Publiziert

Uni-Job statt Profi-KarriereETH-Mathematikerin schreibt Gold-Märchen bei Olympia

Die Österreicherin Anna Kiesenhofer gewinnt im Strassenrennen der Frauen völlig überraschend die Goldmedaille. Die 30-Jährige ist Amateurin – und hat einen Doktortitel in Mathematik.

von
Lucas Werder
1 / 3
Anna Kiesenhofer gewinnt im Strassenrennen Gold für Österreich.

Anna Kiesenhofer gewinnt im Strassenrennen Gold für Österreich.

Pool via REUTERS
Die 30-Jährige führte das Rennen während der gesamten 134 Kilometer an.

Die 30-Jährige führte das Rennen während der gesamten 134 Kilometer an.

Getty Images
Kiesenhofer hat einen Doktortitel in Mathematik.

Kiesenhofer hat einen Doktortitel in Mathematik.

AFP

Darum gehts

  • Anna Kiesenhofer gewinnt völlig überraschend Gold im Strassenrennen der Frauen.

  • Die Österreicherin ist im Gegensatz zu ihren Rivalinnen eine Rad-Amateurin.

  • Sie hat einen Doktortitel in Mathematik und arbeitet an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne.

Schon 13 Kilometer vor dem Ziel ist der Wikipedia-Eintrag von Anna Kiesenhofer aktualisiert. «Anna Kiesenhofer (* 14. Februar 1991 in Niederkreuzstetten) ist eine österreichische Radrennfahrerin und amtierende Olympiasiegerin (2021)», steht im entsprechenden Enzyklopädie-Eintrag geschrieben.

Kurz darauf ist die 30-jährige Kiesenhofer dann auch offiziell Olympiasiegerin, als sie mit deutlichem Vorsprung als Erste auf dem Fuji Speedway über die Ziellinie rollt. Mit ihrem Gold-Triumph schreibt die Österreicherin wohl das bislang grösste Olympia-Märchen.

Uni-Anstellung statt Profi-Karriere

Denn Kiesenhofer ist im Gegensatz zu den meisten ihrer Konkurrentinnen keine Profi-Radrennfahrerin, sondern promovierte Mathematikerin. 2016 machte sie an der Universitat Politècnica de Catalunya ihren Doktortitel, seit 2017 ist sie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (EPFL) in Lausanne angestellt. Für diesen Job hatte Kiesenhofer sogar einst einen Profi-Vertrag ausgeschlagen.

Ihren Gold-Coup von Tokio hatte die Mathematikerin perfekt kalkuliert. Direkt nach dem Start bei Kilometer null riss die österreichische Aussenseiterin mit der Polin Anna Plichta und der Israelin Omer Shapira aus dem Feld aus. Rund 45 Kilometer vor dem Ende entledigte sie sich ihrer beiden Fluchtbegleiterinnen. Im Feld der Favoriten verrechnete man sich dagegen böse und gewährte Kiesenhofer einen Vorsprung, den man nicht mehr wegmachen konnte.

Schweizerin Reusser verpasst Exploit

Im Ziel sackte Kiesenhofer nach ihrem Gold-Ritt völlig entkräftet zusammen und rang nach Luft. Erst nach einigen Minuten konnte die 30-Jährige realisieren, welches Märchen sie da gerade geschrieben hatte. Hinter der österreichischen Sensationssiegerin holte sich die niederländische Topfavoritin Annemiek van Vleuten Silber, Elisa Longo Borghini sicherte für Italien die Bronzemedaille.

Als einzige Schweizerin am Start war die Bernerin Marlen Reusser. Kurz nach der Rennhälfte musste die Olympia-Debütantin das Feld der Favoritinnen ziehen lassen. Der 29-Jährigen sind im Zeitfahren grössere Chancen auf eine Medaille zuzutrauen.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

7 Kommentare