Aktualisiert 29.07.2012 20:12

Mehr Leistung

ETH-Rektor beklagt tiefes Schulniveau

Die Matura-Prüfungen seien in der Schweiz viel zu einfach, meint ETH-Rektor Lino Guzzella. Die Gymnasien müssen sich als Elite-Schulen verstehen. Zudem will er die Studiengebühr an der ETH verdoppeln.

von
kub
Der neue Rektor der ETH Zürich, Lino Guzzella, fordert Gymnasien, die wie Elite-Schulen funktionieren. Rechts: ETH Zürich.

Der neue Rektor der ETH Zürich, Lino Guzzella, fordert Gymnasien, die wie Elite-Schulen funktionieren. Rechts: ETH Zürich.

Der neue Rektor der ETH Zürich, Lino Guzzella, hält das Niveau an den Schweizer Schulen für zu tief. Namentlich die Gymnasien müssten mehr fordern. «Man kann heute relativ einfach zu einer Maturität kommen», sagt Guzzella im Interview mit der «NZZ am Sonntag». Er fordert eine härtere Maturitätsprüfung, vor allem in den Fächern Mathematik, Physik, Deutsch und Englisch. Die ungenügenden Leistungen von Maturanden in Mathematik seien spürbar an der ETH. Auch die Sprachkenntnisse von Ingenieuren seien zum Teil ungenügend. «Die Gymnasien müssen sich als Elite-Schulen verstehen», sagt Guzzella. Er kritisiert die Leitbilder einiger Gymnasien. Man wolle an der Schule eine angenehme Atmosphäre, ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler. An letzter Stelle aufgelistet sei dann noch der Leistungsauftrag der Bildungsdirektion. Das seien falsche Prioritäten. Zuoberst müsste stehen: «Wir wollen an dieser Schule hervorragende Ausbildung und Leistung erbringen», so Guzzella im Interview.

Mehr Leistungsdenken erwartet der neue ETH-Rektor auch von den Volksschulen. Weil sich diese immer mehr um Erziehung kümmern müssten, werde die Ausbildung vernachlässigt. Das führe dazu, dass die talentierten Schüler zu wenig gefördert und schlecht auf ein Studium an der ETH vorbereitet würden.

Guzzella kündigt weiter an, dass die Studiengebühren an der ETH in den nächsten Jahren deutlich erhöht werden - auf jährlich 2600 Franken, was eine Verdoppelung gegenüber heute wäre. Im internationalen Vergleich sei das Studium an der ETH ein «absoluter Preisknüller». Es ist vorgesehen, dass von ausländischen Studierenden ein kleiner Aufpreis für die zweisprachige Administration verlangt wird.

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