High-Tech-Hund – ETH-Roboter übt in Schwyzer Alpen für Weltraum-Einsatz
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High-Tech-HundETH-Roboter übt in Schwyzer Alpen für Weltraum-Einsatz

In 31 Minuten war er auf dem Gipfel des Etzels. In Zukunft soll der Roboter-Hund Anymal bei Rettungsmissionen und gar im Weltall zum Einsatz kommen.

von
Nathan Keusch
Anymal in Action

Der vierbeinige Roboter macht eine Wanderung auf den Etzel im Kanton Schwyz.

Philip Salzmann Aurelia Campedel

Darum gehts

2,2 Kilometer und 120 Höhenmeter in einer Stunde und 18 Minuten: Das ist die stolze Bilanz des Roboter-Hunds Anymal. Der vierbeinige Roboter musste bei seiner Wanderung auf den Schwyzer Etzel und zurück steiles Gelände, hohe Stufen, Baumwurzeln und rutschigen Boden überwinden – scheinbar mühelos, brauchte Anymal für die Strecke zum Gipfel nur 31 Minuten. Auf der offiziellen Beschilderung werden 35 Minuten angegeben.

Herrchen des mechanischen Hundes ist der Robotikforscher Takahiro Miki. Mit seinem Team von der ETH Zürich entwickelte er Anymal für sogenannte Search and Rescue Missionen, also um in gefährlichen Gebieten nach Verschütteten zu suchen und diese zu retten.

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Zusammen mit dem Abstieg waren es aber doch eine Stunde und 18 Minuten. Die Bilanz in dieser Zeit: 2,2 Kilometer und 120 Höhenmeter. 

Zusammen mit dem Abstieg waren es aber doch eine Stunde und 18 Minuten. Die Bilanz in dieser Zeit: 2,2 Kilometer und 120 Höhenmeter.

RSL/ETH Zürich
Herrchen des mechanischen Hundes ist Takahiro Miki (Mitte). Zusammen mit seinem Team der ETH Zürich entwickelte er Anymal. 

Herrchen des mechanischen Hundes ist Takahiro Miki (Mitte). Zusammen mit seinem Team der ETH Zürich entwickelte er Anymal.

RSL/ETH Zürich
Das Ziel des Projekts: Er soll für sogenannte Search and Rescue Missionen dereinst eingesetzt werden. 

Das Ziel des Projekts: Er soll für sogenannte Search and Rescue Missionen dereinst eingesetzt werden.

RSL/ETH Zürich

Roboter mit tierischen Eigenschaften

Für solche Missionen werden bis anhin vor allem Tiere eingesetzt. Bis jetzt können Roboter noch kaum mit der Leistung von Tieren mithalten, die sich in schwierigem Gelände sicher und zügig fortbewegen können. Ein grosser Vorteil der Tiere ist es, dass sie ihre Umgebung nicht nur sehen, sondern auch fühlen können. Somit können sie den Untergrund auch besser einschätzen und wenn nötig das Tempo drosseln.

Die ETH-Forscher haben Anymal deshalb nicht nur mit optischen Sensoren ausgestattet, sondern ihm auch eine haptische Wahrnehmung verliehen. In schlauer Art und Weise kombiniert er visuelle Informationen zum Gelände und Informationen über die Beschaffenheit des Untergrunds.

Schlechte Sicht und schwieriger Untergrund wie rutschiges Gras und schneebedeckte Oberflächen stellen für Anymal also kein Problem dar. «Indem er in solchen Situationen die visuellen Informationen ausblendet, kann der Roboter durch staubige, nasse und schwach beleuchtete Umgebungen navigieren», erklärte Miki im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Heute der Etzel, morgen der Mars

Neben Rettungsmissionen soll der rund 50 Kilo schwere Roboter in Zukunft auch im All und auf fremden Planeten eingesetzt werden. Dazu braucht es aber noch mehr Zeit und Forschung. Miki: «Es braucht derzeit noch einen Menschen, der Navigationsbefehle gibt. Auf einem anderen Planeten wäre es natürlich besser, er könnte vollkommen autonom arbeiten.»

Laufen gelernt hat Anymal nicht in den Bergen, sondern im Labor. Hierbei lernt der Roboter nicht in der realen Welt verschiedene Situationen kennen, sondern in einer simulierten Umgebung, in der ihm in kürzester Zeit Hunderte verschiedener Terrains präsentiert werden können. Wird der Roboter anschliessend in die echte Welt entlassen, kommt ihm im Grunde jede Situation bereits bekannt vor.

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