösungen offen», sagt Dominik Bonderer von der Baudirektion zur «Schweiz am Sonntag». Eine allfällige Anbindung an die Durchmesserlinie würde «bedarfs- und phasenweise im Rahmen des Gebietsmanagements geprüft.»

Die Idee vom U-Bahnhof erinnert an die Porta Alpina im Neat-Gotthardbasistunnel. Diese hätte Sedrun und die Surselva ans Bahnnetz anschliessen sollen. Doch das Projekt war gescheitert – unter anderem befürchteten die SBB, dass der zusätzliche unterirdische Halt die nationalen und internationalen Zugverbindungen beeinträchtigen könnte.

Auch die bessere Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr des zweiten ETH-Standorts am Hönggerberg ist momentan ein Thema. Ingenieur Adolf Flüeli schlägt eine unterirdische S-Bahn-Station vor. FDP-Kantonsräte unterstützen diese Idee und wollen vom Regierungsrat mittels einer Anfrage wissen, was er davon hält. Es ginge einerseits um einen S-Bahn-Tunnel vom HB nach Regensdorf und andrerseits um eine Metrobahn von der City bis unter den Hönggerberg. Die Regierung muss bis Oktober dazu Stellung nehmen.

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